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Politik

Große Aufregung in Schottland

Kurz vor der Regionalwahl geht es in Schottland äußerst turbulent zu. Im Mittelpunkt: Regierungschefin Sturgeon. Was ist da los?

Nicola Sturgeon  hat die Misstrauensabstimmung gewonnen.
Nicola Sturgeon hat die Misstrauensabstimmung gewonnen. © Jane Barlow/PA Wire/dpa

Edinburgh. Trotz scharfer Vorwürfe der Opposition geht die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon mit Rückenwind in die heiße Phase vor der Regionalwahl in sechs Wochen. Das wirkt sonderbar - schließlich steht die Befürworterin einer Unabhängigkeit von Großbritannien unter scharfem Beschuss. Am Dienstag musste sich die 50-Jährige einem Misstrauensantrag stellen, den sie aber deutlich für sich entschied. Zudem wirft ihr der Bericht eines Parlamentsausschusses vor, die Abgeordneten in die Irre geführt zu haben.

Doch das kratzt nur oberflächlich am Image der beliebten Politikerin - denn ein unabhängiges Gutachten attestierte ihr, keinen Fehler gemacht zu haben. Auch deshalb erschien bereits vor der Abstimmung im Parlament kaum vorstellbar, dass Sturgeon wirklich über den Antrag der oppositionellen Konservativen stürzt. "Wenn Sie glauben, Sie könnten mich aus dem Amt jagen, irren Sie sich und beurteilen mich falsch", sagte Sturgeon siegessicher. "Wenn Sie mich als Regierungschefin absetzen wollen, tun Sie dies bei einer Wahl." Die Vorwürfe des Ausschusses hat sie bereits als parteipolitisch motiviert zurückgewiesen.

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"Insgesamt scheint Nicola Sturgeon ziemlich gut aus der Sache hervorgegangen zu sein", sagte Kirsty Hughes, Direktorin der Denkfabrik Scottish Council on European Relations in Edinburgh, der Deutschen Presse-Agentur. Der renommierte Politologe John Curtice sagte der dpa, die Vorwürfe gegen Sturgeon seien in sich zusammengebrochen.

Der Fall wirkt knifflig. Mehrere Frauen hatten Sturgeons Vorgänger Alex Salmond versuchte Vergewaltigung und sexuelle Belästigung vorgeworfen, doch vor gut einem Jahr wurde der Ex-Regierungschef freigesprochen. Nun stellte sich die Frage, ob Sturgeon in dem Fall richtig gehandelt hat - und wann sie von den Vorwürfen erfahren hat. Salmond warf seiner einstigen Vertrauten vor, sie habe ihn politisch kaltstellen wollen, und die Konservativen stürzten sich begierig auf den Streit. Sturgeon aber wies alle Anschuldigungen zurück, das unabhängige Gutachten bestätigte sie.

Blick in die Kammer des schottischen Parlaments in Edinburgh während der Debatte über den Misstrauensantrag gegen die Erste Ministerin Sturgeon.
Blick in die Kammer des schottischen Parlaments in Edinburgh während der Debatte über den Misstrauensantrag gegen die Erste Ministerin Sturgeon. © Jane Barlow/PA Wire/dpa

Nun kann sich die Regierungschefin wieder der wichtigen Regionalwahl widmen. Ihre Schottische Nationalpartei (SNP) hofft bei der Abstimmung am 6. Mai auf die absolute Mehrheit, um dann ihre Forderung nach einem neuen Unabhängigkeitsreferendum zu verstärken. Doch nachdem die SNP in Umfragen zeitweise mit deutlichem Vorsprung geführt hatte, ist das Rennen nun wieder offen. Der Politikwissenschaftler Curtice vermutet, dass der parteiinterne Streit die SNP zwei bis drei Prozentpunkte kosten dürfte. "Es war offensichtlich eine langwierige, unordentliche und politisch schädliche Affäre", sagte Expertin Hughes.

Wichtig sei, dass wieder der Wahlkampf im Vordergrund stehen könne, sagte Curtice. "Unabhängigkeit, Brexit, Coronavirus: Diese Fragen sollten nun wieder behandelt werden." Diese Themen sprechen vor allem für Sturgeon. Ihr Krisenmanagement in der Corona-Krise wird von den Schotten über die Parteigrenzen hinweg geschätzt, wie Umfragen wiederholt gezeigt haben. Mit ihrem Ziel, Schottland wieder in die EU zu führen, trifft Sturgeon ebenfalls einen Nerv - denn den Brexit lehnt eine deutliche Mehrheit der Schotten ab. Hinzu kommt: Ihr wichtigster Gegenspieler, der britische Premierminister Boris Johnson, ist in Schottland äußerst unbeliebt. Wohl auch deshalb will Johnsons Sprecherin die Vorgänge im Norden nicht kommentieren.

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