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Luxusuhrendieb muss ins Gefängnis

Ein Gothaer stiehlt mehrere moderne Zeitmesser aus dem Glashütter Uhrenmuseum. Als er eine davon verkaufen will, geht alles sehr schnell.

So werden Tutima-Uhren im Glashütter Uhrenmuseum präsentiert. Der Dieb war nach 25 Minuten weg.
So werden Tutima-Uhren im Glashütter Uhrenmuseum präsentiert. Der Dieb war nach 25 Minuten weg. © Egbert Kamprath

Vier wertvolle Uhren der Firma Tutima wurden im Februar 2019 aus dem Uhrenmuseum Glashütte gestohlen. Die beiden besonders wertvollen Exemplare des Modells Hommage Minutenrepetition, von der eine allein 165.000 Euro kostet, sind bis heute nicht wieder aufgetaucht. 

Der Betriebsleiter der Firma Tutima erklärte am Mittwoch dem Schöffengericht in Dippoldiswalde, was diese Uhren, von denen es insgesamt nur 25 Stück gibt, so wertvoll macht. Solch eine Uhr kann die Uhrzeit auch akustisch anzeigen. Ein Uhrmacher baut vier Monate lang an einer Uhr, passt jedes Rädchen, Schräubchen und Hämmerchen individuell an das Uhrwerk an. Jede Uhr ist ein Unikat.Bei einer Hausdurchsuchung bei dem Verdächtigen Lars S. in Gotha fand man lediglich die Uhren der Modelle Patria und Saxon One, die mit Preisen von 6.900 und 2.300 Euro dagegen fast günstig wirken. Nachdem die Ermittler seit dem Einbruch im Februar 2019 monatelang im Dunkeln tappten, brachte sie Lars S. selbst auf die richtige Spur.

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Patria von Tutima zum Verkauf angeboten

Im Juni 2019 hatte ein Mann einem Händler in Gotha, der Gold und Uhren ankauft, neben Goldschmuck auch eine Patria von Tutima angeboten. Der Händler, dem das verdächtig vorkam, rief daraufhin seinen Sohn an und der wiederum in Glashütte beim Hersteller. Dann ging alles ganz schnell. Zwar verschwand der Anbieter schnell aus dem Laden, als er mitbekam, dass der Händler telefonierte. Dieser hatte sich aber, wie bei jedem Goldankauf üblich, zuvor den Ausweis vorlegen lassen und die Daten notiert. So konnte die Kriminalpolizei in Pirna schnell ihre Kollegen in Gotha informieren, für die Lars S. kein Unbekannter war. Nach einer vom Staatsanwalt in Pirna telefonisch angeordneten Hausdurchsuchung beschlagnahmte man im Haus, in dem Lars S. mit seiner Mutter lebt, neben den zwei Uhren auch wertvollen Schmuck, mehrere Waffen, Munition und Betäubungsmittel. 

Die leitende Kriminalbeamtin schilderte nun dem Schöffengericht sehr anschaulich, wie sie Lars S. an diesem Sommertag um die Mittagszeit geweckt hatte, nachdem dessen Mutter sie zu ihm ins Zimmer geschickt hatte. Sieben Beamte hatten dann die sehr unordentlichen und unangenehm riechenden Zimmer und Abstellräume des heute 46-Jährigen durchsucht. Dabei wären stundenlang Möbel und herumliegende Gegenstände beiseite gerückt und geräumt worden. Auffällig war, dass sie sehr viele Uhren, besonders Taschenuhren und auch Bücher über Uhren in den von Lars S. bewohnten Räumen vorfanden.

Beweise von Hausdurchsuchung juristisch wertlos

Das Gericht konnte nun aber das entscheidende Ergebnis der Hausdurchsuchung nicht in seine Urteilsfindung einbeziehen. Anhand der Seriennummern konnten zwar die bei Lars S. gefundenen Uhren eindeutig als die aus dem Museum gestohlenen Uhren identifiziert werden. Allerdings hatte es keinen wirksamen Durchsuchungsbeschluss gegeben. Die Beamten in Gotha und Pirna hatten auf eine schnelle Hausdurchsuchung gedrängt, denn sie fürchteten, dass Lars S. die Uhren schnellstmöglich einem anderen Händler verkaufen würde. Der Staatsanwalt hätte aber genügend Zeit gehabt, auch einen richterlichen Beschluss zu erwirken, stellte das Gericht nun nach gründlicher Prüfung fest.

Da sich aber Lars S. selbst als möglicher Täter ins Spiel gebracht hatte, ging die Kriminalpolizei in Pirna noch einmal alles durch, was sie an Material hatte. So gab es dann doch noch genügend Indizien, um Lars S. zu überführen. Nachdem er sich allein durch sein Angebot beim Schmuckhändler verdächtig gemacht hatte und identifizierbar war, kannte man seine Adresse. Wer im Uhrenmuseum Glashütte eine Eintrittskarte kauft, wird um die freiwillige Angabe seiner Postleitzahl gebeten. Am 18. Februar 2019, genau um 14.55 Uhr, kaufte jemand zwei Eintrittskarten und gab dabei die Gothaer Postleitzahl 99867 an. 

Verräterische Postleitzahl des Täters

Das ist genau die Postleitzahl von Lars S. Anschrift. Danach konnte die Kriminaltechnikerin bei der erneuten Durchsicht des Videomaterials der Überwachungskamera des Foyers die Tatzeit eingrenzen und herausarbeiten, dass kurz vor drei Uhr zwei Männer an der Kasse standen. Dabei ist deutlich die auffällige Statur, Körperhaltung und Gesichtsform einer der beiden Männer zu erkennen. Die Ähnlichkeit zum Angeklagten ist unverkennbar. Nach nur 25 Minuten tauchten die beiden Männer wieder im Foyer auf und verließen kurz darauf das Museum. Viel zu kurz für einen üblichen Rundgang aber ausreichend Zeit, um das einfache Schloss der Vitrine mit einem spitzen Gegenstand zu öffnen und das Diebesgut in der Jacke zu verstecken.

Die Indizien reichen dem Gericht unter Vorsitz von Richterin Daniela Höllrich-Wirth, um den mehrfach einschlägig vorbestraften gelernten Gleisbauer wegen Diebstahls in besonders schwerem Fall zu verurteilen. Wer der zweite Mann im Museum war, bleibt ungeklärt. Der Angeklagte schwieg während des gesamten Prozesses. Bei seinem letzten Prozess 2014 in Eisenach hatte er angegeben, dass er arbeitslos ist, keine Sozialleistungen, aber von seiner Mutter Taschengeld erhält. Das Urteil, das zwei Jahre und vier Monate Freiheitsentzug und Zahlung von Wertersatz in Höhe von 335.450 Euro vorsieht, ist noch nicht rechtskräftig.

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