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Prozess um das tote Baby im Schminkkoffer

Landgericht. In Dresdenhat das Verfahren gegen die Mutter aus Riesa begonnen.

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Von Lars Rischke

Der 29-Jährigen wird vorgeworfen, Ende 2003 in ihrer Wohnung in Riesa ihr Baby kurz nach der Geburt getötet zu haben. Die Angeklagte machte am Freitag vor dem Landgericht Dresden umfassende Angaben, wies aber eine Tötungsabsicht zurück. Sie habe nie an so etwas gedacht. Zugleich gab sie aber zu, das Kind so zur Welt gebracht zu haben, dass es kopfüber in die Toilette fiel. Dann habe sie mit der Hand im Kopfbereich zugedrückt, um Schreie zu verhindern. Den toten Säugling legte sie in einen Schminkkoffer, den sie zwei Tage später bei Riesa am Weg abstellte.

Die Angeklagte brach bei der Vernehmung mehrfach in Tränen aus. Sie gab an, die Schwangerschaft bis zuletzt verdrängt zu haben. „Ich hatte einfach nur Angst, wollte jetzt noch kein Baby haben.“ Nicht einmal ihr Freund habe von der Schwangerschaft gewusst. Sie habe sich zuletzt von ihm ferngehalten. Dass sie ein Kind bekommt, soll man ihr nicht angesehen haben.

Die zierlich wirkende Angeklagte sagte weiter, sie wisse bis heute nicht, warum sie das Thema weggeschoben habe. „Das war für mich nie Wirklichkeit.“ Die junge Frau stammt aus geordneten Verhältnissen. Bis zur Festnahme arbeitete sie als Assistentin der Geschäftsführung in einer Riesaer Firma. Ihr Freund und ihre Familie halten zu ihr, sagte sie. Der Rechtsmediziner erklärte, das Baby, ein Mädchen, habe kurze Zeit gelebt. Zum Tod habe stumpfe Gewalt auf den relativ weichen Schädel geführt. Zudem gebe es Hinweise auf Ersticken. Der Fall ins Toilettenbecken aus etwa 50 Zentimetern Höhe könne Todesursache gewesen sein.

Die Polizei hatte die Angeklagten mit Hilfe eines Massen-Speicheltestes gefunden. Der Prozess wird mit der Vernehmung von Zeugen am Montag fortgesetzt. Das Urteil soll zwei Wochen später fallen.