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Darum ist die Kritik am Lausitz-Festival überzogen

Die vernichtende Kritik am Auftakt des Lausitz-Festivals verstellt den Blick auf Chancen für die Region. Eine Replik.

Blick in die Cunewalder Kirche.
Blick in die Cunewalder Kirche. © Wolfgang Wittchen (Archiv)

Von Frank Seibel

Ja, es war verrückt und falsch, aus dem Nichts einen fünftägigen Konzertreigen in die Region zu pflanzen und in einer extrem kurzen, aber intensiven Werbephase bereits als „Lausitz-Festival“ zu verkaufen. Ein Achtungszeichen, ein Auftaktsignal sollte es wohl am vergangenen Wochenende gewesen sein, aber da hätte ein Konzert gereicht.

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Und ja, vier Millionen Euro für ein, maximal zwei Jahre künstlerischer und organisatorischer Arbeit an einem Musik- und Kunstfest in der Ober- und Niederlausitz sind beinahe unanständig viel Geld – Steuermittel, von denen möglicherweise zunächst vor allem die Hamburger Symphoniker und deren führende Köpfe profitieren. Insofern ist die Empörung verständlich, mit der beachtliche Teile der Öffentlichkeit auf diese Kultur-Intervention aus Hamburg reagieren. Auch in der Sächsischen Zeitung.

Aber es ist eben auch billig, es bei dieser Empörung zu belassen.

Wie wäre es damit, die Chancen eines neuen Festivals für die Lausitz in den Blick zu nehmen und damit die Potenziale einer Partnerschaft zwischen Kulturschaffenden der hiesigen Region einerseits und den Hamburger Symphonikern sowie der Europachorakademie andererseits?

Miss- oder Vertrauensvorschuss

Mag sein, dass viele Akteure aus dem kulturellen Lausitzer Leben die Einladung zur Ideenkonferenz in Hoyerswerda nicht angenommen haben, aus welchen Gründen auch immer. Aber es waren eben 100 interessierte und engagierte Menschen da. Und viele von ihnen freuten sich, dass es erstmals einen „Kulturkonvent“ gab, bei dem sich Kulturmacher aus verschiedensten Sparten und allen Ecken der Oberlausitz getroffen haben. Viele hatten schon voneinander gehört und gelesen, sind sich aber hier erstmals persönlich begegnet.

Und sie konnten, wenn sie denn mit offenen Ohren gekommen waren, in Daniel Kühnel einen Intendanten erleben, der außerordentlich reflektiert und ernsthaft seinen Blick auf diese Region schilderte. Natürlich liegt es nah, die Oberlausitz als Schnittstelle zwischen Sachsen, Schlesien und Böhmen, zwischen Deutschland, Tschechien und Polen irgendwie als „Herz Europas“ zu definieren, wie das auch die Görlitzer Kulturhauptstadtbewerbung vor 15 Jahren tat. Aber Kühnel hat auch ein kulturpolitisches Statement gesetzt. Das Festival mit dem Arbeitstitel „Lausitz-Festival“ soll deutlich machen, dass Europa nicht nur im Westen zu suchen ist.

Frank Seibel
leitet den Verein Meetingpoint Music Messiaen Görlitz/Zgorzelec, der ein potenzieller Partner des neues Festivals ist. 
Frank Seibel leitet den Verein Meetingpoint Music Messiaen Görlitz/Zgorzelec, der ein potenzieller Partner des neues Festivals ist.  © Nikolai Schmidt (Archiv)

Kühnel hat Dialog und Kooperation angeboten. Das kann man mit einem Misstrauensvorschuss quittieren – oder aber mit einem Vertrauensvorschuss. Der zweite Weg eröffnet mehr Möglichkeiten.

Messen sollte man den Intendanten nicht daran, woher er herkommt und wie viel Geld er mutmaßlich verdient. Messen sollte man Daniel Kühnel daran, ob er ein Festival entwickelt und verwirklicht, das die historischen und kulturellen Dimensionen dieser Drei-Länder-Region erfasst und reflektiert und kluge, fantasievolle ästhetische Antworten auf die Fragen dieser Zeit in dieser Region findet.

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Das wird Kühnel nur im Miteinander schaffen. Die Partnerschaft sollte man wagen. Wenn sich herausstellt, dass die Lausitz doch nur eine Gastspielbühne und das Festival nur ein Vehikel zur Finanzierung Hamburger Kultur ist – dann kann man die Partnerschaft kündigen und grollen.

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