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Umstrittenes Modelabel bekommt Laden in Zittau

Michaela Koch verkauft ab Sonnabend Yakuza-Mode am Zittauer Markt. Die T-Shirts und Hosen sind beliebt - vor allem auch in einer bestimmten Szene.

Michaela Koch liebt Yakuza-Mode und will diese nun in Zittau verkaufen.
Michaela Koch liebt Yakuza-Mode und will diese nun in Zittau verkaufen. ©  Rafael Sampedro

Zuletzt hat Zittau vor allem mit der Schließung von Modegeschäften Schlagzeilen gemacht. Ob das Modehaus Wehner oder die Boutiquen Royal Beauty und Bananas - bei allen gingen die Türen für immer zu. Nun gibt es endlich wieder etwas Positives aus dem Zittauer Modehandel zu vermelden: Am Sonnabend eröffnet am Markt ein Yakuza-Store.

Mit der Idee eines eigenen Ladens trägt sich Michaela Koch schon länger. Nun macht die gebürtige Tschechin Nägel mit Köpfen. In dem neuen Geschäft gibt es verschiedene Produkte des Bautzener Modelabels Yakuza - von Sweat- und T-Shirts bis hin zu Hosen, Gürteln und Badetüchern. Es handelt sich dabei um Klamotten, die sportlich ausschauen, vor allem aber provozieren mit martialischen Aufdrucken wie Totenköpfen oder Waffen.

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Gerade jüngere Generationen kaufen gern die Yakuza-Mode, die sich laut der Eigendarstellung der Produzenten als Provokation zu den bestehenden gesellschaftlichen Werten und Normen versteht. In bestimmten Kundenkreisen ist die Marke zum Kult geworden.

Zu den Yakuza-Fans gehört Michaela Koch. Sie und ihre Kinder tragen selbst Yakuza-Mode. Auch deshalb wollte die 37-Jährige, dass die kultige Mode in einem eigenen Laden in Zittau erhältlich ist. Es fehle auch ein bisschen frischer Wind im Zittauer Modehandel, findet Michaela Koch, die seit Sommer 2018 mit ihrer Familie in der Mandaustadt lebt. Diese Einschätzung nimmt man ihr gern ab, lebte sie doch vor ihrem Umzug nach Zittau viele Jahre in Rheinland-Pfalz.

Von Rheinland-Pfalz in die Oberlausitz

Dass es sie vom äußersten Westen in den äußersten Osten der Republik gezogen hat, hängt auch mit ihrer Geburtsstadt Liberec zusammen. Dort leben noch immer ihre Geschwister und Eltern. Sie wollte wieder in ihrer Nähe leben. Nach 20 Jahren in Deutschland fühlt sie sich innerlich als Deutsche und wollte deshalb auch in Deutschland bleiben. Zittau bot sich durch die Nähe zu Liberec als neuer Wohnort an.

Für die jüngeren Generationen gebe es nur wenige Modegeschäfte in der Stadt. Beliebt bei den jungen Kunden ist auch das Colloseum auf der Bautzner Straße. Der Fortbestand der Filiale stand zuletzt allerdings auf der Kippe, weil die Modekette Insolvenz angemeldet hatte. Das Zittauer Geschäft blieb deshalb trotz Corona-Lockerungen im Einzelhandel weiter geschlossen. Inzwischen ist die Colloseum-Filiale aber wieder offen.

Nicht aus der Branche

Mit der Yakuza-Mode wird nun auch wieder im Markt 22 Bekleidung verkauft. Bis September 2019 war in dem Geschäft die "Bananas"-Boutique zu finden. Diese Mode-Vergangenheit war für Michaela Koch ein Grund, ihren Yakuza-Store genau hier zu eröffnen.

Sie konnte die komplette Ladeneinrichtung der Vorgängerin übernehmen. Die zentrale Lage und die Möglichkeit, die obere Etage als Büro zu nutzen, seien weitere Gründe gewesen. Sie habe noch ein weiteres Ladengeschäft in Aussicht gehabt, berichtet Michaela Koch, aber aus den genannten Gründen hatte sie sich recht schnell für die Räumlichkeiten im Markt 22 entschieden.

Für Michaela Koch ist der Einstieg in den Modehandel etwas Neues, sie kommt nicht aus der Branche. Sie war früher - vor ihrem Umzug nach Zittau - als Finanzbuchhalterin tätig. In ihrer Wahlheimat Zittau berät und betreut sie tschechische Mitbürger. Sie gibt zum Beispiel Unterstützung bei Anträgen, macht Übersetzungen oder hilft bei Immobiliengeschäften. Diese Hilfe und Beratung will sie auch weiter geben. Deshalb wird die 37-Jährige nicht selbst hinter dem Ladentisch im Yakuza-Store stehen, dafür hat sie eine Mitarbeiterin eingestellt.

Auch Rechtsextreme greifen zu Yakuza-Produkten

So beliebt die Yakuza-Mode bei jüngeren Generationen, ganz unumstritten ist das 2004 gegründete Bautzener Label, das nach der japanischen Mafia Yakuza benannt ist, nicht. Yakuza-Shirts waren im Umfeld des Neonazi-Treffens in Ostritz zu sehen. Bei Gerichtsprozessen tragen Rechtsextremisten mitunter Yakuza-Sachen, und auch bei den teils extremistischen Demonstrationen in Chemnitz war das Modelabel zu entdecken. 

Die Betreiber distanzieren sich zwar offiziell von der rechten Szene, haben auch 2013 einem Neonazi-Geschäft in Pirna den Verkauf von Yakuza untersagt, zwei Jahre später auch einem Laden in Berlin. Das hält Anhänger der Rechtsextremen- und Hooligan-Szene aber nicht davon ab, zu den Yakuza-Produkten zu greifen. Ein früherer Kollege des Firmengründers hatte es mal so ausgedrückt: "Yakuza trägt jeder Prolet, egal, ob aus der rechten Ecke oder ganz normale Leute."

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Michaela Koch hat den Firmengründer Anfang des Jahres selbst kennengelernt. Zu diesem Zeitpunkt trug sie sich bereits mit dem Gedanken, einen eigenen Yakuza-Store zu eröffnen. Bei der Gestaltung ihres neuen Geschäftes gab es keine Vorgaben von Yakuza. Die 37-Jährige will das Sortiment zu einem späteren Zeitpunkt noch erweitern - mit Produkten, die vom Bautzener Modelabel nicht angeboten werden. So zum Beispiel Schmuck und Uhren. Das erhöht auch die Erfolgschancen für das Zittauer Modegeschäft. Denn ein Teil der zuletzt geschlossenen Modeläden hat wegen sinkender Umsätze dicht gemacht.

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