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Zu viel oder zu wenig Radweg?

Interessenkonflikt. Das Nationalparkamt will die Natur schonen, Wanderer wollen ihre Wege für sich und Radfahrer wollen im Nationalpark fahren.

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Von Heike Wendt

Ein Schild mit Radfahrverbot sucht man im Nationalpark vergebens. „Bei uns ist es umgekehrt, es darf nur auf den dafür gekennzeichneten Wegen mit dem Fahrrad gefahren werden“, erklärt Andreas Knaak, verantwortlich für Besucherlenkung in der Abteilung Gebietsentwicklung des Nationalparkamtes. Oder anders ausgedrückt: Nach sächsischen Gesetzen darf grundsätzlich auf Feldwegen mit dem Fahrrad gefahren werden, nur im Nationalpark Sächsische Schweiz gibt es Sonderregelungen, verdeutlicht Hans-Günter Heidrich, Mitglied im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) und Ansprechpartner für Radwege im Nationalpark.

Momentan sind rund 50 Kilometer des Wegenetzes für Radfahrer ausgewiesen. „Die Wege wurden nicht zusätzlich angelegt, sondern geeignete Forstwege und Straßen sind für Fahrradfahrer zugelassen“, erläutert Knaak. Dazu zählen zum Beispiel die Pfaffensteinrunde, die Tälertour, die Zschirnsteinrunde oder eine Rundtour von Bad Schandau über Ostrau, Nasser Grund, Beuthenfall, Zeughaus, Thorwalder Brücke, Hinterhermsdorf, Neumannmühle, Lichtenhainer Wasserfall nach Bad Schandau. „Mit der Strecke zwischen Nasser Grund und Beuthenfall ist das letzte Stück der West-Ost-Verbindung mit dem Rad befahrbar, so dass keiner mehr auf der Kirnitzschtalstraße entlang fahren muss“, erläutert Knaak.

Für die Radfahrer sind 50 Kilometer Wegenetz ein guter Erfolg, jedoch einige Wünsche bleiben noch offen. „Wir wollten erreichen, dass die Anreise umweltfreundlich mit der S-Bahn bis Schmilka-Hirschmühle erfolgen kann und von hier aus Touren in Richtung Schrammsteine, Affensteine und Zschand möglich sind“, so der ADFC-Vertreter. Zudem sind die Straße auf dem Großen Winterberg, der Elbleitenweg unterhalb der Schrammsteinaussichten und das fehlende Stück im Polenztal aus Sicht des ADCF gut für Fahrradfahrer geeignet und sollten freigegeben werden.

Kein El Dorado für Mountainbiker

Im Nationalpark spricht man von Radrouten, nicht wie andernorts von Radwanderwegen. „Das ist bewusst so gewählt, weil einerseits kein weißer Fleck in Sachsens Radwegenetz sein soll. Andererseits kann es auch nicht Ziel sein, hier ein El Dorado für Mountainbikefahrer entstehen zu lassen“, so der Nationalparkverantwortliche. In anderer Hinsicht fühlt sich die Nationalparkverwaltung zwischen Baum und Borke. Die Wanderer sehen sich eingeengt.„Sie beanspruchen für sich, zuerst da gewesen zu sein, und fühlen sich durch radfahrende Mitmenschen belästigt“, so Knaak. Im Interesse des Naturschutzes setzt das Nationalparkamt bewusst Prioritäten. Fahrradwege in die Kernzone gibt es nicht, so dass man anderthalb Stunden zu Fuß braucht. Diese Hürde ist wohlweislich angelegt, um nicht zu viele Besucher in die Kernzone zu holen.

Kräfte richtig einschätzen

Kritik zum Fahrradfahren im Nationalpark kommt aus der Bad Schandauer Klinik. Die Unfallgefahr für Radfahrer sei sehr groß, heißt es in einem Schreiben, das an das Nationalparkamt gerichtet ist. Es wäre vorgekommen, dass Radfahrer mehrmals behandelt werden mussten, was aus Sicht der Mediziner vermeidbar gewesen wäre. Die Klinik gibt zu bedenken, die freigegebenen Radwege zu prüfen und gegebenenfalls zurückzunehmen. Wer in der Sächsischen Schweiz unterwegs ist, sollte sich über die landschaftstypischen Besonderheiten im Klaren sein und seine Fähigkeiten und Kräfte richtig einschätzen können. Ebenso wenig wie die Wanderwege auf alle möglichen Gefahren hin abgesichert sein können, sind Radwege völlig unfallsicher. „Da kann es an manchen Stellen etwas eng werden, mal ein Ast quer liegen, und es muss auch mit Dellen gerechnet werden“, so der Nationalparkmitarbeiter.

Die Verkehrssicherung der Wege obliegt der Nationalparkverwaltung als Eigentümer. „Turnusmäßig überprüfen wir mindestens einmal jährlich die Wander- und Radwege“, erzählt Andreas Knaak. Bei Auffälligkeiten oder nach Stürmen sind die Mitarbeiter häufiger unterwegs, um akute Gefahren zu beseitigen. Der Umfang des Radwegenetzes soll im Wesentlichen erhalten bleiben, so das Nationalparkamt. „Die 50 Kilometer sind als dynamischer Faktor zu sehen, es werden sicher neue Stücke hinzukommen, andere dafür wegfallen“, sagt Andreas Knaak.