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Zschornau-Schiedel löscht jetzt mit Bernbruch

Seit 1. November hat das Feuerwehrauto keinen Tüv mehr. Das ist der Anlass für ein paar Einsatz-Veränderungen.

Von Ina Förster

Was ist denn da in Zschornau-Schiedel los? Bei der Feuerwehr wohl gemerkt. Ist diese seit letztem Sonnabend wirklich nicht mehr einsatzbereit, wie ein anonymer Schreiber in einer Mail an die Sächsische Zeitung andeutet? „Hiermit möchten wir allen Bürgern der Orte Zschornau und Schiedel mitteilen, dass die Feuerwehr seit 1. November auf Status 6 geht. Das bedeutet „Nicht einsatzbereit“, weil am vorhandenen Feuerwehrauto der Tüv abgelaufen ist. Wir danken allen für die freundliche Unterstützung der Wehr und hoffen, dass Sie nicht in einen Notfall geraten sollten, da es sein könnte, dass die Wehren aus den umliegenden Orten es nicht in der geforderten Einsatzzeit an den Einsatzort schaffen.“ Peng! Die Ansage sitzt! Die unterschwellige Verärgerung ist nicht zu überhören.

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Wir fragen nach bei Stadtwehrleiter Volker Lutterberg, denn auch die kleine Wehr mit zwölf gemeldeten Mitgliedern gehört zum großen Feuerwehr-Gesamtgebilde von Kamenz. „Es stimmt, dass das Fahrzeug abgemeldet worden ist. Denn der Opel Blitz war Baujahr 1974 und somit ein echter Oldtimer. Aber es bedeutet nicht, dass die Ortsfeuerwehr Zschornau-Schiedel damit abgemeldet ist“, sagt er. Etwas verwundert ist er über die Vorwürfe, denn eigentlich seien sämtliche Zukunftspläne mit dem Leiter der Wehr im Vorgang lange abgestimmt worden. Auch die Kameraden haben darüber langfristig Bescheid gewusst, dass da kein neuwertiges Einsatzfahrzeug kommt“, so Lutterberg. Er räumt allerdings ein, dass er schon verstehen kann, dass es nicht jedem gefällt, mit einer anderen Lösung leben zu müssen. „Bereits an diesem Freitag stellen wir der Wehr einen Ersatz ins Depot, einen gebrauchten Fiat Ducato, einen Viertonner mit vier Sitzplätzen, die auf sechs aufgerüstet werden können“, sagt der Stadtwehrleiter. Damit ist man wieder einsatzbereit.

Wahrscheinlich rührt die Verärgerung auch daher, dass der Stadtrat früher eigentlich dem Kauf eines neuen Fahrzeuges innerhalb des aktuellen Haushaltsplans zugestimmt hatte. Etwa 40 000 Euro hätten da zusammen kommen müssen. „Aufgrund der personellen Entwicklung in der Ortsfeuerwehr Zschornau-Schiedel haben wir dann aber noch einmal den Feuerwehr-Ausschuss zum Thema einberufen und dort die neue Regelung getroffen“, sagt Volker Lutterberg. In diesem Ausschuss sitzen sämtliche Wehrleiter der sieben Ortsfeuerwehren. Auch Elvira Schirack, Dezernentin für Stadtentwicklung und Soziales, bestätigt noch einmal die Transparenz , mit der die Abstimmung und Information zum Problem erfolgte. Es gab nur eine Stimmenthaltung und die kam nicht vom eigenen Wehrleiter .

Sicherlich fühlen sich die Zschornau-Schiedeler ein bisschen hintenan gestellt, denn sie sind die einzigen, die in den letzten Jahren kein neues Einsatzfahrzeug bekommen haben. Dafür besitzen sie ein erst 2011 erneuertes Depot in Zschornau. Dafür investierte die Stadt 120 000 Euro – in eine Garage, gute Umkleide- und Sanitärbedingungen sowie nochmals 20 000 Euro in Gerätschaften. Auch an der Feuerwehrtechnik fehlt es wohl nicht, so Lutterberg.

Löschen im Rendezvous-Verfahren

„Das Problem für uns ist in den letzten Jahren der Mitgliederschwund. Und das leider nicht nur in Zschornau-Schiedel“, sagt der Stadtwehrleiter. Die drei Hauptwehren Kamenz-Stadt, Wiesa und Bernbruch, die auch Tagesbereitschaft haben, sind bereits seit langem im sogenannten „Rendezvous-Verfahren“ mit den kleineren Ortsfeuerwehren Deutschbaselitz, Lückersdorf, Gelenau mit Löschgruppe Hennersdorf sowie eben Zschornau-Schiedel unterwegs. Will heißen, man trifft sich bei den Einsätzen vor Ort und sichert alles gemeinsam ab.

„Die kleinste taktische Einheit bei der Feuerwehr sind sechs Mann. Davon müssen noch vier Atemschutzgeräte-Träger sein. Dafür braucht es eine intensive Ausbildung, ständige Lehrgänge und viele Einsatzstunden pro Jahr. Nicht jede Wehr kann das mittlerweile absichern. Wie Zschornau-Schiedel eben. „Wir wollen die Wehr unterstützen, dass sie ihre Identität behält. Sie wird zwar ab sofort für die Ausbildung und den Einsatzdienst an die Ortsfeuerwehr Kamenz-Bernbruch angehangen, aber ihr Status und der Bestand bleibt so wenigstens gesichert“, sagt Lutterberg.