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Rache für Internetbetrug

Weil Ebay nicht gegen unseriöse Anbieter vor geht, nahm ein Mann das selbst in die Hand. Das ging nach hinten los.

© Archiv/Kamprath

Von Yvonne Popp

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Bannewitz. Den 28. April dieses Jahres wird ein pensionierter Polizist aus Bannewitz wohl nicht so schnell vergessen. In seinen aktiven Dienstjahren hat er viel erlebt. „Aber noch nie bin ich von jemandem geschlagen worden“, sagt er am Amtsgericht in Dippoldiswalde. An jenem Samstag im April, so schildert er dann weiter, sei er gegen 11.30 Uhr im Keller seines Wohnhauses gewesen, als er ein Donnern an seiner Haustür hörte. Er ging nach oben und sah nach.

Doch kaum hatte der 67-Jährige die Tür geöffnet, brüllte ihm der Mann, der davor stand schon: „Du Schwein, rück’ die Waren raus“, entgegen. Völlig in Rage sei der Unbekannte gewesen, schildert der ehemalige Beamte. Noch ehe er reagieren konnte, habe er den ersten Faustschlag ins Gesicht kassiert. „Das nächste Mal kommen wir zu viert, dann fackeln wir hier alles ab“, habe der Wüterich dann gebrüllt und ihm schließlich noch einen Hieb verpasst. Zum Glück, so sagt der Geschädigte, habe ihn seine Frau zurückgehalten, denn sonst wäre das alles womöglich zu einer wüsten Schlägerei ausgeartet.

Am Amtsgericht in Dippoldiswalde fordert er nun ein Schmerzensgeld von seinem Angreifer und vom zuständigen Richter „ein Urteil, das weh tut.“ Denn er hatte von der Attacke ein Veilchen davon getragen. Seine Brille war dabei ebenfalls zu Bruch gegangen. Was den Mann aber am meisten ärgert, ist, dass seine Frau bis heute Angst hat, wenn ein Auto, was sie nicht kennt, in ihrer Einfahrt parkt.

Dass Selbstjustiz in Deutschland strafbar ist, hatte Peter A. wohl nicht bedacht. Ebenso wenig wie die Möglichkeit, dass er mit seinem Übergriff einem völlig Unbeteiligten schaden könnte. „Ich bin immer davon ausgegangen, dass der Geschädigte derjenige ist, der mich betrogen hat“, sagt A. vor Gericht.

Mehrfach schon, so erklärt er dann, habe er über Ebay verschiedene Anbauteile geordert und auch bezahlt, die Ware aber am Ende nicht erhalten. Weil die Betreiber der Verkaufsplattform nicht handelten, habe er schließlich eigene Nachforschungen angestellt.

Betrüger nutzt falsche Adresse

Diese zeigten, dass der betrügerische Teileanbieter unter der Adresse des Geschädigten bei Ebay registriert war. Alles andere habe dann so, wie angeklagt, stattgefunden. „Als der Mann die Tür aufmachte und alles abstritt, habe ich überreagiert“, räumt der 63-Jährige ein. Mit der Drohung, alles abzufackeln, habe er zusätzlich zu den Schlägen weiter Druck aufbauen wollen. „Ich weiß, dass das falsch war“, gibt der Angeklagte zu. Auch ist ihm mittlerweile klar, dass er nicht den wahren Betrüger attackiert hatte. Der Geschädigte, so hatte sich herausgestellt, war in der Vergangenheit einem Datenmissbrauch zum Opfer gefallen. Mehrfach schon war Post für einen gewissen Herrn S. bei ihm gelandet. Und dieser Herr S. bot im Internet auch die Kleinteile an, die Peter A. bestellt hatte.

„Selbst wenn Sie den wahren Betrüger angetroffen hätten, wäre Ihr Handeln strafbar gewesen“, rügt Richter Christian Mansch den Angeklagten. Die Wut und Enttäuschung des Angeklagten könne er durchaus verstehen, sagt er weiter. Sein Handeln aber nicht, denn in Deutschland werde Selbstjustiz nicht geduldet. Wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Bedrohung verurteilt Christian Mansch den Angeklagten zur Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 1650 Euro.

Daneben muss Peter A., der bis dahin strafrechtlich nie in Erscheinung getreten ist, an den Geschädigten 1000 Euro Schmerzensgeld entrichten. Mit beiden Zahlungen ist der Angeklagte einverstanden. Er bedauert, dass es zu dem Vorfall gekommen ist und versichert, dass so etwas nicht mehr vorkommen wird. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.