merken
PLUS

Sachsen

Grünes Gewölbe: Erste Spur führt nach Berlin

Bei dem spektakulären Einbruch soll ein spezielles Werkzeug verwendet worden sein. Das wiederum führt zu einem Berliner Clan.

Hauptkommissar Christoph Viertel prüft jeden einzelnen Zeugenhinweis in der Soko „Epaulette“. Vielleicht hat ja jemand das Fluchtfahrzeug gesehen, mit dem die Täter zum Grünen Gewolbe fuhren und kostbare Diamanten aus einer Vitrinen stahlen.
Hauptkommissar Christoph Viertel prüft jeden einzelnen Zeugenhinweis in der Soko „Epaulette“. Vielleicht hat ja jemand das Fluchtfahrzeug gesehen, mit dem die Täter zum Grünen Gewolbe fuhren und kostbare Diamanten aus einer Vitrinen stahlen. © Polizei, Sven Ellger, SKD

Bei der Suche nach den Einbrechern ins Grüne Gewölbe in Dresden gibt es offenbar eine erste heiße Spur. Wie die Berliner Morgenpost berichtet, stammt ein beim Diebstahl eingesetztes Hebelwerkzeug von einer Firma, in die ein Berliner Clan-Mitglied eingebrochen ist.

Dem Bericht zufolge haben Ermittler der Dresdner Soko "Epaulette" eine behördeninterne und bundesweite Abfrage an die Landespolizeien gestellt, ob irgendwo Einbrüche bekannt seien, bei denen ein hydraulisches Hebel- und Spreizwerkzeug einer Erlanger Firma entwendet wurde oder auch zum Einsatz kam.

Ein Mitglied der bekannten Berliner Großfamilie R., der selbst auch Beschuldigter im Verfahren um den Einbruch ins Bode-Museum in Berlin ist, sei erst kürzlich für den Einbruch bei eben jener Spezial-Firma in Bayern verurteilt worden, so die Berliner Morgenpost. Das Spezialwerkzeug sei auch schon bei Einbrüchen bei der Berliner Feuerwehr entwendet worden.

Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Die Dresdner Polizei wollte die Angaben aus Berlin auf Anfrage von sächsische.de am Donnerstagmorgen nicht kommentieren.

Unterdessen sind bislang über 800 Zeugenhinweise bei der Sonderkommission „Epaulette“ eingegangen. Und täglich werden es mehr. Am Mittwoch veröffentlichten die Ermittler das Foto eines Audi A6, den die Täter beim Einbruch ins Grüne Gewölbe genutzt haben. Es ist das erste Fahndungsbild nach dem spektakulären Juwelendiebstahl vom 25. November.

Am Mittwochabend berichtete auch das ZDF-Fahndungsmagazin „Aktenzeichen XY… ungelöst“ (20.15 Uhr) darüber. Nach den Sendung gingen 24 Hinweise bei der Polizei ein. „Wenn es erforderlich ist, können wir Hinweisen sofort nachgehen“, sagte Polizeisprecher Marko Laske. Mehrere Teams der Soko seien während und nach der Ausstrahlung einsatzbereit. Solche, die polizeiliche Maßnahmen sofort nötigen machen, waren bisher jedoch noch nicht darunter. 

Suche nach dunklem Transporter

Auch 16 Tage nach dem Einbruch hat die Polizei zwar noch keine heiße Spur. Die Ermittler gehen aber verschiedenen Ermittlungsansätzen nach. Einer ist das Auto, das die Täter kurz nach dem Diebstahl im Grünen Gewölbe in einer Tiefgarage in der Kötzschenbroder Straße in Dresden-Pieschen in Brand gesteckt haben. 

Das Foto einer Überwachungskamera zeigt den hellen Audi A6, Baujahr 2006, der in der Dunkelheit offensichtlich von der Kötzschenbroder Straße, wo die Tiefgarage liegt, in die Leipziger Straße Richtung Innenstadt einbiegt. Der Ort ist deutlich an den Werbeschildern des Ballhauses Watzke zu erkennen. Offenbar sind die Täter gerade auf dem Weg zum Tatort.

Polizeisprecher Laske bestätigt, das Bild sei am Tattag entstanden. Die Uhrzeit nennt er nicht. Die Täter müssen daher schon vor ihrem Einbruch im Bereich der Tiefgarage im Stadtteil Pieschen gewesen sein.

Markant an dem Auto ist das dunkle Dach. Der Audi stammt aus Sachsen-Anhalt und war von seinem Besitzer 2017 abgemeldet worden. Die Soko hofft nun auf weitere Fotos des Autos und auf Zeugen, denen das Auto am Tag des Einbruchs oder davor aufgefallen ist.

Das Foto zeigt das Fluchtfahrzeug auf der Leipziger Straße am Ballhaus Watzke. Den Aufnahmezeitpunkt nennt die Polizei nicht - jedoch ist es wahrscheinlich, dass der Wagen gerade von der Kötzschenbroder Straße kommt und auf dem Weg zur Tat ist. 
Das Foto zeigt das Fluchtfahrzeug auf der Leipziger Straße am Ballhaus Watzke. Den Aufnahmezeitpunkt nennt die Polizei nicht - jedoch ist es wahrscheinlich, dass der Wagen gerade von der Kötzschenbroder Straße kommt und auf dem Weg zur Tat ist.  © Polizei

Weiter suchen die Ermittler die Insassen eines dunklen Transporters, der am Montag, 25. November, kurz vor 5 Uhr in der Sophienstraße unterwegs war. Die Zeugen könnten die Täter gesehen haben.

Darüber hinaus sind auch Fotos und Videos insbesondere von Touristen interessant. „Wir gehen von einer längeren Planungsphase der Täter aus“, sagt Laske. Sie müssen den Tatort ausgespäht haben. So könnte es sein, dass die Diebe vor oder im Grünen Gewölbe zufällig aufgenommen worden sind. Die Soko bittet daher um Foto- und Videoaufnahmen zwischen dem 1. Oktober und dem 25. November.

Wer zurzeit die Nummer des Hinweistelefons der Polizei wählt, landet unmittelbar in der Soko „Epaulette“. Je zwei Beamte nehmen dort die Anrufe entgegen, zwischen 6 und 22 Uhr. Nachts nehmen Polizisten im Lagezentrum die Gespräche an. Hauptkommissar Christoph Viertel leitet die Hinweisaufnahme. Er prüft und bewertet jede einzelne Information, ehe er sie an die Kollegen weitergibt.

Hauptkommissar Christoph Viertel prüft jeden einzelnen Zeugenhinweis in der Soko „Epaulette“. 
Hauptkommissar Christoph Viertel prüft jeden einzelnen Zeugenhinweis in der Soko „Epaulette“.  © Sven Ellger

„Priorisieren“ nennt er das – die Hinweise müssen bewertet werden. Er unterscheidet zwischen solchen, denen sofort nachgegangen werden muss, und anderen, die erst mal zurückgestellt werden. „Das kann sich aber mit der sich ändernden Erkenntnislage schnell ändern“, sagt Viertel. So kann plötzlich ein zunächst als eher unbedeutend bewerteter Hinweis ein völlig neues Licht auf die Ermittlungen werfen.

Neben Telefonanrufen kommen auch viele Hinweise per E-Mail und, man glaubt es kaum, per Post. Zwei bis drei klassische Briefe gingen täglich ein, manche geben ihre Schreiben persönlich am Empfang der Polizeidirektion ab. 

Es gab noch keinen Fall mit einer derartigen Resonanz. Selbst aus Australien, China, Russland, den USA oder Finnland hätten sich Menschen gemeldet, um Hinweise zu geben – oder um ihrer Betroffenheit Ausdruck zu verleihen. Die Motivation in der Soko erinnert Viertel an das Hochwasser 2002. „Die Solidarität ist groß, keiner schaut auf die Uhr.“

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Grünes Gewölbe soll im Frühjahr wieder öffnen 

Die zerstörte Vitrine soll leer bleiben. Ein Vierteljahr nach dem Einbruch bleibt vieles ungeklärt. Fragen an die Chefin der Kunstsammlungen.

Symbolbild verwandter Artikel

Vier Einbrüche in Museen und Denkmale

Der Diebeszug im Grünen Gewölbe erregte besonders viel Aufsehen. Doch auch im Kreis Meißen gab es mehrere Vorfälle.

Symbolbild verwandter Artikel

Grünes Gewölbe: Polizei prüft neues Kaufangebot

Der MDR hat mit vermeintlichen Dieben der Diamanten Kontakt. Ein Experte hegt aber Zweifel.

Symbolbild verwandter Artikel

Dubioses Angebot für Juwelen aus Grünem Gewölbe

Eine Sicherheitsfirma in Israel behauptet, ihr seien zwei Schmuckstücke aus dem Raub angeboten worden. Doch wer gab ihr den Auftrag?

Symbolbild verwandter Artikel

Grünes Gewölbe: War ein Mitarbeiter am Raub beteiligt?

Laut Medienberichten soll ein Angestellter der Kunstsammlungen entscheidende Informationen nach draußen gegeben haben.

Symbolbild verwandter Artikel

1.100 Hinweise zu Juwelendieben

Nach dem Einbruch ins Grüne Gewölbe sind die Täter noch immer auf freiem Fuß. Jetzt unterstützen auch die Verkehrsbetriebe die Fahndung.

Symbolbild verwandter Artikel

„Es hat sich niemand um uns gekümmert“

Nach dem Einbruch im Grünen Gewölbe steckten die Diebe das Fluchtauto in einer Tiefgarage in Brand. Die Anwohner fühlen sich im Stich gelassen.

Symbolbild verwandter Artikel

Maulwürfe im Grünen Gewölbe

Die wahre Wahrheit über den Juwelenraub von Dresden. Eine Satire.

Symbolbild verwandter Artikel

Museumsüberfall als Playmobil-Spiel

Ein Dresdner Spielwarenhändler nutzt den Einbruch ins Grüne Gewölbe auf ganz eigentümliche Weise.

Symbolbild verwandter Artikel

Mit der Hydraulikschere ins Grüne Gewölbe?

Beim Einbruch in Sachsens Schatzkammer erinnert vieles an das Vorgehen Berliner Clans. Jetzt testet die Dresdner Feuerwehr mögliche Tatwerkzeuge.

Symbolbild verwandter Artikel

Hier fahren die Diebe zum Grünen Gewölbe

Nach dem spektakulären Einbruch in Dresden gibt es jetzt eine Aufnahme aus einer Überwachungskamera. Die Polizei setzt auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Symbolbild verwandter Artikel

Der Juwelenraub von Dresden – die Rekonstruktion

Ein perfekt geplantes Verbrechen; Vier Täter drangen in das Grüne Gewölbe ein und entkamen mit wertvollem Schmuck. Die 39 Minuten des Raubs in Wort und Bild.

Neu ist ein Internet-Portal, in dem Zeugen ihren Hinweise auch anonym abgeben können. Ganze Videos könnten dort hochgeladen werden, sagt Sprecher Laske, es gebe keine Datenbeschränkung. Interessant könnten auch etwa Aufnahmen von Dash-Cams in Fahrzeugen sein.

Hinweistelefon: 0351-4832233