merken

Prozess gegen Pfarrer Lothar König

Rauschebart und Jesus-Latschen: Pfarrer Lothar König soll sich am 19. März für mutmaßliche Straftaten beim Protest gegen Neonazis vor Gericht in Dresden verantworten.

© dpa

Dresden.Dem Jenaer Jugendpfarrer Lothar König wird ab 19. März in Dresden wegen seiner Beteiligung an Protesten gegen Neonazis der Prozess gemacht. Der 58-Jährige ist wegen besonders schweren Landfriedensbruchs, versuchter Strafvereitelung und Beihilfe zum Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt, teilte eine Sprecherin des Dresdner Amtsgerichtes am Montag mit.

König wird vorgeworfen, vor zwei Jahren beim Widerstand gegen den jährlichen Neonazi-Aufmarsch zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Zeiten Weltkrieg per Lautsprecher zu Gewalt gegen Polizisten aufgerufen zu haben. Er bestreitet das. Am 19. Februar 2011 war es in Dresden zu Gewaltexzessen gekommen. Rechts- und Linksextreme griffen Polizisten an, mehr als 100 Beamte wurden verletzt.

Anzeige
Werbekampagne soll Busfahrern helfen

Barrierefreie Bahnsteige, Wendemöglichkeit für Busse und viel Grünfläche am Endhaltepunkt Leutewitz - diese Infos gibt es im neuen DVB Einsteiger.

Die Ermittlungen gegen König lösten seinerzeit Kritik aus. Am 10. August 2011 hatten Polizisten aus Dresden seine Dienstwohnung in Jena durchsucht und unter anderem einen Computer und Schriftstücke beschlagnahmt. Die Razzia sorgte auch in Kirchenkreisen für Unmut. König warf den Behörden in Sachsen später vor, Demonstranten gegen Neonazi-Aufmärsche zu «diffamieren, isolieren und kriminalisieren». Er fühlte sich an die Vorgehensweise der Stasi erinnert.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft Dresden gegen König auch wegen «Bildung einer kriminellen Vereinigung» ermittelt. Dieses Verfahren wurde später aber eingestellt. Im Prozess gegen einen der Steinewerfer vom 19. Februar 2011 hatte der Angeklagte im Dezember 2012 ausgesagt, aus dem von König gesteuerten Lautsprecherwagen sei «ständig gegen die Polizeibeamten gehetzt worden».

Das Amtsgericht hat im Fall König bis Mai sechs Verhandlungstage terminiert. Der Pfarrer kündigte an, auch in diesem Jahr wieder an den Protesten gegen den Neonazi-Aufzug am 13. Februar in Dresden auf die Straße zu gehen. (dpa)