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Politische Säuberung in Nordkorea?

Als Nordkoreas Jung-Diktator Kim Jong Un an die Macht kam, sahen viele in ihm nur eine Marionette. Hinweise auf eine blutige Säuberung an der Staatsspitze sorgen nun für Unruhe.

© dpa

Von Dirk Godder

Seoul. Tobt im abgeschotteten Nordkorea ein Machtkampf an der Führungsspitze? Berichte, dass der einflussreiche Onkel von Machthaber Kim Jong Un, Jang Song Thaek, Opfer einer Säuberungswelle sein könnte, werden in Südkorea als Vorzeichen möglicher Veränderungen gesehen.

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Jang Song Thaek (r.), die graue Eminenz Nordkoreas, wurde von seinem Neffen Kim Jong Un entmachtet.
Jang Song Thaek (r.), die graue Eminenz Nordkoreas, wurde von seinem Neffen Kim Jong Un entmachtet. © dpa

Einerseits fürchten Beobachter, dass die Entmachtung instabile Verhältnisse nach sich zieht; denn Jang verfügte über gute Kontakte im Militär, Regierung und Partei. Andere sehen Indizien dafür, dass Kim seine Macht weiter festigt. Experten hatten schon bei der Machtübernahme des knapp 30-jährigen Kim Ende 2011 die Gefahr gesehen, dass ihm sein Onkel zu mächtig werden könnten. Schon einmal war der als Hardliner geltende Jang Song Thaek „gesäubert“ worden und dann doch plötzlich wieder aufgetaucht.

Keine Bestätigung aus Nordkorea

Zunächst gab es aus Pjöngjang keine Bestätigung für die Entmachtung Jangs. Der südkoreanische Geheimdienst NIS rief jedoch Abgeordnete in Seoul zu eine Dringlichkeitssitzung zusammen, um über seine Einschätzung der Lage im Nachbarland zu informieren. Die Lage in Pjöngjang wird möglichst genau beobachtet, um auf alle Veränderungen vorbereitet zu sein. Dem Geheimdienst zufolge ist Jang (67) nicht mehr öffentlich aufgetreten, seitdem zwei enge Vertraute Mitte November wegen Korruption hingerichtet worden seien.

Die Berichte über Jang - er ist mit der Schwester des früheren Alleinherrschers Kim Jong Il verheiratet - lassen viele Fragen offen. Er galt nicht nur als Mentor Kim Jong Uns, sondern auch als heimlicher Strippenzieher. Von Kim Jong Il wurde ihm der Auftrag gegeben, dem Sohn auf dem Weg zur Macht unter die Arme zu greifen. Dazu wurde Jang vor drei Jahren sogar zum Vizechef der mächtigen Nationalen Verteidigungskommission ernannt. Er hatte zudem einen hohen Posten in der Arbeiterpartei. Alle Posten sollen ihm jetzt entzogen worden sein. Regierungsbeamte in Seoul sagen, das wäre nicht ohne Zustimmung von Kim Jong Un möglich gewesen.

Unter der Voraussetzung, dass die Berichte zutreffen, stehen hinter der Entmachtung ganz klar die Interessen Kim Jong Uns, glauben Experten. „Jang ist der Prinzregent gewesen“, sagt Hanns-Günther Hilpert von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. „Wenn er jetzt entfernt wurde von seinem Amt, hat Kim freie Hand.“ sagt der Ostasienexperte, der zurzeit in Seoul ist. Mit dem Schritt habe Kim jetzt seine Macht gefestigt.

Südkoreanische Medien: Säuberungswelle könnte andauern

Die politischen Folgen sind allerdings noch nicht abzusehen. Der NIS vermutet den Berichten südkoreanischer Medien zufolge, dass die Säuberungswelle in Nordkorea noch nicht zu Ende sei. Es könnte den gesamten „Verwaltungsapparat“ der Arbeiterpartei treffen, der Jangs Unterstützungsbasis gewesen sei. Säuberungsaktionen in dem stalinistisch geprägten Staat sind nicht unüblich.

Doch die Entmachtung Jangs könnte noch weiter führen. „Jang war Mitglied der Kim-Dynastie“, sagt der Repräsentant der Friedrich-Naumann-Stiftung in Seoul, Lars-André Richter. Seine Frau repräsentierte die Blutlinie der Dynastie. Es sei ganz klar ein politisches Signal, da auch zwei Gefolgsleute Jangs beiseite geschafft worden seien. „Jang stand für die China-Politik, er war eine Symbolfigur.“ Es könnte jetzt das Signal sein, dass Kim Jong Un diese Politik ändern wolle mit möglicherweise einer größeren wirtschaftlichen Öffnung, der vermutlich Jang im Weg stand. Viel sei von neuen Sonderwirtschaftszonen in Nordkorea die Rede, sagt Richter. „Das Land will weg von der Abhängigkeit von China.“ (dpa)