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Prager Investor baut in Dresden

Vom Kachelofen bis zur Luxusimmobilie – Jiri Muska hat schon vieles verkauft und krempelt jetzt die Wallstraße um.

© Eric Münch

Von Bettina Klemm

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Nicht nur seine Arbeit ist ungewöhnlich, sondern auch seine Hobbys. Jiri Muska tritt als neuer Immobilieninvestor in Dresden auf. Aber er baut auch seinen eigenen Wein an und lenkt ein Kleinflugzeug. In Dresdens Innenstadt will er im nächsten Jahr zwei große Bauprojekte mitbeginnen. Im vorderen Teil des Grundstücks An der Herzogin Garten entstehen knapp 200 Apartments. Auf der heutigen Parkplatzfläche an der Wallstraße plant er rund 180 Wohnungen. Als gleichberechtigten Partner und Generalunternehmer für beide Bauprojekte hat Jiri Muska die Baywobau Dresden gewonnen. Baywobau-Chef Berndt Dietze und der aus Tschechien stammende Bauherr scheinen sich gut zu verstehen.

In einer Sondersitzung haben gestern Abend die Stadträte den Verkauf der Wallstraße für rund zehn Millionen Euro besiegelt. Zuvor diskutierten sie heftig über das Projekt. Ein Teil des Verkaufserlöses soll für den Promenadenring verwendet werden.

Der Neue in der Dresdner Investorenlandschaft entspricht dem Bild eines klassischen Selfmademans. Im August 1981 ist der Student für Elektroingenieurwesen aus der Tschechoslowakei geflohen: Er hatte bei einer Reise nach Süddeutschland die Rückfahrt „vergessen“. So kam Muska nach Raubling in Oberbayern. „Ich wusste nicht, was mich erwartet. Ich hatte 1 350 Mark und wollte mich schnell selbstständig machen“, sagt der heute 54-Jährige rückblickend. Er sei sehr gut aufgenommen worden, habe sofort in einem Intensivkurs Deutsch gelernt.

Nicht einmal ein Jahr später gründet er seine erste Firma für den Bau und Vertrieb von Kachelöfen und Kaminen. „Ich war erfolgreich. Wir haben die Öfen in unserer Manufaktur vorgefertigt und dann vor Ort eingebaut. Das war sehr effektiv. Nach und nach habe ich fünf Läden in Oberbayern eröffnet und dann auch noch fünf weitere Vertriebsstudios in Baden-Württemberg unter Vertrag gehabt“, sagt er. In Bayern kaufte er sich in ein Betonwerk ein, später beteiligte er sich auch noch an einem Zementwerk. Parallel baute er ein Transportunternehmen mit bis zu 260 Sattelschleppern auf und entwickelte erste Projekte. Das alles sollte der Firmenname CTR abdecken Cement, Transport und Real Estate.

1989 wurde für ihn zu einem besonderen Jahr. Muska nahm die deutsche Staatsbürgerschaft an. Der Raublinger Bürgermeister habe ihn dazu bewegt. Mit der politischen Wende in Osteuropa ergaben sich auch für ihn neue Möglichkeiten in der alten Heimat. In der Slowakei beteiligte er sich an einem Zementwerk und baute dies für rund 108 Millionen Euro aus. Nach einem eigenen Patent wurden dort unter anderem Klinker aus Sekundärrohstoffen gefertigt. „Wir hatten mit 120 Kilogramm je Tonne Zement den wohl niedrigsten Kohlendioxid-Emmissionswert der Europäischen Union“, sagt Jiri Muska.

1992 hat er parallel begonnen, Immobilien in Prag zu bauen. Seine Anlage Albertov in Prag mit 269 Apartments wurde 2008 fertig. Die Wohnungen mit einer Durchschnittsgröße von 60 Quadratmetern sind alle hochwertig möbliert. „Dort leben beispielsweise Manager, Abgeordnete, Geschäftsreisende. Sie ist das Vorbild für An der Herzogin Garten“, sagt er. Um die Innenarchitektur kümmert sich seine Tochter Alice, eine von drei Kindern. So ist die 28-Jährige von Anfang an dabei.

Sowohl am Herzogin Garten – Muska nennt das Projekt „Residenz am Zwinger“ – als auch im Albertov in Prag gehören eine Tiefgarage und eine Parkanlage dazu. Albertov in Prag liegt zudem an einer historischen Mauer von 1346. Da habe es nahe gelegen, gleich einen Weinberg anzulegen. Wein liebt Muska seit seiner Jugend – Weißwein beim lockeren Gespräch und Rotwein zum gründlichen Nachdenken am Abend.

„2011 habe ich alle Aktivitäten in Sachen Zement, Beton und Kies verkauft“, sagt er. Das frei gewordene Geld lenkt er nun verstärkt in Bauprojekte. Die Immobilienzentrale befindet sich in Prag. Aber die CTR Gruppe ist nicht nur in Tschechien und Deutschland, sondern auch in der Slowakei und Ungarn tätig. In Deutschland konzentriere er sich auf Dresden. Die Stadt sei ihm seit der Jugend vertraut, von Besuchen, Einkäufen und durch Klettertouren in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz. Rund 60 Millionen Euro soll das Wohnprojekt auf der Wallstraße kosten. Die 180 Wohnungen sind in vier Gebäudeteilen mit terrassenförmig gestaffelten Geschosshöhen vorgesehen. Im Erdgeschoss zur Straßenseite sind 4.000 Quadratmeter Verkaufsfläche geplant. Mit rund 38 Millionen Euro rechnet Muska für den Bau seiner Residenz am Herzogin Garten. Er plant in Dresden auch schon ein weiteres Großprojekt. Doch bevor die Tinte unter dem Kaufvertrag nicht trocken ist, zeigt er sich dazu schweigsam. Auch Bayern lässt ihn nicht los. So hat er gerade in Regensburg ein Grundstück gekauft und will dort ein ähnliches Projekt wie am Herzogin Garten verwirklichen.

Um wieder in der Transportbranche tätig zu sein, hat die CTR 2010 eine kleine Chartergesellschaft für private und kommerzielle Flüge aufgebaut. Sie betreibt drei Flugzeuge. Hin und wieder sitzt Jiri Muska als Pilot in der Diamond DA-42. Schließlich muss Jiri Muska bei seinen zahlreichen Projekten immer auf die Zeit achten. Weil er nun regelmäßig in Dresden ist, hat er auch schon eine Wohnung in der Stadt bezogen.

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