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Prozess nach Prügelattacke auf Asylbewerber

Die Brüder Sebastian und David W. trafen sich am Montag zu ihrem Prozess in Dresden wieder. Der eine sitzt derzeit in Bautzen, der andere in Karlsruhe in Haft.

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© szo

Von Alexander Schneider

Dresden. Große Umarmung im Amtsgericht Dresden. Sebastian W. (34) traf dort am Montagnachmittag seinen Bruder David W. (28) wieder. Beide sitzen derzeit in Gefängnissen. Während der vielfach und deutlich heftiger vorbestrafte – Raub, Betrug Diebstahl, Körperverletzung, sexuelle Nötigung – große Bruder in Karlsruhe in Untersuchungshaft weiteren Verfahren entgegensieht, verbüßt der kleine Bruder in Bautzen angesammelte frühere Verurteilungen – Betrug, Körperverletzung. Nach diesem Prozess ist seine Entlassung ein deutliches Stück in die Ferne gerückt.

Am 24. Januar waren die beiden nachmittags in der Prager Straße unterwegs. Zwischen Altmarkt- und Centrum-Galerie ist ihnen ein junger Ausländer aufgefallen – sofort liefen sie neben ihm her, um ihn zu provozieren. Laut Anklage haben sie dann auf den 23-jährigen Asylbewerber aus dem Irak eingeschlagen. Dieser habe die Schläge abwehren können. Dennoch wurde er am Handrücken verletzt. Darüber hinaus hat Sebastian im Februar am Hauptbahnhof mehrfach den Hitlergruß gezeigt. Als ein Bundespolizist ihn darauf in einem Regionalexpress stellte, streckte der Angeklagte auch ihm zweimal seinen rechten Arm entgegen. Neben gefährlicher Körperverletzung musste er sich auch wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verantworten.

Couragierte Passanten

Verteidigerin Katja Reichel gab für ihren Mandanten eine knappe Erklärung ab, nach der er alle Vorwürfe wie sie in der Anklage stehen einräumt. „Mein Mandant hat ein Problem mit der Staatsgewalt“, sagte sie. Da gebe es immer wieder ’mal die eine oder andere Sache. „Ich bin nicht rechtsextrem und hab auch nichts gegen Ausländer“, sagte Sebastian selbst und fügte auch noch ein unpassendes „um Gottes willen“ hinzu. Warum er sich allerdings wie ein prügelnder Neonazi verhält, ließ er offen. Immerhin hatte er sich bei dem 23-Jährigen für die Prügelattacke entschuldigt.

Etwas wortreicher erklärte Bruder David, wie es aus seiner Sicht zu der Sache mit dem Iraker in der Prager Straße gekommen war. „Das war kurz nach Köln“, sagte er. Er habe den 23-Jährigen für Taten verantwortlich gemacht, die Ausländer dort zu Silvester begangen hätten. Inzwischen wisse er, dass man nicht alle Ausländer „über einen Kamm scheren“ könne, wie er sagte. Das habe er in der Bautzner JVA gelernt. Ihm habe auch zu denken gegeben, wie sich in der Prager Straße plötzlich eine Gruppe von Passanten um den Asylbewerber geschart habe, um ihn zu schützen.

Richter Arnd Fiedler verurteilte Sebastian W., wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten Haft ohne Bewährung. David muss für zwölf Monate ins Gefängnis. Der 28-Jährige akzeptierte die Strafe, sein älterer Bruder nicht. Die Verteidiger Katja Reichel und Oliver Wirz hatten auf deutlich niedrigere Haftstrafen plädiert. Fiedler sagte, die Brüder seien massiv vorbestrafte Bewährungsbrecher mit einem hohen Rückfalltempo. Das erfordere „nachhaltige Sanktionen“.