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Posse um Bennoblick

Im vergangenen Jahr beschließt der Bauausschuss einstimmig den Bau der Aussichtsplattform – nun ist er einstimmig dagegen.

© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

Meißen. Dort, wo die Altstadtbrücke auf die Elbstraße stößt, befindet sich der kleine Kändlerpark. Ganze 550 Quadratmeter ist er groß. Kändlerpark heißt er nach Johann Joachim Kändler (1706 – 1775), jenem Modelleur, mit dem der Aufstieg der Meissener Manufaktur begann.

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Die Visualisierung des Planungsbüros dreht die Plattform an den Bäumen vorbei.
Die Visualisierung des Planungsbüros dreht die Plattform an den Bäumen vorbei.

Dort haben Schüler der Freien Werkschule gemeinsam mit dem Holzgestalter Peter Kanis außergewöhnliche Spiel- und Sitzelemente aus Holz geschaffen. Doch dabei soll es nicht bleiben. Die Neugestaltung des Parks soll in der Errichtung des sogenannten Bennoblicks ihre Vollendung finden. Das soll ein eiförmiger Aussichtsturm werden, von dem aus man die Albrechtsburg und die Elbe gleichermaßen sehen kann. „Das ist aber gar nicht möglich“, erklärte Stadtrat Jörg Schlechte (CDU) am Mittwochabend im Bauausschuss, wo das Thema noch einmal besprochen wurde.

Denn den Blick zur Albrechtsburg versperrt eine große Esche, die nicht gefällt werden soll, und die Elbe sieht man von der Brücke aus viel, viel besser – wie übrigens auch die Albrechtsburg und die ganze Altstadt. Das hatte Thomas Meyer, der Präsident des Steuerzahlerbundes, in seinem Juni-Faltblatt bemerkt. Darin kritisiert er die Baukosten von 76 000 Euro für die Aussichtsplattform. „Wie steht es mit der Verbesserung der Aussicht durch eine Aussichtsplattform in 2,50 Meter Höhe?“, fragte er sarkastisch.

„Wir machen uns gerade deutschlandweit lächerlich, 76 000 Euro dafür auszugeben“, sagte Wolfgang Tücks, Vorsitzender der Fraktion Unabhängige Liste Meißen/FDP. Die Plattform, von der aus man nichts sieht, solle gar nicht 76 000 Euro kosten, sondern nur 35 000, erklärte Katrin Diersche von der Stadtverwaltung vor den Bauausschussmitgliedern. „Man kann die Burg von überall besser sehen, als von dort durch die Bäume. Es hat keinen Sinn, aber wir bauen es trotzdem“, erwiderte Jörg Schlechte. Oberbürgermeister Olaf Raschke wies ihn zurecht: „Wir haben eine Beschlusslage, Herr Stadtrat.“ Das stimmt, denn der Bauausschuss hatte sich im vergangenen August einstimmig für das Projekt ausgesprochen.

„Die Bürger wollen das nicht“, erklärte Ingolf Brumm. Der Bauunternehmer ist einer der vier „sachkundigen Einwohner“, die erstmals an einer Sitzung des Bauausschusses teilnahmen und diesen bei seiner Arbeit unterstützen sollen. Man könne niemandem vermitteln, warum für so viel Geld diese Aussichtsplattform gebaut werden solle. Dass sie eine der berüchtigsten Pullerecken der Stadt im Kändlerpark verdecken würde, kann schwerlich der Grund sein. Allerdings hatte es in der Beschlussvorlage für die Bauausschusssitzung im vergangenen August geheißen: „Anlass für die Neugestaltung des Kändlerparks sind ästhetische und hygienische Mängel.“ Und was die Plattform betrifft, hieß es: „Die Grundidee für die Umgestaltung besteht darin, dass die vermeintliche Rückseite der Trafo-Station aufgewertet wird. Um das zu erreichen, wird eine erhöhte Aussichtsbastion mit zusätzlichen Sitzmöglichkeiten in Form eines Bischofshutes in einer leichten Konstruktion geschaffen. Über diese Form soll der Bezug zum Erzbischof Benno hergestellt werden und mit dem Titel Benno-Blick seinen Ausdruck finden.“

Weil alle Bauausschussmitglieder nun aber gegen die Bischofsmütze als Aussichtsplattform sind, soll jetzt geprüft werden, ob das Ganze nicht zu einem Spielgerät umgebaut werden kann. Die Fundamente und die Pflasterung dafür sind ja schon fertig.