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„Wollen die Schüler besser informieren“

Lucas Böhme ist neuer Sprecher des Kreisschülerrates. Dort liegt einiges im Argen. Das will der Geisinger ändern.

Lucas Böhme wurde im Oktober zum Vorsitzenden des Kreisschülerrates vom Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gewählt. Der 19-Jährige besucht das Glückauf-Gymnasium in Altenberg. Er will neuen Schwung in die Arbeit der Schülervertretung bringen.

Warum hast du dieses Amt übernommen? Hat man als Gymnasiast nicht schon genug zu tun?

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Weil es verschiedene Sachen gibt, an denen mich etwas stört. Ich denke da zum Beispiel an die Schülerbeförderung oder Schulhausordnungen. Andere sehen auch manches kritisch, haben aber offenbar nicht den Mut, ihren Standpunkt offen zu vertreten. Meine Erfahrung ist, dass man, wenn man seine Meinung sachlich vorträgt, auch Veränderungen bewirken kann. Welche Erfahrungen bringst du sonst noch für dein neues Amt mit?

Bis zur 10. Klasse hatte ich mit Schülervertretungen nichts am Hut. Dann meinte unserer Schulleiterin, weil ich mich oft für andere Schüler einsetze, könnte ich auch Schülersprecher werden. So bin ich schließlich Schülersprecher am Altenberger Gymnasium geworden. Damit gehörte ich automatisch auch zum Kreisschülerrat. Seit Anfang 2013 bin ich außerdem einer der vier Schüler aus dem Kreis, die in den Landesschülerrat delegiert wurden.

Die Bilanz der bisherigen Kreisschülerratsarbeit sieht eher ernüchternd aus. Woran lag es?

Die Zusammenarbeit unter den Schülersprechern der Schulen hat nicht gut funktioniert. Wenn zu Vollversammlungen eingeladen wird, kamen meist nur wenige Rückmeldungen. Teils sind wir gar nicht beschlussfähig gewesen. Manchmal hatte ich den Eindruck, einige haben sich wählen lassen, weil sie sich von dem Amt ein bisschen Ansehen erhoffen, ohne aber zu wissen, welche Aufgaben und Pflichten ein Schülersprecher eigentlich hat. Es ist aber auch eine Zeitfrage. Viele Schülersprecher kommen aus der Abiturstufe. Da sind dann die Prioritäten doch andere.

Was will der neue Kreisschülerrat

anders machen?

Wir wollen die Öffentlichkeitsarbeit verbessern, weil wir gemerkt haben, dass Schüler oft gar nicht wissen, welche Möglichkeiten sie haben, sich einzubringen. Dafür werden wir eine Internetseite gestalten, auf der auch die Protokolle von Vorstandssitzungen oder Vollversammlungen zu finden sind, damit sich jeder darüber informieren kann, womit wir uns befassen. Wir werden auch neue Flyer anfertigen lassen und sie an die Schülervertretungen verteilen, damit alle mehr über ihre Rechte und Aufgaben erfahren. Auch Kontaktadressen finden sich auf den Flyern. Insgesamt soll die Arbeit des Kreisschülerrates mehr Struktur erhalten, Aufgaben sollen besser verteilt werden, Termine gesetzt und regelmäßige Treffen sowie Vorstandssitzungen anberaumt werden.

Das sind ehrgeizige Ziele. Doch auch für dich rückt das Abi immer näher. Ist das denn alles zu schaffen?

Das stimmt, ich habe nur ein knappes Jahr Zeit. Aber es gibt jüngere Vorstandsmitglieder, die dann weitermachen werden. Ich habe mit Blick auf das Abi schon Aufgaben verteilt und auch für meine Nachfolge schon jemanden ins Auge gefasst. Für mich selbst gibt es nach der Schulzeit die Möglichkeit, als Kreispate weiter zu helfen.

Es gibt viele Themen, die Schüler bewegen: Schulbusverkehr, Stundenausfall, schlechtes Schulessen oder Mobbing. Wie kann der Kreisschülerrat da eingreifen?

Zunächst sollte versucht werden, bestimmte Themen intern an der Schule zu klären, an der sie eine Rolle spielen. Im Kreisschülerrat kann man sich aber auch untereinander darüber austauschen. Wir können als Moderatoren wirken, Hinweise geben, wie Probleme gelöst werden können. An einzelne Schulen zu gehen, das ist schon vom Zeitaufwand her nicht möglich.

Wo finden euch Schüler, wenn sie ein Problem oder einen Hinweis haben?

Per E-Mail ist das im Moment nur über die Internetseite des Landesschülerrates möglich. Ansonsten sind wir aber auch bei Facebook.

Wie sehen eure Arbeitsbedingungen aus?

Wir können ein Büro bei der Aktion Zivilcourage, einem Pirnaer Verein, nutzen. Das bedeutet aber für viele einen ziemlich langen Anreiseweg. Meist treffen wir uns in einem Café im Dippser Raum. Wir haben ein eigenes Budget, bei dem der größte Posten die Fahrtkosten sind.

Wie sehen deine Pläne nach dem Abi aus?

Ich habe die Politik für mich entdeckt. Daher will ich Politik- oder Kommunikationswissenschaften studieren.

Das Gespräch führte Regine Schlesinger.

www.lsr-sachsen.de