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Preis für Zuckerfabrik

Das Werk der Südzucker AG zahlt Tarif. Trotzdem wird die Suche nach geeigneten Bewerbern schwieriger.

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© Karsten Bär

Von Manfred Feller

Brottewitz. Neun Unternehmen aus Elbe-Elster waren für den zehnten „Ausbildungs-Star“ des Kreises Elbe-Elster nominiert. Eine Jury hat sich letztlich für das Werk Brottewitz der Südzucker AG entschieden. Im eher rohstoffarmen Elbe-Elster-Kreis seien gut ausgebildete Fachkräfte entscheidend für die Zukunft, sagte Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) während der Preisverleihung bei der Ausbildungsmesse in Bad Liebenwerda. Er könne andere Firmen nur ermuntern: „Machen Sie es wie die Südzuckerleute im Werk Brottewitz. Nutzen Sie alle Möglichkeiten, heute ihre Fachkräfte für morgen aufzubauen und zu halten. Ausbildung ist Zukunftssicherung.“

Die Lage hat sich grundlegend gewandelt. Es bleiben immer mehr Lehrstellen unbesetzt – auch weil Schulabgänger oftmals nicht wissen, welche Chancen die Heimat bietet. In Brottewitz haben in den vergangenen 25 Jahren 56 junge Männer ihre Ausbildung beendet. Schulabgängerinnen, die sich bewerben, sind die absolute Ausnahme. Zeitweise wurde über den eigenen Bedarf hinaus ausgebildet. Unter den bisherigen Facharbeitern sind Industriemechaniker, Elektroniker, Mechatroniker und Zerspanungsmechaniker.

„Bei ordentlichen Leistungen sind die Übernahmechancen sehr gut“, sagte der langjährige Ausbildungskoordinator Udo Lang. Was die Jungfacharbeiter erwarte, müsse keinen Vergleich scheuen. In dem tarifgebundenen Unternehmen werde das nicht überall selbstverständliche Urlaubs- und Weihnachtsgeld gezahlt, und es gebe auch eine Gewinnbeteiligung.

Und dennoch müssen sich auch die Zuckerwerker immer mehr strecken, um gute Schulabgänger zu bekommen. „Hatten wir vor 20 Jahren noch 40 bis 50 Bewerber auf unsere jährlich zwei Ausbildungsstellen, so sind es heute höchstens zehn“, zeigte Udo Lang den deutlichen Rückgang an. Es sei gar nicht so einfach, Schüler mit guten Zensuren in Mathe, Physik und Informatik zu gewinnen. „Deshalb nutzen wir seit fünf Jahren alle Ausbildungsmessen von Elbe-Elster über Torgau, Gröditz bis Oschatz und Riesa und gehen auch in die Schulen. Das ist ein Riesenaufwand.“

Die Eingangsqualifikation der jungen Leute sei mit den Jahren gesunken, stellte er bedauernd fest. Mehr noch: „Handwerkliche Fähigkeiten sind so gut wie gar nicht vorhanden.“

Deshalb wird jede Bemühung begrüßt, den Schülern etwas Handfestes beizubringen. Immerhin nimmt der praktische Teil der Ausbildung des Brottewitzer Facharbeiternachwuchses etwa 50 Prozent ein. Die Grundlagen werden innerhalb der Verbundausbildung bei der TÜV Rheinland Akademie in Lauchhammer für die Metallberufe vermittelt. Die angehenden Elektroniker und Mechatroniker absolvieren die Praxis in Falkenberg. Theorie wird gemeinsam am Oberstufenzentrum in Elsterwerda gepaukt. Derzeit hat die etwa 90 Mitarbeiter zählende Zuckerfabrik zehn Lehrlinge, die Ausbildungsquote liegt damit über dem Durchschnitt. Die Zuckerfabrik ist ein Unternehmen mit Tradition und die einzige in Brandenburg.

1873 gegründet, gehört sie seit 1991 zur Südzucker AG mit weltweit 17 000 Beschäftigten. Allein 400 Agrarbetriebe beliefern Brottewitz, wo jährlich bis zu 800 000 Tonnen Rüben verarbeitet werden.