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Porträt: Niedergang eines Präsidenten

Ein Ex-Offizier, der in der pakistanischen Armee unter Pervez Musharraf diente, beschrieb den einstigen Elitesoldaten als «seiner selbst zu sicher». Schon als junger Offizier habe Musharraf Regeln gebrochen und Vorschriften missachtet.

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«Er hat die Haltung: Ich werde damit durchkommen.» Auch als Präsident ist Musharraf mit vielem durchgekommen. Neun Jahre lang verteidigte er nach seinem unblutigen Putsch mit fragwürdigen Mitteln seine Macht. Dem 65-Jährigen mangelte es zwar zunehmend an Unterstützern, aber nicht an Selbstbewusstsein. Dabei ist Musharrafs Stern bereits seit März vergangenen Jahres im Sinken begriffen.

Damals kam es zu der wohl verheerendsten Fehleinschätzung Musharrafs, der sich in seiner Selbstbeschreibung im Internet als «Lucky», der Glückliche, bezeichnet hat. Der Präsident dachte, er könne ungestraft den ihm unbequemen Obersten Richter des Landes, Iftikhar Chaudhry, entlassen. Von der nationalen Krise, die er damit auslöste, erholte sich der selbstherrliche Machthaber nicht wieder. Nur noch mit drastischen Schritten, die sich mit schmerzhaften Zugeständnissen Musharrafs abwechselten, gelang es ihm fortan, sich auf dem Präsidentenstuhl zu halten.

Unter wütenden Protesten der Opposition ließ sich Musharraf im vergangenen Herbst noch vom alten Parlament für weitere fünf Jahre im Amt bestätigen - er ahnte bereits, dass er nach der Parlamentswahl keine Mehrheit mehr haben würde. Als das Verfassungsgericht Klagen gegen seine Wiederwahl Chancen einzuräumen schien, verhängte Musharraf im vergangenen November den Ausnahmezustand. Noch am selben Abend ersetzte er seine Kritiker am Obersten Gerichtshof durch Gefolgsleute. Sie entschieden wenig überraschend, Musharrafs Wahl sei rechtens gewesen, obwohl er als Armeechef nach Ansicht seiner Gegner nicht hätte kandidieren dürfen.

Als Konzession an seine Kritiker legte Musharraf die Uniform ab und trat als Militärchef zurück. Damit verlor er seine wichtigste Machtbasis. Die Armee war dem Familienvater ein zweites Zuhause, die Uniform nannte er seine «zweite Haut». Im Dezember hob Musharraf den Ausnahmezustand wieder auf - zuvor hatte er wiederum zur Beschwichtigung seiner Gegner freie und faire Parlamentswahlen zugesagt. Die Wahlen gerieten zu einem Fiasko für den Präsidenten und die ihn unterstützende Regierungspartei, die Pakistanische Muslim-Liga (Quaid). Musharraf stand zwar selber nicht zur Wahl, die Abstimmung wurde aber als Referendum über seine Politik gewertet. Die Opposition siegte haushoch und trieb Musharrafs Entmachtung voran.

Die USA hielten lange an ihrem Partner im Anti-Terror-Kampf fest, Musharrafs schleichenden Niedergang konnte aber auch Washington nicht verhindern. In einem unüblichen Schritt legte Musharraf noch während seiner Amtszeit im vergangenen Jahr seine Autobiografie vor. Sie heißt «In the Line of Fire» - in der Schusslinie. Nicht nur diesem Werk ist zu entnehmen, dass sich Musharraf für einen natürlichen Anführer hält, vom Schicksal dazu auserkoren, sein Land zu retten. Das Buch widmete Musharraf dem pakistanischen Volk, das «eine engagierte, selbstlose Führung» verdiene. Auch seinen Rücktritt begründete er nun damit, Schaden von seinem Land abwenden zu wollen. Dass die allermeisten Pakistaner ihn seit langem für den falschen Mann auf dem Posten halten, spielte für ihn dabei keine Rolle. (dpa)