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Zary wird immer schöner

Die polnische Partnerstadt von Weißwasser ist wirtschaftlich gut aufgestellt, auch touristisch kann sie sich sehen lassen – trotz eines Wermuttropfens.

Olaf Napiorkowski zwischen den Schlossherren Fryderyk Biberstein und Baltasar Promnitz. Die Wandmalerei im Rathaus führte 2002 Stanislaw Jan Antosz (1949 bis 2004) aus.
Olaf Napiorkowski zwischen den Schlossherren Fryderyk Biberstein und Baltasar Promnitz. Die Wandmalerei im Rathaus führte 2002 Stanislaw Jan Antosz (1949 bis 2004) aus. © Foto: Jost Schmidtchen

Von Jost Schmidtchen

Weißwassers Partnerstadt kann mit einer neuen touristischen Attraktion, dem restaurierten Wächterturm, punkten. Leider überschattete der Brand des Turmes des Bibersteinschlosses Żary das Jahr 2019 nachhaltig. Der Schock sitzt heute noch tief. Wie konnte das geschehen? Tageblatt sprach mit dem stellvertretenden Bürgermeister Olaf Napiorkowski darüber – aber auch über die Zusammenarbeit mit Weißwasser und anderen Partnern im Rahmen der europäischen Gemeinsamkeit.

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Herr Napiorkowski, der Blick auf das Schloss stimmt in diesen Tagen jeden traurig, auch die Besucher Ihrer ansonsten so schönen Stadt. Schließlich wird ja über den Wiederaufbau des Bibersteinschlosses nachgedacht. Wie geht es weiter?

Das Bibersteinschloss wird die Stadt übernehmen. Vorgesehen war das bereits für den 15. Oktober. In der Nacht vom 13. zum 14. Oktober brach das Feuer aus. Das Brandereignis brachte alles durcheinander. Nun wird die Übernahme im ersten Quartal 2020 erfolgen. Die Erneuerung der Turmspitze setzt die Klärung des Eigentumsrechts ohnehin voraus.

Wie konnte es zu dem Brand kommen?

Das wissen wir bis heute nicht, alles ist Spekulation oder Vermutung. Die Untersuchungen und Fahndungen laufen in alle Richtungen. Ermittelt wird nach Jugendlichen, die sich am Abend der Brandnacht verbotenerweise im Schloss aufgehalten haben können. So etwas müssen wir leider immer wieder feststellen, obwohl das Areal eingezäunt ist. Wahrscheinlich haben sie ein Lagerfeuer entzündet. Vorsatz schließen wir dennoch aus, wenn es so war, bleibt Fahrlässigkeit im Raum stehen. E-Anlagen gibt es im Schloss nicht.

Die Löscharbeiten waren wohl kompliziert, wie auch in deutschen Zeitungen zu lesen war. Warum?

Gebrannt hat ja die Turmspitze, also der höchste Punkt des Schlosses. Obwohl zehn Feuerwehren aus Nachbarstädten- und Gemeinden im Einsatz waren, reichte deren Technik nicht, den Turmbrand hoch oben zu bekämpfen. Das gelang schließlich erst mit der alarmierten Wehr aus Zielona Góra, die über eine entsprechende Drehleiter verfügt. Dass das Feuer nicht noch größeren Schaden anrichtete, ist dem Umstand zu verdanken, dass vor dem Zweiten Weltkrieg der Holzfußboden des Turmes durch eine Betondecke ersetzt wurde. Wohl aus Sicherheitsgründen, wie wir vermuten, denn im Bibersteinschloss war seit 1930 das Heimatmuseum des Landkreises Sorau untergebracht.

Das Schloss hat jahrhundertelang bessere Zeiten erlebt. Die soll es nun wiederbekommen, wenn alles läuft wie vorgesehen. Was ist da in Ihrem Fokus?

Das Schloss Biberstein wie auch das angrenzende Promnitzschloss befinden sich derzeit im Privatbesitz. Eine gewerbliche Nutzung des Bibersteinschlosses wurde von der Denkmalpflege der Wojwodschaft Lubuskie untersagt. Folglich wird es demnächst die Stadt Żary übernehmen. Zukünftige Nutzungen werden kulturellen, sozialen und Bildungszwecken dienen. Auch das Standesamt soll einmal dort einziehen, wenn es so weit ist.

Wann wird das sein?

Eine gute Frage, das weiß ich auch nicht. Wir stehen da erst ganz am Anfang. Wir gehen davon aus, dass die Schlosssanierung bis zu 15 Jahre in Anspruch nehmen wird. In unseren Haushalt haben wir für 2020 erste Eigenmittel eingestellt, um nach der Übernahme bauliche Sicherungsmaßnahmen vornehmen zu können. Für den Wiederaufbau muss ein Konzept erstellt werden, das wird in Abstimmung mit dem Denkmalschutz der Wojwodschaft Lubuskie mindestens zwei Jahre bis zur Fertigstellung dauern. Allein die Erneuerung der abgebrannten Turmspitze, die zwischen 1540 und 1549 von Italienern und einem Baumeister aus Jawor (Jauer) entstand, ist mit 600.000 Euro veranschlagt.

Wie soll das alles finanziert werden?

Da ist die Stadt Żary allein völlig überfordert. Natürlich werden wir Eigenanteile aufbringen müssen. Aber wir werden uns nach Fördermöglichkeiten umsehen, die EU wird uns sicherlich auch helfen und wir werden eine Stiftung gründen. Aber alles braucht seine Zeit. Auf jeden Fall sind wir optimistisch.

Was wird aus dem angrenzenden Promnitzschloss?

Das verbleibt in Privatbesitz und untersteht nicht der Denkmalpflege, was heißt, eine kommerzielle Nutzung ist möglich. Was der Besitzer vorhat, wissen wir nicht. Eine Ruine wird es wohl nicht bleiben.

Żary ist Partnerstadt von Weißwasser. Die Ereignisse um Schloss und Schlösser haben uns beim diesjährigen Jahresgespräch nachhaltig beschäftigt. Kommen wir mal zu besseren Dingen. Der Wächterturm an der historischen Stadtmauer von Żary ist saniert. Was gibt es dort jetzt zu sehen?

Die Sanierung des Wächterturms war ein Gemeinschaftsprojekt mit den Städten Bautzen, Görlitz und Zittau. Es nannte sich „Revival-Projekt“ und wurde im Rahmen des INTERREG Polen-Sachsen mitfinanziert. Die feierliche Eröffnung des Wächterturms mit einer historischen Dauerausstellung zur Stadtgeschichte fand am 23. November statt. Das Projekt selbst ist inzwischen ebenfalls beendet worden. Zu sehen gibt es im Wächterturm jetzt Zeichnungen von Robert Jurga zur Stadtbefestigung um die Mitte des 16. Jahrhunderts. Der Wächterturm ist ein sehr interessantes Beispiel mittelalterlicher Verteidigungskunst.

Wie kommen Besucher dort hinein?

Über das 200 Meter entfernte Stadtmuseum. Die Mitarbeiter dort haben den Schlüssel, begleiten die Besucher und öffnen die Tür zum Wächterturm.

Im „Magazyn zarski“ war in der Maiausgabe von Scheckübergaben an die Bürgermeister der Region zu lesen. Ihre Chefin Danuta Madej hat da einen Scheck über 4 151 852 Zloty für Zary erhalten. Wofür ist dieses Geld?

Zweckgebunden für den Straßenbau. 50 Prozent fließen vom Staat, 50 Prozent sind Eigenanteil.

Das „Magazyn zarski“ ist auch in der Grenzregion zu Deutschland erhältlich für einen Euro. Wer gibt es heraus?

Das „Magazyn zarski“ erscheint in einem Privatverlag. Wir liefern auf Anforderung auch nur die Zuarbeit. Inhaltlich umfasst es Kommunalpolitik, Wirtschaft, Kultur und Sport aus der Region. Es trägt sich im Wesentlichen aus Werbung.

Wie steht es um die wirtschaftliche Entwicklung in Żary?

Eigentlich recht gut. Obwohl sich etwas Konjukturrückgang bemerkbar macht. Aber nicht in Größenordnungen, unsere Arbeitslosenquote bewegt sich in der Stadt konstant weiter um die zwei Prozent. Das ist schon erst einmal gut so. Unser Gewerbegebiet haben wir nun komplett erschlossen. Alle Medien wie Breitband, Gas, Strom, Wasser und Abwasser liegen an, auch Straßen und Radwege sind da. Wir setzen vor allem auf klein- und mittelständische Betriebe, die sich ansiedeln möchten. In unseren Stadtpark, den ehemaligen Schlosspark, flossen 2019 zehn Millionen Złoty Investitionen – die größte Investition überhaupt. Wiederhergestellt wurde der zweite Parkteil mit dem ehemaligen Vorwerk. Das wird eine Begegnungsstätte für Stiftungen, Vereine, Kulturgruppen, Kleingärtner und für die Jugend. Offiziell nennt es sich „Zentrum für soziale Dienstleistungen“. Weitere Revitalisierungsprojekte sind unsere Bibliothek, die Konzertbühne, Grünanlagen und Lehrpfade für unsere Kinder.

Da hat Weißwasser mit Ihrer Stadt ja einen starken Partner an der Seite. Wie hat sich die Zusammenarbeit im zurückliegenden Jahr entwickelt?

Kontinuierlich nach vorn, wobei die bekannten Langzeitvorhaben bearbeitet werden. Wir sind zufrieden.

Der Anblick des Schlosses ist nach dem Brand der Turmspitze trist.
Der Anblick des Schlosses ist nach dem Brand der Turmspitze trist. © Foto: Jost Schmidtchen

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