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Seelentröster und Muntermacher

Im Arnsdorfer Krankenhaus setzt man bei der Therapie von Patienten auch auf die Unterstützung von Haustieren.

Cindy Bech mit Hühnchen Fluffy (2) und Hund Pepe (12), Therapie mit Tieren im Krankenhaus Arnsdorf.
Cindy Bech mit Hühnchen Fluffy (2) und Hund Pepe (12), Therapie mit Tieren im Krankenhaus Arnsdorf. © Marion Doering

Arnsdorf. Bruno hat die Ruhe weg. Berta sowieso. So etwas schätzen vor allem Kinder und Jugendliche. Obendrein lassen sich Bruno und Berta auch gerne streicheln. Man kann also schon sagen, dass die beiden Schweine im Arnsdorfer Krankenhaus einen gewichtigen Teil mit dazu beitragen, um die depressive Gemütslage mancher Patienten wieder ins richtige Lot zu bringen. Auch Pepe lässt viele der dortigen Patienten geradezu aufblühen, wie das Cindy Bech beschreibt. 

Die 33-Jährige ist Ergotherapeutin und leitet im Arnsdorfer Krankenhaus seit mehr als einem Jahr die tiergestützte Therapie. Ihr zwölfjähriger Labrador-Retriever sowie die beiden Hausschweine Bruno und Berta gehören zu den Tieren im dortigen Tiergehege, die täglich Besuch von Patienten bekommen. In der Woche betreue sie rund 20, so die gebürtige Görlitzerin. 

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Anlaufpunkt ist das unweit vom Krankenhaus gelegene kleine Tiergehege, in dem sich auch Kaninchen, Ziegen, Meerschweinchen und Hühner tummeln. Auf therapeutischen Spaziergängen können sich die Patienten mit den Tieren beschäftigen. Was Cindy Bech besonders freut: „Nach so einer einstündigen Einzeltherapie gehen alle mit einem Lächeln in die Station zurück.“

„Tiergestützte Therapie“

Es ist doch immer wieder erstaunlich, was die Gegenwart von Tieren wie Pepe, Bruno oder Berta bei kranken, aber auch gesunden Menschen bewirken kann. Denn natürlich schauen auch mal das Pflegepersonal oder Ärzte bei ihren Tieren vorbei. Als „Muntermacher und Seelentröster“, so Cindy Bech, seien vor allem Hunde ideal. Ein Hund wie ihr Labrador Retriever. Die ob ihres sanften Gemüts das sind, was man auch einen „perfekten Therapiehund“ nennen kann. Und diese Erkenntnis beruht nicht auf der Einbildung verzückter Hundehalter, sondern ist längst auch wissenschaftlich belegt.

„Tiergestützte Therapie“ lautet der Fachbegriff, wenn Tiere von Ärzten, Ergotherapeuten, Psychologen oder Sozialpädagogen ganz gezielt zur Behandlung körperlicher und seelischer Krankheiten des Menschen eingesetzt werden. Cindy Bech, die seit knapp 15 Jahren als Ergotherapeutin arbeitet, absolvierte von 2012 bis 2014 eine Ausbildung im Leipziger Institut „Hund-Mensch-Beziehungen“ und bekommt im Arnsdorfer Krankenhaus täglich vor Augen geführt, wie dort die Patienten im Umgang mit den Tieren sensibilisiert, beruhigt und aufgemuntert werden. 

Tiere beruhigen sogar gestresste Reisende

Klar ist aber auch, dass ihr bei dieser Therapieform ebenso das Wohl der Tiere am Herzen liegt. Natürlich schätzten die es sehr, gestreichelt und umsorgt zu werden, aber auch Tiere unterliegen Launen und Stimmungen. Da ist es an ihr, zu erkennen, welches Tier bei der Therapie mithelfen kann und wann es einem vielleicht etwas zu viel ist. 

Welche Tiere bei dieser Therapie im Arnsdorfer Krankenhaus zum Einsatz kommen, hängt im Übrigen auch immer von der jeweiligen diagnostischen Lage der Patienten ab. Entweder versorgen diese die Tiere im Gehege oder Cindys Hund nimmt sie auf einen Spaziergang durchs Gelände mit. 

In der heutigen Zeit werden nicht nur in Krankenhäusern sondern auch in Altersheimen, Schulen, Universitäten oder Gefängnissen Tiere eingesetzt, um Menschen positiv zu beeinflussen. Sogar auf internationalen Flughäfen kommen sie mittlerweile zum Einsatz, um ängstliche und gestresste Reisende zu beruhigen.

Cindy Bech bezeichnet ihre Tiere mitunter auch als eine Art „Brückenbauer“. Helfen diese doch mit, dass Patienten durch den Kontakt nicht nur in Bewegung kommen, sondern so auch eine gute Möglichkeit haben, Vertrauen zu sich selbst und der Umwelt zurückzugewinnen, so Ergotherapeutin Cindy Bech. 

Die darauf hofft, dass Pepe sie noch eine Weile bei ihrer tiergestützten Therapie unterstützen kann. Denn schließlich sei ihr Hund mittlerweile in einem Alter, dass, in Menschenjahre umgerechnet, dem eines 75-jährigen Rentners entspreche. Aber sie kennt ja ihren Labrador Retriever, weiß, dass der, trotz seines hohen Alters, immer noch ziemlich fit ist und nach wie vor große Lust hat, die kleinen und großen Patienten des Arnsdorfer Krankenhauses in eine positive Lebensstimmung zu bringen. Davon ist Ergotherapeutin Cindy Bech überzeugt.

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