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Zu wenig E-Bike-Ladestationen in Bautzen

Wer mit seinem Elektro-Rad in der Stadt Rast macht, findet keine Möglichkeit, die Akkus zu laden. Andere Städte und Gemeinden im Landkreis sind da weiter.

E-Bike-Akku leer? In Bautzen wird es dann schwierig: Eine öffentliche Ladestation gibt es nur am Saurierpark in Kleinwelka, in der Innenstadt sieht es mau aus. Eckart Riechmann vom Verleih-Projekt Teilrad ärgert das.
E-Bike-Akku leer? In Bautzen wird es dann schwierig: Eine öffentliche Ladestation gibt es nur am Saurierpark in Kleinwelka, in der Innenstadt sieht es mau aus. Eckart Riechmann vom Verleih-Projekt Teilrad ärgert das. © Steffen Unger

Bautzen. Ratlos steht Eckart Riechmann vor der blauen Säule im Centrum-Parkhaus in der Bautzener Innenstadt. In der Hand hält der Projektverantwortliche vom E-Bike-Verleih-Projekt Teilrad Bautzen einen Stecker. Gerade wollte er sein Bike dort laden, an der Stromtankstelle der Energie- und Wasserwerke Bautzen (EWB). Nur probehalber. Dennoch: Mission gescheitert. Nahezu wie ein höhnisches Grinsen wirkt das regelmäßige Blinken des Teslas, der an ebenjener Steckdose Saft zapft, an der gerade Eckart Riechmann Strom tanken wollte. So zieht er unverrichteter Dinge wieder los.

Ohnehin wäre er mit seinem Vorhaben gescheitert, denn „die Ladestation ist nur für Autos gedacht“, berichtet Kerstin Juras von den EWB. „Für das Laden wird eine Parkkarte benötigt“, sagt sie, „und die bekommt man nur mit einem Auto.“ Sie verrät aber auch, wo das Laden des E-Bikes möglich ist: Die Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft Bautzen (BBB) betreibt eine Ladestation am Saurierpark in Kleinwelka, weiß sie. „Das ist aber auch die einzige in Bautzen.“

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Immer mehr Leute kaufen E-Bikes

„Da tut die Stadt wenig“, ärgert sich Eckart Riechmann über die Situation. „Viele Gemeinden haben solche Stationen“, weiß er und findet: „Bautzen hinkt hinterher und verpasst da eine Chance.“ Dabei, betont Riechmann, wächst das Interesse an den Rädern, mit denen der Fahrradausflug oder der Weg zur Arbeit viel schneller und einfacher zu meistern ist.

Stefan Wiesner vom Fahrradgeschäft Bikepoint Wiesner in Bautzen kann das bestätigen, Jens Wobst von Little John Bikes ebenso und Jens-Uwe Schneider von Fahrrad Schneider auch. „Der Trend ist nicht mehr aufzuhalten“, sagt Jens Wobst. In seinem Geschäft am Holzmarkt stehen die Räder mit dem Zusatz-Antrieb in der Mitte des Geschäfts. Es sind die Räder, auf die der Blick der Kunden als erstes fällt, wenn sie den Laden betreten. „Das Interesse an E-Bikes wächst von Jahr zu Jahr“, sagt auch Stefan Wiesner. Und Jens-Uwe Schneider berichtet, dass mittlerweile gut die Hälfte aller Räder, die er verkauft, E-Bikes sind.

Vor allem eines wundert Riechmann: „Bautzen lebt doch vom Tourismus“, sagt er. Und gerade Besucher der Stadt seien es doch, die solche E-Bike-Ladestationen in Anspruch nehmen würden. Auch Martin Ritscher vom Bautzener ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) sieht das so. Bei den Radtouren des Clubs, so erlebt es Martin Ritscher, fahren immer mehr Menschen mit E-Bikes mit. „Bautzen als Tourismuszentrum“, sagt er, „wäre da schon etwas in der Pflicht, über einen solchen Service nachzudenken.“ Übernachtende Gäste könnten in ihren Unterkünften laden. Anders die Tagesgäste, die einen Stopp für eine Stadttour oder einen Besuch im Café in der Innenstadt einlegen. Diese „wären sicher dankbar, während der Pause die Chance zum Nachladen zu haben“, so Ritscher.

Stadtverwaltung setzt andere Prioritäten

Abgesehen von der Station der BBB gibt es tatsächlich bislang keine städtische E-Bike-Ladesäule in Bautzen, das bestätigt die Stadtverwaltung. Derzeit liege die Priorität bei „Rad-Abstellanlagen“, heißt es. Die Ladestationen für Elektrofahrräder sind zwar im Verkehrskonzept der Stadt ein Thema. Aber aus dem Fahrradklima-Test, in dem Bautzener alle zwei Jahre ihre Meinung zum Thema Radfahren in der Stadt abgeben können, gehe nicht hervor, dass „Abstellanlagen mit Lade-Infrastruktur“ eine große Rolle spielen, so die Stadt.

Viele Umland-Gemeinden und Städte sind da etwas weiter. So ist zum Beispiel in Sohland am Stausee gerade eine solche Ladestation vom Energieversorger Enso eingerichtet worden. Insgesamt fünf solcher Stationen hat das Unternehmen im Kreis Bautzen aufgestellt; außer in Sohland auch in Grünberg bei Ottendorf-Okrilla, in Elstra, in Neukirch/Lausitz und in Radeberg. In der Regel können drei Akkus parallel geladen werden, berichtet die Enso. Für die Akkus gibt es Schließfächer, damit diese nicht gestohlen werden können.

Für Bautzen ist Besserung in Sicht

Auch in Cunewalde am Freibad gibt es eine Ladestation für mehrere Räder, der Freibad-Förderverein hat sich darum gekümmert. In Bischofswerda im Tier- und Kulturpark gibt es laut Stadt-Sprecher Sascha Hache eine Ladestation. In Kamenz hat das Versorgungsunternehmen Ewag Ladesäulen aufgestellt. Gleich vier Räder können auf dem Markt Strom tanken, zwei an der Kamenz-Information und zwei auf einem Parkplatz an der Königsbrücker Straße, berichtet Simone Rietscher von der Stadtverwaltung.

Besserung ist auch in der Stadt Bautzen in Sicht: Das Museum plant, zwei Säulen zu errichten. „Wir haben festgestellt, dass es in der Innenstadt einen gestiegenen Bedarf an Ladesäulen für E-Bikes gibt“, erklärt Museumsdirektor Jürgen Vollbrecht. Weil das Museum zentral in Bautzen liegt, biete es sich an, hier Ladesäulen zu errichten. „Momentan erarbeiten wir mit den Energie- und Wasserwerken Bautzen Pläne, eine Säule vor dem Museum und eine Säule im Hof zu errichten“, so Vollbrecht.

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