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Radebeul

Zweitschnellster Trabi Deutschlands

Eigentlich wollten die Radebeuler im grünen 500er ihren Vorjahrestitel verteidigen. Doch es kam einiges dazwischen.

Das Vizeteam mit ihren Helfern nach dem Rennen auf der Strecke im tschechischen Autodrom Most (von rechts): Lothar Scheffler, Jens Seidel, Stefan Weickert, Torsten Simon.
Das Vizeteam mit ihren Helfern nach dem Rennen auf der Strecke im tschechischen Autodrom Most (von rechts): Lothar Scheffler, Jens Seidel, Stefan Weickert, Torsten Simon. © privat

Radebeul/Most. Zwölf Stunden Runden rasen auf dem Autodrom von Most. Deutschlands Trabi-Enthusiasten sind jedes Jahr heiß auf die Tortur für Fahrer und Fahrzeug.

Im letzten Jahr landete die Radebeuler Mannschaft mit dem Titel „Team Vollbier“ ganz nüchtern einen Sensationscoup. Mit ihrer froschgrünen 500er Pappe hängten sie souverän alle anderen Starter ab und fuhren einen Start-Ziel-Sieg heraus.

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In diesem Jahr wollten es Jens Seidel, Torsten Simon, Lothar Scheffler und Stefan Weickert erneut wissen. Mission Titelverteidigung stand auf dem Programm. Dafür hatten die Männer im Alter zwischen 34 und 77 hart trainiert und vor allem ihren Grünen mit Akribie auf Vordermann gebracht.

Start ist immer 8 Uhr am 1. Mai auf dem Autodrom im tschechischen Most. 49 Trabi-Teams aus ganz Deutschland und sogar aus Finnland waren angereist. Die meisten mit dem kantigen 601er. Der 500er der Radebeuler ist der Exot – lediglich noch ein zweiter Trabant dieses Alters war am Start. 

Kleines Fotos: Grau und Nieselregen beim Start. Schon in den ersten Runden ist ihnen einer hinten reingefahren. 
Kleines Fotos: Grau und Nieselregen beim Start. Schon in den ersten Runden ist ihnen einer hinten reingefahren.  © privat

Doch während die vier Männer im vorigen Jahr beim Verlosen der Startnummern noch die Zwei gezogen hatten, war es diesmal die 18. Mitten im Feld bedeutete das, sich nach vorne zu arbeiten. Was auf dem 4,2 Kilometer langen Rundkurs mit 21 Kurven nur mit Fahrerkönnen und einem gesunden Risiko machbar ist. Schließlich sind alle Motoren die originalen mit lediglich 26 PS.

Startfahrer Jens Seidel, Betreiber der Lößnitztalschänke und Initiator des ganzen furiosen Trabi-Auftritts, lenkte als Erster die Radebeuler Pappe. Und fuhr schon in der zweiten Runde auf Platz vier. Dann das erste Missgeschick des Tages. Ein Rempler von einem Verfolgerfahrzeug hinten links mit Schaden und Zeitverlust. 

Beim Wechsel nach reichlich zwei Stunden lagen die Radebeuler auf Platz sechs. Torsten Simon war Fahrer Nummer zwei. Der Inhaber der Radebeuler Lackierwerkstatt Car Beauty Salon ist wesentlich dafür verantwortlich, dass Anfang 2018 aus dem rostigen Trabiwrack wieder ein nutzbares Auto wurde. In seinen reichlich zwei Stunden mühte er sich vor auf Platz 4. Was anschließend folgte, war eine Meisterleistung von Stefan Weickert. Immer wieder gelang es dem Fachmann für Autoreifen, auch in Kurven mit nahe 100 km/h zu überholen und sich bis auf Platz 1 vorzukämpfen.

Wichtige Zeit ging beim Kleben verloren.
Wichtige Zeit ging beim Kleben verloren. © privat

Die Titelverteidigung lag nahe. Nach 15 Uhr wechselte erneut Torsten Simon ans Lenkrad. Fast acht Stunden hatte der Trabimotor durchgehalten – und zeigte diesmal am Ende allerdings kleine Schwächen. Simon: „Auf der Geraden waren es plötzlich sechs bis acht km/h weniger, die wir fahren konnten.“ Woran das genau lag, ob am Vergaser, das soll noch analysiert werden. 

Die neue Taktik im Team hieß jetzt: Windschattenfahren. Großes Risiko, aber effektiv. Stefan Weickert als Schlussfahrer schaffte es damit immerhin, beim Abwinken nach zwölf Stunden, als Dritter durchs Ziel zu rasen. Mannschaftskapitän Jens Seidel. „Weil sich bei der anschließenden Autoprüfung herausstellte, dass das Team von Platz 1 beim Motor etwas aufpoliert hatte, wurde dieses disqualifiziert und wir standen auf dem Siegertreppchen auf dem Vizeplatz.“

Die Radebeuler wurden den ganzen Tag über in ihren Boxen von mitgereisten über 100 Heimatfans gefeiert. Und nach dem Zieleinlauf gönnten sich freilich alle ein ordentliches Vollbier von Birgit und Olaf Zach (Flack & Schwier), die das als Getränkesponsor für alle spendiert hatten.

www.trabant-rennen-most.de