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Riesa

Zirkusdirektor weiß nicht mehr weiter

Der Zirkus "Aeros" hat in Röderau überwintert. Durch das Corona-Veranstaltungsverbot steht er vor dem Aus und bittet um Hilfe.

Zirkusdirektor Bernhard Schmidt sieht sein Lebenswerk in der Existenz bedroht.
Zirkusdirektor Bernhard Schmidt sieht sein Lebenswerk in der Existenz bedroht. © Sebastian Schultz

Röderau. Mit dem Namen "Aeros" verbinden viele Riesaer schöne Kindheitserinnerungen. Denn der gleichnamige Zirkus gehörte zum DDR-Staatszirkus und gastierte mehrmals in der Stahlwerker-Stadt. Er begeisterte große und kleine Leute. Für manchen war es der Beginn der Liebe zum Zirkus. Diese Unterhaltungsart hat es immer schwerer zu überleben. Was Fernsehen und Internet nicht geschafft haben, könnte jetzt das Coronavirus erledigen. Denn das Veranstaltungsverbot ist für das Familienunternehmen existenzbedrohend.

"Wir haben hier in Röderau überwintert und sind eigentlich in den Startlöchern", erzählt Zirkusdirektor Bernhard Schmidt. Von hieraus sollte die neue Saison beginnen. Erste Station sollte Meißen sein. Danach waren Gastspiele in Radebeul, Großenhain und Pirna geplant. Doch wie es jetzt aussieht, fallen all diese Einnahmen weg. 

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Dabei waren sie nach der langen Winterpause fest eingeplant. "Wir haben hier in Röderau unser neues Programm vorbereitet und unsere Autos auf Vordermann gebracht", sagt Schmidt. "Dafür haben wir viel Geld in die Hand genommen." Immerhin gehören zum Zirkus "Aeros" 40 Fahrzeuge, vor allem Lkw und Pkw, aber auch so wichtige Gefährte wie Radlader, mit denen das Futter für die Tiere herangeschafft wird. 

Die Kamelle werden gefüttert. Noch haben sie genügend zu fressen. Doch die Reserven gehen bald zu Ende. 
Die Kamelle werden gefüttert. Noch haben sie genügend zu fressen. Doch die Reserven gehen bald zu Ende.  © Sebastian Schultz

25 Kamelle, Pferde, Zebras und Büffel müssen gefüttert werden. Der Zirkusdirektor zählt auf, was sie täglich fressen: zwei große Heuballen, zwei Zentner Hafer und zwei bis vier Zentner Futterkarotten und Brot. Noch stehen in der Werkstatthalle der ehemaligen Spedition, auf deren Gelände der Zirkus "Aeros" überwinterte, mehrere große Heuballen. Auch Stroh für die Tierboxen ist noch da. Aber nicht nur die Vierbeiner müssen versorgt werden. "Auch wir müssen essen und trinken", sagt das Oberhaupt der 19-köpfigen Zirkusfamilie.

Die Haupteinnahmequelle sei für jeden Zirkus die Vorstellungen in der Manege. "Wir haben es bisher noch immer geschafft, selbst über die Runden zu kommen", so Schmidt. Doch das Veranstaltungsverbot wegen des Coronavirus bereitet ihm große Sorgen. "Unsere finanziellen Mittel sind erschöpft. Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll", sagt der 59-Jährige. 

Auch Schausteller betroffen

Er sieht nicht nur Zirkusse, sondern auch die Schausteller von Jahrmärkten in Gefahr. Auch Freizeitparks und Zoos haben geschlossen.  "Die ganze Vergnügungsbranche steht still", sagt er und schüttelt den Kopf. Wenn man will, zählen auch die Fußballbundesligen dazu. Doch im Gegensatz zum milliardenschweren Fußballgeschäft, haben Zirkusse kaum die Gelegenheit, viel Geld für schlechte Zeiten anzuhäufen.

Ein Kollege aus einem anderen Zirkus, der seine Saison in Sondershausen beginnen wollte, habe ihm berichtet, dass das Publikum einfach ausgeblieben sei. Das war vor den großen Veranstaltungsverboten. Irgendwie hat Bernhard Schmidt sogar Verständnis dafür und sagt: "Ich traue mich ja auch nicht ins Kino."

Der Nachfahre der früheren Artistenformation "Francello", die der DDR einst eine Goldmedaille bei einem internationalen Zirkusfestival holte, weiß nicht, ob die von der Bundesregierung angedachte finanzielle Hilfe für Selbstständige, Freischaffende und Künstler auch für Zirkusfamilien gilt. Deshalb versucht er es über die Zeitung und bittet um Geld- und Sachspenden.  

  • Wer dem Zirkus "Aeros" helfen möchte, kann Bernhard Schmidt unter der Telefonnummer 0178 5342513 oder per E-Mail an [email protected] erreichen. Der Zirkus ist auf dem Gelände der ehemaligen Spedition in Röderau zu finden.