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Punker können wegziehen

Der Schönfelder Schützenverein hat sein Gelände dem Back-to-Future-Festival angeboten. Kehren die Punker Glaubitz jetzt den Rücken?

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© Weidler/SZ-Archiv

Von Jörg Richter

Schönfeld/Glaubitz. Jedes Jahr im Juli ist es so weit. Dann bevölkern zahlreiche Fans des etwas härteren Musikgeschmacks das beschauliche 2000-Seelen-Dorf Glaubitz. Viele haben bunte Haare, zerrissene Hosen und Springerstiefel. Vier Tage lang treffen sie sich auf dem Back-to-Future-Festival, um Punkrock, Ska, Rock’n’Roll und Reggae zu hören. In den letzten beiden Jahren gab es rund 1700 zahlende Konzertbesucher, sagt Daniel Kunze, einer der beiden Veranstalter. Zusätzlich zelten viele Besucher ohne Konzertkarten, um am Rande des Open Airs dessen Atmosphäre zu genießen.

Auch in diesem Jahr gibt es das Back-to-Future-Festival auf dem angestammten Glaubitzer Reitplatz mit Nähe zum Naturbad. Doch es stand eine Zeit lang auf der Kippe, weil sich der hiesige Kulturverein aus Personalgründen aus der Mitorganisation zurückgezogen hat. Wie die SZ erfuhr, soll sich Schönfeld als Ausweichort angeboten haben. Nur ein Gerücht?

„Nein, da ist etwas Wahres dran“, bestätigt Hans-Joachim Weigel. Er spricht diesmal aber nicht als Bürgermeister, sondern als Vorstandsmitglied des Schützenvereins Schönfeld. „Es wäre nicht die erste Veranstaltung, die auf unserem Vereinsgelände stattfindet“, sagt er. Das Großenhainer Schützenhaus habe hier schon zwei große Grüne-Wiese-Open-Airs auf die Beine gestellt. Das Gelände sei immerhin sieben Hektar groß und damit ausreichend für ein Festival von der Größe wie das in Glaubitz, so Weigel. Davon hätten sich Daniel Kunze und sein Mitstreiter Holm Weichhold selbst ein Bild gemacht.

„Wir haben außerdem den Vorteil, dass unser Vereinsgelände weit weg von der Wohnbebauung ist“, sagt der Bürgermeister. Die Wettkampf- und Trainingsstätte der Schönfelder Sportschützen befindet sich rund einen Kilometer vom Dorf entfernt auf einem Feld am Schäferweg.

Schießplatz ist attraktives Trainingszentrum

Nach dem Grund gefragt, warum die Schützen freiwillig Punker auf das Vereinsgelände lassen wollen, antwortet Weigel: „Die Vermietung bringt Geld in unsere Vereinskasse.“ In den letzten Jahren habe sich der Schießplatz zu einem der attraktivsten Trainingszentren der Region gemausert, weswegen der Schützenverein Schönfeld momentan auch einen deutlichen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen hat. Doch die Schießanlagen müssen auch unterhalten werden. Die Miete aus dem Punkrock-Festival wäre eine willkommene Einnahmequelle, so Weigel. Dafür gebe es im Verein auch allgemeine Zustimmung.

Angst, dass die Konzertbesucher das Vereinsgelände verwüsten, hat der Bürgermeister nicht. „Sie machen zwar einen verwegenen Eindruck, aber da sind viele gut situierte Leute darunter“, sagt er. Handwerker, Beamte, Bänker und Angestellte sind dort vertreten. Und am Ende des Festivals würde alles picobello aufgeräumt. Das haben ihm der frühere Glaubitzer Bürgermeister Bernd Lotze und sein Nünchritzer Kollege Gerd Barthold versichert.

Mehr noch. Die Glaubitzer Einwohner zeigen für das Festival erstaunlich viel Verständnis, obwohl sich das Konzertgelände direkt am Ortsrand befindet. „Die Glaubitzer sind wirklich sensationell, das hören wir immer wieder von unseren Festivalbesuchern“, sagt Daniel Kunze. Und auch die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und dem jetzigen Bürgermeister Lutz Thiemig sei sehr gut. Allerdings haben Thiemig und seine Räte das Festival an eine Bedingung geknüpft: Ein Glaubitzer Verein muss bei der Durchführung involviert sein. Nach dem Rückzug des Kulturvereins springen nun die Fußballer des SV Einheit Glaubitz in die Bresche. „Damit ist für uns diese Sache für dieses Jahr gestorben“, sagt Weigel.

„Ehrlich gesagt wollen wir aus Glaubitz gar nicht weg“, sagt Kunze. Und der Schießplatz in Schönfeld sei auch nicht der ideale Ort für das Festival. „Denn die meisten unserer Besucher sind Pazifisten.“