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Politik im Zeitraffer

Freitaler Schüler haben einen Bürgermeister zu Gast und zwei Schulstunden lang Zeit, ihn mit Fragen zu löchern.

© Oberthür

Von Annett Heyse

Freital. Sieht der Mann, der da mitten unter ihnen sitzt, nun aus wie ein Politiker oder nicht? Die Schüler mustern Peter Pfitzenreiter, schauen auf Jackett, Anzughose und gut geputzte schwarze Lederschuhe. „Hm, eigentlich schon, ja“, sagt einer schließlich. „Nein, irgendwie nicht“, widerspricht eine Mitschülerin. Pfitzenreiter, seit eineinhalb Jahren Erster Bürgermeister in Freital, muss lächeln. Er scheint nicht so richtig ins Klischee zu passen.

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Aber wie ist ein Politiker denn eigentlich, was macht er den ganzen Tag, wie viel Geld verdient er, und könnte er sich vorstellen, Bundeskanzler zu werden? All diese Fragen haben 16 Schüler der Klassen sieben bis neun der Best-Sabel-Oberschule in Hainsberg. Sie gehören zum Neigungskurs Demokratie und haben Peter Pfitzenreiter am Dienstag eingeladen, um zu erfahren, wie ein Politiker nun wirklich ist.

Und Pfitzenreiter kennt sich mit Schülerfragen gut aus. Er war Lehrer für Mathe und Physik, doch nun redet er über seinen Alltag als Erster Bürgermeister. Zum Beispiel über lange Arbeitstage, viele Termine, wie wichtig Teamarbeit ist und was er von der Bundeskanzlerin hält.

Lehramtsanwärter Johannes Preißiger hält den Demokratiekurs. Als er im Sommer einen Aushang machte und darin sein Konzept kurz vorstellte, schrieben sich mehr Interessenten ein als zum Kochkurs oder bei den künstlerischen Angeboten. „Ich war selbst überrascht“, sagt der 32-Jährige und legte los. In seinem Kurs analysierten die Schüler die Plakate zur Bundestagswahl, entwarfen neue Visionen für Freital, texteten die Nationalhymne um. Lehrer Preißiger legt Wert darauf, dass diskutiert, zugehört, abgewogen und am Ende demokratisch abgestimmt wird. Denn in seinem Kurs will er nicht nur Grundwissen, sondern auch einige Demokratietechniken vermitteln.

„Die Schüler sollen begreifen, dass unser politisches System manchmal anstrengend, aber eben ein Prozess ist, in dem Standpunkte ausgetauscht und gegeneinander abgewogen werden.“ Das macht sich konkret derzeit in Freital zum Beispiel an der Diskussion um den Bikepark im Zauckeroder Birkenwäldchen deutlich, ein Projekt, das vielen Freitaler Jugendlichen am Herzen liegt. Letzter Stand ist, dass die Stadt die Anlage gerne bauen möchte, ein Sportverein sie aber betreiben soll. Doch die Vereinsmitglieder lehnten ab – zu viel Risiko. „Nun müssen wir nach einer anderen Lösung suchen, um das Projekt umzusetzen“, muss Pfitzenreiter einige enttäuschte Schüler vertrösten. Es ist genau der Punkt, an dem Politik auch anstrengend sein kann – für alle Seiten.

Johannes Preißiger nickt. Er weiß, dass auch seine Schüler die schnelle Lösung und die einfache Antwort bevorzugen. Im September, ganz am Anfang des Kurses, haben sie die Bundestagswahl nachgespielt, so richtig mit Wahlkabine, Zetteln, Urne. „Ich will lieber nicht sagen, was dabei herauskam“, sagt der Lehrer. Manche Meinungsäußerung der Jugendlichen zur Politik mache ihm schon Sorgen. „Da muss man als Lehrer auch mal gegenhalten.“

Pfitzenreiter, der von sich selbst sagt, in die Politik hineingerutscht zu sein, sieht das ähnlich und hat nun eine Gegeneinladung ausgesprochen. Demnächst wollen ihn die Demokratieschüler im Deubener Rathaus besuchen und mal schauen, wie ein Politiker so arbeitet.