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Zittaus Schätze

Die Stadt besitzt eine der ältesten öffentlichen Sammlungen in Mitteleuropa. Der Grundstein für Museum und Bibliothek ist heute vor 450 Jahren gelegt worden.

© Jürgen Matschie

Von Thomas Mielke

Werke weltbekannter Künstler wie Dürer, Chagall, Dali und van Dyck hängen im Louvre in Paris, in der Eremitage in St. Petersburg – und in den Städtischen Museen Zittau. Die Sammlung der kleinen Stadt ist eine ganz Große. Sie sei eine der ersten öffentlichen in Mitteleuropa gewesen, sagt Museumsdirektor Marius Winzeler. In der Oberlausitz war sie die allererste, über die es Aufzeichnungen gibt.

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Säulchensonnenuhr Spätestens mit dieser Sonnenuhr hat das große Sammeln in Zittau begonnen: Der kaiserliche Leibarzt und Universalgelehrte Paulus Fabritius aus Wien sandte seinem Studienfreund Nikolaus von Dornspach das sogenannte Gnomon nach Zittau. Dies
Säulchensonnenuhr Spätestens mit dieser Sonnenuhr hat das große Sammeln in Zittau begonnen: Der kaiserliche Leibarzt und Universalgelehrte Paulus Fabritius aus Wien sandte seinem Studienfreund Nikolaus von Dornspach das sogenannte Gnomon nach Zittau. Dies © SZ Thomas Eichler
Maurer-Kanne Die Kanne der Zittauer Maurer-Innung von 1562 ist ein Meisterwerk der Zinngießerkunst der Renaissance von europäischem Rang. Die Kanne ist mit reicher Verzierung – unter anderem mit dem Stadtwappen – geschmückt.Foto: Museum
Maurer-Kanne Die Kanne der Zittauer Maurer-Innung von 1562 ist ein Meisterwerk der Zinngießerkunst der Renaissance von europäischem Rang. Die Kanne ist mit reicher Verzierung – unter anderem mit dem Stadtwappen – geschmückt.Foto: Museum
Jungbrunnen Der Jungbrunnen, eine freizügige Bebilderung von der Sehnsucht nach ewigen Leben, wurde um 1470 an die Wand einer Zelle im Obergeschoss des Zittauer Klosters – dem heutigen Museum – gemalt. Es ist die größte Darstellung des Themas nördlich der
Jungbrunnen Der Jungbrunnen, eine freizügige Bebilderung von der Sehnsucht nach ewigen Leben, wurde um 1470 an die Wand einer Zelle im Obergeschoss des Zittauer Klosters – dem heutigen Museum – gemalt. Es ist die größte Darstellung des Themas nördlich der
© SZ Thomas Eichler
Missalien Die im Altbestand der Bibliothek aufbewahrten Zittauer Missalien stammen aus dem 15. und frühen 16. Jahrhunderts. Die sieben in Leder gebundenen Pergament-Messbücher sind Meisterwerke der Buchmalerei der Spätgotik und farbenprächtig gestaltet.Fo
Missalien Die im Altbestand der Bibliothek aufbewahrten Zittauer Missalien stammen aus dem 15. und frühen 16. Jahrhunderts. Die sieben in Leder gebundenen Pergament-Messbücher sind Meisterwerke der Buchmalerei der Spätgotik und farbenprächtig gestaltet.Fo © SZ Thomas Eichler
Dornspach-Schädel In der Wunderkammer des Museums ist der originale Schädel des Nikolaus von Dornspach, des wichtigsten Zittauer Bürgermeisters der Renaissance, zu sehen. Ein Nachkomme Dornspachs überließ ihn 1857 dem Museum.Foto: Museum
Dornspach-Schädel In der Wunderkammer des Museums ist der originale Schädel des Nikolaus von Dornspach, des wichtigsten Zittauer Bürgermeisters der Renaissance, zu sehen. Ein Nachkomme Dornspachs überließ ihn 1857 dem Museum.Foto: Museum
Fastentuch Jedes Jahr sehen sich Tausende das Große Zittauer Fastentuch im Museum „Kirche zum Heiligen Kreuz“ an. Es stammt von 1472, ist das einzige in Deutschland noch erhaltene Fastentuch des alpenländischen Feldertyps und ein Kunstwerk von europäische
Fastentuch Jedes Jahr sehen sich Tausende das Große Zittauer Fastentuch im Museum „Kirche zum Heiligen Kreuz“ an. Es stammt von 1472, ist das einzige in Deutschland noch erhaltene Fastentuch des alpenländischen Feldertyps und ein Kunstwerk von europäische
Adler-Auto Der Adler-Personenkraftwagen wurde 1902 hergestellt und war das erste motorbetriebene Taxi überhaupt, das durch die Zittauer Straßen rollte. Es gibt europaweit nur noch vier Exemplare dieses Automobils zu bestaunen.Archivfoto: Matthias Weber
Adler-Auto Der Adler-Personenkraftwagen wurde 1902 hergestellt und war das erste motorbetriebene Taxi überhaupt, das durch die Zittauer Straßen rollte. Es gibt europaweit nur noch vier Exemplare dieses Automobils zu bestaunen.Archivfoto: Matthias Weber

Ein Geschenk aus Wien dokumentiert den Beginn des professionellen Sammelns in Zittau. Im Umfeld von Reformation und Bildungsreformen hat der kaiserliche Leibarzt Paulus Fabricius dem Zittauer Nikolaus von Dornspach eine Sonnenuhr geschickt. Er schrieb dazu, dass er damit seinem Studienfreund helfen wolle, „die jugendt zu weiterem studiren zu reitzen“. In dem Brief wird die Ratsbibliothek das erste Mal erwähnt. Mit dem Datum 13. Juni 1564 – heute vor 450 Jahren.

Die Sonnenuhr wird in der Wunderkammer der Städtischen Museen präsentiert. Der Brief ist im Wissenschaftlichen und Heimatgeschichtlichen Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek an der Kantstraße verwahrt. Die beiden, seit 1951 getrennten Einrichtungen feiern ab heute ihre große Sammel-Tradition sowie den 10. Geburtstag der Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft, zu der die Bibliothek gehört, mit einem Festakt, Vorträgen und anderen Veranstaltungen.

In der wechselvollen Geschichte der letzten Jahrhunderte mit Umzügen, Erweiterungen und der Gründung des ersten Historischen Stadtmuseums Sachsens haben die Zittauer wissenschaftliche Instrumente, Kunstwerke, Naturalien, Kuriositäten, Handschriften, Bücher und noch viel mehr zusammengetragen – im Wert von vielen Millionen Euro. Für Museumschef Winzeler ist der monetäre Wert aber zweitrangig. Viel wichtiger ist ihm der idelle. In der Sammlung finden sich Exponate von überregionaler und nationaler Bedeutung wie das Kleine Fastentuch von 1573, dem einzigen evangelischen und dem einzigen in Deutschland erhaltenen Fastentuch dieses Typs, sowie eine einzigartige Sammlung von über 70 Epitaphien des 16., 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Weitere Beispiele sind eine der ersten Luther-Übersetzungen des Alten Testaments von 1534 und ein von Kaiser Rudolf II. 1609 unterzeichneter Brief , in dem den böhmischen Protestanten Religionsfreiheit garantiert wurde.

An den Sammlungen ist noch etwas ganz Besonders: Die meisten Objekte sind den Zittauern geschenkt worden. „Sie sind also das Werk von vielen“, sagt Museumsdirektor Winzeler.

Das ist auch heute noch so. Jährlich kommen Hunderte Objekte dazu. So umfasst allein die Sammlung bildende Kunst gegenwärtig über 15 000 Exponate, darunter etwa 1 000 Gemälde. „Von Besuchern wie Fachwissenschaftlern gleichermaßen bewundert wird der rund 5 000 Exponate umfassende volkskundliche Fundus“, so Winzeler. Zudem vereinen die stadt- und regionalgeschichtliche Sammlung, die numismatisch-heraldische, die des Kunsthandwerks, der Militaria, über Kirche und Religion und das Museum für Naturkunde des Zittauer Landes „Dr. Curt Heinke“ mehr als 15 000 weitere Exponate.

„Heute sammeln wir aber nicht mehr universal“, sagt Winzeler. Das Museum konzentriert sich auf Zittau und Umgebung. Da die Sammlung trotzdem immer größer wird, braucht sie auch mehr Platz. In den nächsten Jahren soll deshalb die Brüderstraße 10 zu einem Museumsdepot umgebaut werden. Vielleicht finden sich bis dahin Spender, die Winzelers große Wünsche erfüllen. Der Museumschef hätte gern ein Werk von Gerhard Richter aus dessen Zittauer Zeit, eine der Zittauer Juwelierarbeiten für August den Starken, die im Grünen Gewölbe zu sehen sind, und ein Oybin-Bild von Caspar-David Friedrich.

Der Altbestand der Bibliothek hat dagegen bereits erst vor 13 Jahren neue Räume im ehemaligen Armeegebiet bezogen. In den Leseräumen an der Kantstraße können sich Besucher in über 60 000 Medien aus sieben Jahrhunderten vertiefen.

Die Bibliothek als ursprünglicher Nachfolger der vor 450 Jahren gegründeten Ratsbibliothek selber ist heute eher der Moderne verpflichtet, wie die SZ am 5. April berichtete. Hunderttausende Bücher, DVDs und andere Medien werden in Zittau und Reichenbach in der Fahrbibliothek, der Kreisergänzungsbibliothek verliehen. Vor allem zeitgenössische.