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Amerikaner vor der Wahl: Ein Trump-Fan erzählt

Am 3. November wird in den USA der Präsident gewählt. Ein Lausitzer Auswanderer erzählt, wer sein Favorit ist - und warum.

Jörg Höppner, 58, wurde in Bautzen geboren, wuchs in Cottbus auf und lebt inzwischen seit fast 25 Jahren in Texas.
Jörg Höppner, 58, wurde in Bautzen geboren, wuchs in Cottbus auf und lebt inzwischen seit fast 25 Jahren in Texas. © privat

Den Sumpf trockenlegen möchte er. Diesen Sumpf der Korruption. Das war einer der Slogans, mit denen Donald Trump angetreten ist. Ich finde das gut. Und ich finde, er macht seinen Job gut. Endlich mal einer, der nicht nur redet, sondern macht. Das zählt doch. Was einer tut. Klar hat jemand viel Ärger, der sich vornimmt, gegen Korruption und das Establishment zu kämpfen. Solche Menschen haben wir nicht so oft, weder in den USA allgemein noch hier in Texas, wo ich seit fast 25 Jahren lebe.

Ich komme aus der Lausitz, habe in Freiberg studiert. Nach der Wende war ich selbstständig, habe Hallen gebaut für Industrieunternehmen. Ich hatte ganz gut zu tun, aber die Zahlungsmoral war schwierig. Das hat mich genervt und müde gemacht. Meine damalige Frau war Lehrerin und bekam das Angebot, in den USA zu arbeiten, für ein Jahr in Texas. Ich blieb zunächst noch hier. Dann wurde ihr angeboten, zu verlängern. Sie kam in den Sommerferien hierher mit den Kindern, wir sprachen darüber. In Texas sind die Sommerferien sehr lang, wegen der Hitze. 40 Grad sind nicht ungewöhnlich. Ich fragte die Kinder, ob sie in Deutschland bleiben wollten, und sie sagten: Für den Urlaub ist es ganz schön. Aber sie wollten zurück.

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Ich ging also mit. Suchte zunächst nach einem festen Job, aber dann hab’ ich mich wieder selbstständig gemacht. Heute baue ich Häuser, repariere Sachen an Häusern, baue alles Mögliche, was die Leute halt so wollen. Wenn die Arbeit erledigt ist, gibt es sofort das Geld. Ich hab mich hier vom ersten Augenblick an wohlgefühlt. Die Texaner sind keine waffenschwingenden, huttragenden Cowboys, das sind größtenteils Klischees. Natürlich gibt es immer solche und solche Menschen, überall auf der Welt. Aber ich muss sagen, die Texaner sind unglaublich freundlich und hilfsbereit. Als meine Familie hier ankam in dem Ort nahe Dallas im Norden von Texas, wo ich heute noch lebe, hatte man ein Haus für uns organisiert, direkt an dem großen Stausee, den wir hier haben. Die Kollegen hatten es voll möbliert, nur ein Fernseher fehlte.

Hut, Waffen und Sonnenuntergänge

Man kann hier gut leben, wenn man was will, sich anstrengt, hart arbeitet. Doch, das ist so. Man kann was werden, auch ohne einflussreiche Familie, Beziehungen und so weiter. Durch Leistung. Ich hab’ das Gefühl, hier sehr viel freier zu sein, mich frei entfalten zu können. Nach Deutschland will ich nicht mehr. Meine Söhne sind jetzt groß, sie sind auch in den USA geblieben. Ich liebe die Sonnenauf- und -untergänge in Texas, nirgendwo auf der Welt habe ich schönere gesehen.

© privat

Einen Hut hab ich inzwischen auch. Und Waffen, mehrere, denn ich gehe gern auf die Jagd. Im Sommer beginne ich ganz früh morgens mit der Arbeit und mache gegen 14 Uhr Feierabend oder arbeite im Schatten, so kommt man mit der Hitze zurecht. Ich hab gute Freunde gefunden und interessante Kunden. Einer war Polizist, er hat 1963 das Attentat auf John F. Kennedy in Dallas miterlebt.

Natürlich ist in Amerika nicht alles positiv. Das Bildungssystem ist eine ziemliche Katastrophe. Ich brauche für mein Baugeschäft immer Leute. Der Mindestlohn liegt bei etwas über sieben Dollar, und ich biete sogar höhere Löhne an. Aber es ist dennoch sehr schwer, Menschen zu finden, die gut ausgebildet sind und hart arbeiten wollen. Bei euch in Deutschland höre ich öfters, dass Amerika ein schlechtes Sozialsystem hat. Aber das stimmt so nicht. Wir haben hier viele Menschen, die von der Wohlfahrt leben und bei denen ich den Eindruck habe, die wollen nicht so richtig arbeiten, sie leben ganz gut so.

Die Wahlen am Dienstag werde ich im Fernsehen verfolgen. Ich selbst kann nicht wählen, denn ich habe die US-amerikanische Staatsbürgerschaft nicht. Meine amerikanischen Freunde sagen immer, Mensch, Jörg, werde endlich Amerikaner. Du bist doch eigentlich einer von uns. Aber meine Green Card reicht mir völlig. Wenn ich wählen dürfte, würde ich Trump wählen. Das war 2016 so, und es wäre jetzt so. Da hat Corona nichts dran geändert.

Trump sagt klar, was er denkt

Ich finde, Trump wird oft völlig falsch dargestellt, sowohl hier in vielen Medien als auch in Deutschland. Er wird regelrecht respektlos behandelt. Viele Leute hassen und verabscheuen ihn, aber wenn ich frage, was stört dich konkret, dann kommt da meines Erachtens nicht viel. Alle Amtsenthebungsverfahren und Ermittlungen gegen ihn haben bislang nichts erbracht. Dass Trump völlig daneben sei im Ton, höre ich oft. Ja, aber mir ist lieber, einer sagt klar, was er denkt. Manche sagen, er bereichert sich und zahlt keine Steuern. Ich frage mich: Wie bereichert sich einer, der sein Präsidentengehalt spendet und von seinem Privatvermögen lebt? Und es gibt viele legale Möglichkeiten in den USA, die Steuern zu senken oder zu umgehen.

© privat

Ich glaube nicht, dass man mir vorwerfen kann, dass ich naiv oder nicht informiert genug bin. Ich informiere mich bei allen möglichen Medien, unter anderem bei CNN, ABC, aber auch beim Sender Fox, der ja als Trump-nah gilt. Ich finde, Trump hat eine Menge erreicht in der relativ kurzen Zeit. Er hat mal über Joe Biden, den demokratischen Präsidentschaftskandidaten, gesagt: „Was er in 47 Jahren erreicht hat, habe ich in 47 Monaten geschafft.“ Ich finde, das stimmt. Anfang des Jahres hatten wir die niedrigsten Arbeitslosenzahlen seit Jahrzehnten. Auch unter den Afroamerikanern war die Rate so niedrig wie noch nie. Er hat die Steuern gesenkt, für die Unternehmen, aber auch die Einkommenssteuer. Die Wirtschaft brummte. Ich hatte so viele Aufträge, ich konnte es mir sogar leisten, abzusagen. Viele Leute hatten wieder Hoffnung und ein Gefühl, dass was vorwärts geht.

1.200 Dollar Soforthilfe

Anfang des Jahres kam dann Corona, das hat viel verändert. Die Wirtschaft ist abgestürzt, Millionen wurden arbeitslos. Im Sommer hat sich das gebessert, aber die Infektionszahlen schießen jetzt wieder nach oben. Wir in Texas haben nach New York die meisten Infizierten und die meisten Toten in den USA. Über 18.000 Menschen sind hier durch das Virus gestorben. Nein, Corona ist kein Spaß und keine Erfindung. Wenn das irgendjemand behauptet, soll er mal hierherkommen zu uns.

Wir haben nach der ersten Corona-Welle alle Geld bekommen als Soforthilfe, je nach Einkommenshöhe. Ich habe 1.200 Dollar bekommen. Dann gab es noch Unterstützung für Firmen, Selbstständige, notleidende Menschen. Trump versucht seit Wochen, ein weiteres Corona-Hilfspaket durchzubekommen. Das wären weitere 1,8 Billionen Dollar. Das scheitert aber momentan am Widerstand der Demokraten. Ich hab da ein sehr erhellendes Interview gesehen von Wolf Blitzer mit Nancy Pelosi von den Demokraten, auf CNN. Man kann es auf Youtube sehen. Ich hab mich sehr geärgert über sie, mit was für Argumenten sie versucht, ihre Verzögerungstaktik zu rechtfertigen. Das geht in der jetzigen Situation gar nicht, denke ich.

In der Umgebung sind die meisten für Trump

Trump ist viel kritisiert worden für sein Corona-Management, dass er so spät tätig geworden ist. Damit steht er nicht allein, finde ich. Und einen Königsweg, wie man mit Corona umgeht, hat noch niemand in der Welt gefunden. Ich höre und lese oft, dass Trump die amerikanische Gesellschaft gespalten hat. Sie ist gespalten, das stimmt. Da waren die Geschehnisse nach dem Mord an George Floyd, dessen Darstellung in den Medien ich überzogen und einseitig fand. Er war ein Krimineller. Und Polizist ist heutzutage bei uns auch kein einfacher, kein gut angesehener Job, und gut bezahlt ist er auch nicht.

Mit Alligator.
Mit Alligator. © privat

Es gibt entschiedene Trump-Gegner und Trump-Unterstützer, wie ich einer bin. Unser Land ist ja auch immer ein melting pot, ein Schmelztiegel mit den verschiedensten Menschen. Viele meiner Freunde sind Demokraten. Man kann aber doch unterschiedlicher Meinung sein und muss sich dennoch nicht die Köpfe einschlagen.

Da muss ich gleich an Rudi denken. Er ist über 80, war Rechtsanwalt, gibt mir regelmäßig Aufträge. Er hat viele demokratische Präsidenten und Politiker erlebt, und er sieht die, die momentan an der Spitze stehen, sehr kritisch. Ob er deshalb Trump oder doch Joe Biden wählt, weiß ich nicht, ich frage ihn nicht. Aber wir verstehen uns trotzdem, er ist ein bisschen wie ein Ersatzvater für mich. Ist schon seltsam: Trump hat mal die Demokraten unterstützt, bevor er vor ungefähr zehn Jahren bei den Republikanern eintrat.

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Ob Trump Präsident bleiben wird, ist völlig offen. Hier in meiner Umgebung sind die meisten für Trump, trotz allem, was dieses Jahr passiert ist. Die Umfragen für die USA insgesamt sagen, dass Joe Biden vorne liegt. Aber 2016 hieß es auch bis kurz vor der Wahl, dass Hillary Clinton führt. Ich hoffe, dass Trump wieder gewinnt. Wenn wir Corona einigermaßen im Griff haben, wird die Wirtschaft boomen, da bin ich sicher. Was wir hier gesellschaftlich brauchen, ist Respekt, Sicherheit und Ordnung. Das wird er schaffen. Ja, auch das mit dem Respekt. Ich glaube sogar, dass er es schaffen kann, die Gesellschaft wieder mehr zusammenzubringen.

Notiert von Christina Wittig-Tausch.

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