merken
PLUS

Zittau

Bei MS Powertec geht die Angst um

"Zittaus Unternehmen des Jahres 2015" hat offenbar fast die Hälfte der Mitarbeiter entlassen. Die Befürchtungen sind groß, dass es nicht das Ende der Fahnenstange ist.

Die Firma MS Powertec im Zittauer und Mittelherwigsdorfer Industriegebiet Weinau.
Die Firma MS Powertec im Zittauer und Mittelherwigsdorfer Industriegebiet Weinau. © MS Powertec (Archiv)

Es stehen viel weniger Autos als früher auf dem Parkplatz der Firma MS Powertec an der Dittelsdorfer Straße im Industriegebiet Weinau. Ein Blick durch die Fenster des Automobilzulieferers der Produktionshalle zeigt leere Plätze, wo früher Maschinen standen. Und schnell wird klar: Die Krise der Automobil-Industrie ist in Zittau angekommen.

Nach übereinstimmenden Angaben unterschiedlicher ehemaliger und aktueller Mitarbeiter hat das Unternehmen in drei Kündigungswellen im Oktober, November und Dezember rund 50 Mitarbeiter entlassen. Bereits im Frühsommer soll es erste  Kündigungen gegeben haben. Noch im Mai sagte Geschäftsführer Frank Alt der SZ, dass derzeit 158 Menschen bei MS-Powertec arbeiten und die Firma weiter wachsen will. Auf der Internetseite des Unternehmens sind es immer noch 150. 2016 hatte Alt sogar gehofft, dass es eines Tages 300 werden könnten. Nun sollen es noch 80 sein. Und es heißt, dass weitere Kündigungswellen folgen könnten. Von Mitarbeitern ist zu hören, dass sie Angst um ihre Jobs und ihre Existenz haben. Die Rede ist von einer Restmannschaft mit weniger als 20 Mitarbeitern und von Befürchtungen, dass das Zittauer Werk mit seinen drei Produktionshallen bis Sommer 2020 ganz abgewickelt wird. Allerdings erzählen auch einige, dass die Firmen-Chefs bis zuletzt immer wieder betont haben, dass der Standort erhalten bleiben soll. 

JABS – Euer Zukunftsportal

Auf JABS erfahrt ihr alles, was für eure Zukunft wichtig wird und wie ihr euch am Besten darauf vorbereitet.

Das Unternehmen selber antwortet auf konkrete Anfragen der SZ zu den Entlassungen nicht, bestätigt aber, dass derzeit strukturelle Veränderungen im Gang sind. "Es ist korrekt, dass wir, verursacht unter anderem durch die leidige wie unnötige Diesel-Diskussion, massive Umsatzeinbrüche im Bereich Powertrain zu verzeichnen haben", teilte Jasmin Mey, Assistentin der Geschäftsführung am Hauptstandort der Mutterfirma MS Powertrain in Trossingen-Schura, mit. "Dies zwingt uns in Folge zur Anpassung der Kapazitäten. Dabei werden wir wie gewohnt mit Augenmaß und der notwendigen Sorgfalt vorgehen." Dass es dem Gesamtkonzern MS Industries AG, zu dem Powertrain und Powertec gehören, nicht so rosig geht, ein Kerngeschäft verkauft und  außerplanmäßig Personal abgebaut wurde, ist auch aus einer freiwilligen Mitteilung im November herauszulesen.  

Mey weist in der Antwort an die SZ aber indirekt die Befürchtungen zurück, dass der Standort ganz geschlossen wird. "Den Standort Zittau werden wir auf rotationssymmetrische Teile fokussieren, um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern. Aus heutiger Sicht ist ab dem Jahr 2022 wieder mit Wachstum zu rechnen."

Ihre Aussage zu Augenmaß und Sorgfalt sehen gekündigte Mitarbeiter, mit denen die SZ gesprochen hat, anders. Zwar soll einigen Mitarbeitern der Umzug nach Schura und eine Arbeit dort angeboten worden sein. Einen Sozialplan für alle anderen hätte es aber nicht gegeben, heißt es. Dazu hätte es einen Betriebsrat gebraucht. Der war von der Firmenleitung nicht gewollt und ist nie gegründet worden. Nun werden sich wohl Arbeitsgerichte mit dem Fall beschäftigen müssen. Jedenfalls sollen mehrere gekündigte Mitarbeiter Klage eingereicht haben. 

Für Meys Aussage mit der Umstrukturierung beziehungsweise Fokussierung könnte sprechen, dass mehrere Mitarbeiter aus Schura in Zittau waren, sich bestimmte Maschinen erklären ließen und diese nach Baden-Württemberg transportiert werden sollen. Die ersten sind schon weg. Allerdings sehen das einige Betroffene auch als Indiz für den Anfang vom kompletten Ende.  

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

MS Powertec: 23 Kündigungs-Klagen

Nach den Entlassungen bei der Firma in Zittau haben sich die Gerichte damit beschäftigt. Ein Großteil der Verfahren ist abgeschlossen - mit demselben Ergebnis.

Symbolbild verwandter Artikel

Wie entwickelt sich MS Powertec weiter?

Der Fahrzeug-Zulieferer aus Zittau hat zehn erfolgreiche Jahre hinter sich,  will genauso weitermachen - und hat langfristig E-Laster im Blick.

Symbolbild verwandter Artikel

„Es könnten 300 Mitarbeiter werden“

MS PowerTec-Chef Frank Alt sagt im Interview, warum der Auto-Zulieferer aus Zittau so schnell wächst. Mit Niedriglöhnen hat das nichts zu tun.

MS PowerTec war lange Zeit die am schnellsten wachsende Firma in Zittau und wurde vor allem deshalb 2015 zum Unternehmen des Jahres gekürt.  2008 war der Ableger der Maschinenfabrik Spaichingen - daher das MS im Firmennamen - mit vier Mitarbeitern gestartet. Die Firma stellt vor allem Teile für Dieselmotoren, die in Lastwagen verbaut werden, her.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.