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Polizei fischt verdächtige Laster von der Autobahn

© Christian Juppe

Für Gewicht, Technik und Fahrzeiten gibt es strenge Regeln. Immer wieder werden sie nicht eingehalten – auch auf der A 4.

Von Christoph Springer

Wilsdruff. Es gießt in Strömen, der Scheibenwischer leistet Schwerstarbeit. Auf der Autobahn Richtung Dresden geht es nur langsam voran, auf der rechten Spur reiht sich ein Lkw an den anderen. Alle wollen weiter, nur weiter. So schnell wie möglich raus aus Regen und Stau. Doch die Polizei hat an diesem Morgen andere Pläne für Premysl Hrdina. Sie kontrolliert Lkws auf dem großen Parkplatz an der Raststätte Dresdner Tor. Das Wetter ist dabei Nebensache. Auch der 31-jährige Tscheche muss anhalten und in den Regen, damit die Beamten seinen 40-Tonner genau untersuchen können. Zwei Stunden wird er verlieren, eine Strafe muss er auch zahlen.

Premysl Hrdina fährt einen großen grünen Scania-Laster. Auf der Plane steht der Name seines Arbeitgebers. Es ist eine Spedition mit Hauptsitz in Bocholt. Sein Lkw und der große Sattelauflieger haben tschechische Kennzeichen. Nicht nur das macht ihn für die Polizei zu einem potenziellen Kontrollkandidaten. Die Beamten haben zwei Teams im Einsatz, die auf der A4 in Richtung Dresden fahren und dabei nach Lkws suchen, bei denen sie Verstöße gegen Recht und Gesetz vermuten. Fänger nennt Polizeioberkommissarin Jeannette Weu diese Kollegen. „Sie haben 25 bis 30 Jahre Erfahrung“, sagt die 39-Jährige, „sie erkennen, wenn etwas sein könnte.“ Entdecken die Fänger einen verdächtigen Laster, setzen sie sich mit ihrem Streifenwagen davor, schalten das Blaulicht an und lotsen ihn auf den Kontrollplatz.

Das trifft auch den 31-jährigen Tschechen, der mit seinem Scania an diesem Morgen aus Leipzig kommt und nach Tschechien will. Die Fänger hatten den Eindruck, dass sein Sattelauflieger besonders hoch ist. Das soll nun kontrolliert werden. Außerdem wollen sich Jeannette Weu und ihre Kollegen die Fahrzeugpapiere, den Fahrtenschreiber und den Zustand des Lkws ansehen. Hrdina muss sie dabei unterstützen, muss raus in den Dauerregen. Der 31-Jährige klettert aus seiner Fahrerkabine. Ohne jedes Anzeichen von Ärger öffnet er den Auflieger. Darauf stehen Spezialpaletten für Autoteile zweistöckig übereinander. Sie sind leer, stellt Jeannette Weu schnell fest. Ein Gewichtsproblem hat der Scania nicht. Auch der technische Zustand des Lasters lässt keine Beanstandungen zu. „Das hat sich in den letzten Jahren gebessert“, sagt die 39-Jährige. „Heute haben wir es vor allem mit Problemen beim Fahrpersonal, bei der Ladungssicherung und beim Gewicht zu tun.“ Auch die Ladungssicherung im Laster von Premysl Hrdina ist an diesem Morgen kein Thema für die Polizei. Aber die Höhe seines Aufliegers. Die Beamten setzen eine lange Messlatte an. Sie bestätigt den Verdacht: An der höchsten Stelle ist der Auflieger 4,11 Meter hoch. Elf Zentimeter mehr als erlaubt sind. Jannette Weu muss eine Anzeige schreiben. In der Zwischenzeit kann der 31-Jährige versuchen, seinen Auflieger auf das richtige Höhenmaß zu bekommen. „Eigentlich passt das“, sagt die Polizeioberrätin mit Blick auf die Maße der Paletten. Aber eine Querstrebe im Auflieger, die man eigentlich auch demontieren kann, blockiert das Dach, das man mechanisch absenken kann.

Mirko Ihle und sein tschechischer Kollege Martin Sedlacek vom Polizeirevier Rehlovice bei Ústí beobachten ihn dabei. Zweimal pro Monat sind sie gemeinsam auf sächsischen Autobahnen im Einsatz, ein Mal in Tschechien. „Das Problem sind vor allem die 3,5-Tonner“, sagt Ihle. Sie seien häufig zu schwer beladen. „Wir hatten mal einen, der war allein schon durch seine Aufbauten 400 Kilo zu schwer.“ Und dann werde noch geladen, „was geht“.

An diesem Dienstagvormittag stoppen die Beamten keine solchen Kleinlaster. Bis zum Mittag überprüfen sie 15 große Lkws, 13 davon sind nicht regelgerecht unterwegs. Wie der von Premysl Hrdina. Der 31-Jährige muss eine zweistellige Strafe zahlen und Geld für das Verwaltungsverfahren wegen seines Vergehens hinterlegen. Das Dach seines Aufliegers hat er inzwischen so weit abgesenkt, dass er weiterfahren darf.

Anders ging es 492 von 3 767 Fahrprofis, die die Dresdner Polizei 2017 überprüft hat. Ihre Laster oder Busse hatten so große Mängel, dass sie nicht weiterfahren durften. Erst mussten sie repariert oder Ware umgeladen werden. „Dabei kontrollieren wir nur 0,001 Prozent und nur die, die auffällig sind“, sagt Jeannette Weu. Ein Tropfen auf den heißen Stein.