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Pretzschendorfs Bilderwand

Der Maler Andreas Emmrich verziert eine schmucklose Garage. Nach einem knappen Jahr ist das Kunstwerk nun fast fertig.

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© Frank Baldauf

Von Jane Jannke

Pretzschendorf. Es wird bunt am Platz des Friedens in Pretzschendorf. Mit Wandfarbe und Pinsel rückt der Maler und Grafiker Andreas Emmrich aus Kurort Hartha dieser Tage einer schmucklosen weißen Wand zu Leibe. Die Wand gehört zum neuen Garagenkomplex der Bäckerei Sauer, die direkt nebenan ihren Sitz hat. Schön sah das nicht aus, befanden sowohl Bäckerei als auch die Gemeinde Klingenberg. Farbe sollte ins Spiel, darüber ist man sich einig. Doch bis zum fertigen Kunstwerk hat es lange gedauert.

Bereits im Herbst 2015 hatte Emmrich seine Arbeit an der Garage begonnen. Dann kam der Winter. „Danach wurde ich leider krank, deshalb ging es lange nicht voran“, so der Künstler, der bereits öffentliche Gebäude im ganzen Osterzgebirge bemalt hat. Erst im Juli dieses Jahres konnte Emmrich sein Werk fortführen. Doch nun war es das Wetter, das ihm immer wieder in die Parade fuhr. „Ich hoffe, bis Ende dieser Woche endlich fertig zu werden“, so der 56-Jährige. Die kahle Garagenwand verziert er mit typischen Motiven aus der Pretzschendorfer Geschichte, allen voran der Bimmelbahn von Klingenberg nach Frauenstein, die in den 1970er-Jahren stillgelegt worden war. „Das passt gut an diesen Ort, weil die Garagen direkt neben dem alten Bahndamm stehen“, so Emmrich.

In satten Farben

Die Bäckerei sei auf ihn zugekommen, nachdem er bereits vor zwei Jahren für den Inhaber das Hauptgebäude verschönert hatte, erzählt der Künstler, der in Kurort Hartha ein eigenes Atelier betreibt. Eines seiner bekanntesten öffentlichen Werke ist das Stadtwappen am Tharandter Rathaus, wo er auch eine Kinderspielecke farblich gestaltet hat. In Pretzschendorf füllen seine historischen Motive eine Fläche von knapp zehn mal drei Metern. „Ich habe mich bewusst für satte Farben entschieden, nachdem ich es ursprünglich Ton in Ton malen wollte.“ Ein echter Farbtupfen vor grüner Wiese.

Bei schönem Wetter, wie es momentan endlich einmal herrscht, trifft man Andreas Emmrich beinahe täglich mit Farbe und Pinsel am Platz des Friedens an. Immer wieder bleiben Leute stehen, begutachten das entstehende Werk. „Das kommt schon jetzt super an, mit so viel Begeisterung hätte ich gar nicht gerechnet. Immerhin ist es ja nur ein einfaches Wandbild.“ Aber da hat Andreas Emmrich wohl die Verbundenheit der Pretzschendorfer mit ihrem Dorf und seiner Geschichte unterschätzt.

Neben seinem Engagement in Pretzschendorf bespielt der Heimatmaler vom Tharandter Wald zahlreiche Ausstellungen im Jahr. Bis nach Dresden und darüber hinaus will man seine Bilder sehen. Seit einiger Zeit, so verrät Emmrich, arbeite an dem, was er sein „Lebenswerk“ nennt: ein Musikerzyklus, geschaffen in verschiedenen Malstilen, bestehend aus mehr als 60 Bildern namhafter Musiker der letzten Jahrhunderte – von Beethoven bis Led Zeppelin. „Das möchte ich gerne in meinem Leben noch zu Ende bringen“, sagt Emmrich. In sechs bis sieben Jahren, hofft er, könnte es so weit sein.

Dagegen ist die Fertigstellung des Wandbildes in Pretzschendorf nach inzwischen fast einem Jahr Malzeit in greifbare Nähe gerückt. Vielleicht – so hofft die Bäckerei, die Emmrich beauftragt hat – gibt die Gemeinde ja auch noch ein klein wenig zum Honorar dazu. Glücklich sei man zumindest über die Verschönerung der hässlichen Wand auch dort, weiß der Künstler.