SZ + Zittau
Merken

Das Zittauer Fastentuch to go

Wie schon das Museum sind bald auch Kreuzkirche und Kreuzfriedhof per Internet begehbar - dank einer Nieskyer Firma.

Von Elke Schmidt
 4 Min.
Teilen
Folgen
Frank Flecks und Ralf Hermann haben die nötige Technik, um die Kreuzkirche und das Zittauer Fastentuch virtuell erlebbar zu machen.
Frank Flecks und Ralf Hermann haben die nötige Technik, um die Kreuzkirche und das Zittauer Fastentuch virtuell erlebbar zu machen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Das große Fastentuch vom Sofa aus oder auch unterwegs im Zug betrachten - das ist keine bloße Zukunftsfantasie mehr. Nachdem die Städtischen Museen Zittau kürzlich die Räume im ehemaligen Franziskanerkloster und der Klosterkirche online zugänglich gemacht haben, sind bald auch die Kreuzkirche mit dem Fastentuch und deren Friedhof über das Internet begehbar.

Auch wenn nichts über den persönlichen Eindruck und das Liveerlebnis vor Ort gehe, seien diese virtuellen Rundgänge gerade jetzt bei der derzeit geltenden Ausgangsbeschränkung eine tolle Alternative, sagt Ralf Hermann. Er und Frank Flecks sind Inhaber der Nieskyer Firma Sachsenhits Filmmanufaktur & Medieninnovationen und haben die 3D-Modelle erstellt.

Rundgang durch Kirche und Friedhof

Dahinter steckt hochmoderne Technik. Kernstück ist ein Apparat der Firma Matterport mit insgesamt neun Kameras. Die zeichnen gleichzeitig und kontinuierlich Bilder auf, während sich der Apparat um 360 Grad dreht. Dann wird die Kamera ein paar Meter verrückt und schießt die nächste Rundum-Aufnahme. Diese Punkte sind übrigens später im fertigen Modell die weißen Kreise zum Anklicken. Die beiden Unternehmer haben gemeinsam mit dem Zittauer Museumsdirektor Peter Knüvener einen Rundgang von der Kirche über den Friedhof festgelegt, auf dem die Bilder erstellt werden. Diesem Weg kann der Besucher später folgen.

Die Kamera erkennt ähnlich wie bei Panoramaaufnahmen Überlappungen und integriert sie in ihr System. Dadurch sind nicht nur horizontale Rundumansichten, sondern komplette 3D-Modelle möglich. Außerdem wird gleichzeitig der Raum vermessen. Sämtliche Daten werden an ein kompatibles Tablet oder Telefon übertragen. Obwohl die Kamera vieles alleine berechnet, bleibt der Mensch hinter der Kamera wichtig.

Was ein Feuer löschen im Film zu suchen hat

Frank Flecks und Ralf Hofmann sehen, wenn etwas nicht stimmt und können das direkt vor Ort korrigieren. Außerdem müssen sie auf die Gegebenheiten vor Ort achten. Flächen dürfen sich zum Beispiel nicht zu ähnlich sehen, damit die Kamera sie unterscheiden kann. Ist das der Fall, können sie etwa mit einem geschickt platzierten Feuerlöscher Abhilfe schaffen. Ein großer Vorteil des Matterport-Systems gegenüber herkömmlichen 360-Grad-Aufnahmen mit normalen Kameras ist die sehr viel schnellere Erfassung der Daten. Was sonst tagelang dauern kann, ist damit in Stunden erledigt. Sind die Bilder im Kasten, werden sie an die Softwareplattform der Firma geschickt und das System errechnet das Modell. Ist es fertig, folgt die Layoutbearbeitung. Die Präsentationen können dann mit weiteren Informationen wie zusätzlichen Fotos und Filmen aufgepeppt werden. Das ist auch später noch möglich. Beim multimedialen Rundgang auf dem Friedhof der Zittauer Kreuzkirche erklären zum Beispiel Texte, von welchem Künstler die einzelne Gruft gefertigt wurde und wer dort liegt. Nur Ton ist - noch - nicht vorgesehen.

Sehr viel intensiver werden die räumlichen Rundgänge, wenn man eine VR- (Virtual-Reality) Brille aufsetzt oder das Cardboard von Google für sein Telefon nutzt. Dann habe man tatsächlich das Gefühl, durch den Raum zu gehen, sagt Frank Flecks. Wenn man den Kopf dreht, dreht sich das Bild ebenfalls. Noch einen drauf setzen Filme, in denen Menschen oder Tiere agieren. Dann klettert der Panda vom Görlitzer Tierpark regelrecht an einem hoch. Beispiele sind auf der Website von Sachsenhits Filmmanufaktur & Medieninnovationen zu sehen.

Viele Einsatzmöglichkeiten

Die Einsatzmöglichkeiten der noch recht neuen Technik sind vielfältig, sagt Ralf Hermann und denkt dabei zum Beispiel an virtuelle Wohnungsbegehungen oder Unterricht direkt vom Klassenzimmer aus. Museumsdirektor Peter Knüvener ergänzt, dass nun zum Beispiel gehandicapte oder kranke Menschen ohne Anstrengung das Museum erkunden können. Dennoch sieht er das Angebot vor allem als Ergänzung zu einem Besuch direkt vor Ort. Dort könne man dann in die Stimmung der Räume eintauchen und sie und die Ausstellungsstücke noch eindringlicher erleben. Die Technik soll die Leute neugierig darauf machen und so ins Museum locken.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier