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Ziehen die Polizei-Reiter um?

Die Reiterstaffel ist seit fast 30 Jahren in Großerkmannsdorf stationiert. Seit Jahren ist jedoch auch von einem Umzug die Rede. Jetzt gibt es Hinweise, wie es weitergeht.

Polizeihauptmeisterin Rabe (li.) fühlt sich mit ihrem Diego und Polizeihauptmeisterin Schutza mit Schimmel Whisky in Großerkmannsdorf sichtlich wohl. Seit Jahren wird über einen Umzug der Polizeireiterstaffel diskutiert.
Polizeihauptmeisterin Rabe (li.) fühlt sich mit ihrem Diego und Polizeihauptmeisterin Schutza mit Schimmel Whisky in Großerkmannsdorf sichtlich wohl. Seit Jahren wird über einen Umzug der Polizeireiterstaffel diskutiert. © Marion Doering

Radeberg. Das ist schon von Vorteil, wenn man als Stadt, als kleiner Ort etwas hat, womit man auf sich aufmerksam machen kann. Radeberg hat beispielsweise das Biertheater und die Brauerei, Wachau kann mit einem historischen Schloss aufwarten. Damit lässt sich prima werben. Und Großerkmannsdorf? Dort ist seit fast 30 Jahren Sachsens einzige Polizeireiterstaffel stationiert. Der Anblick von berittenen Polizisten gehört seitdem zum Alltag der Einwohner.

Wer zum Domizil der Reiterstaffel im Radeberger Ortsteil will, braucht nicht allzu lange suchen. Ein Schild an der Alten Hauptstraße, die sich durch den Ort schlängelt, weist dezent darauf hin, wer in der Anlage mit dem fahlbeigen Containergebäude zu Hause ist: die Polizeireiterstaffel mit derzeit 17 Beamten - 13 Frauen, vier Männer - und 20 Pferden. Nach Auffassung von Ortsvorsteher Karl-Wilhelm Leege (Freie Wähler) sind die berittenen Polizisten nicht nur optisch ein Hingucker, sondern obendrein auch „ein stabilisierender Faktor für unser Leben hier“.

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"Die Polizeireiter sind gut für unser Image"

Die Tatsache, dass in Großerkmannsdorf eine Polizeireiterstaffel stationiert sei, schrecke auch Kriminelle ab, so Leege weiter. Und überhaupt: Wenn man von Großerkmannsdorf rede, dann oft in Verbindung mit der Reiterstaffel. Mit anderen Worten: „Die sind gut für unser Image“, so der frühere Informatiker.

Allerdings fürchtete man in dem knapp 1.700 Einwohner zählenden Ortsteil von Radeberg in den vergangenen Jahren immer wieder um den Verbleib des Imageträgers, wurde häufig über die Abschaffung der Reiterstaffel aus Kostengründen spekuliert, stand zuletzt ein Umzug nach Dresden im Raum.

Anruf beim Präsidium der Bereitschaftspolizei: Was ist dran an diesem Plan, wann soll die Reiterstaffel den neuen Standort, ein Gelände der ehemaligen Heeresbäckerei an der Königsbrücker Straße, denn beziehen? Nun, Sebastian Diebel weiß auch nur, dass die Planungen zu diesem Umzugsprojekt noch nicht abgeschlossen sind, das müsse alles noch im Ressort des sächsischen Finanzministerium geprüft werden, erfährt man vom Mitarbeiter der Kommunikationsstelle. Dass um den Verbleib der Polizeireiter häufig deren Kosten angeführt werden, wundert nicht.

Rückt doch das Kosten-Nutzen-Verhältnis einer solchen Reiterstaffel häufig in den Blickpunkt. Meist verbunden mit der Frage, ob man sich in der heutigen Zeit Polizeireiter leisten kann, leisten muss. Die ja wie ein Relikt aus vergangenen Tagen wirken, aus einer Zeit, in der Pferde noch den Alltag prägten.

So gehört der Freistaat zu den wenigen Bundesländern mit eigener Reiterstaffel. Standen früher bundesweit mehr als 1.500 Pferde im Polizeidienst, so leisten sich heute nur noch sieben Länder und der Bund wenige Hundert Tiere.

Ausgaben für die Staffel über 100.000 Euro

Sachsens 1991 gegründete Polizeireiterstaffel, übrigens die einzige in Ostdeutschland, wird bei Demos und Fußballspielen eingesetzt, zeigt in Parkanlagen oder Naherholungsgebieten des Freistaats Präsenz. Nach Angaben des Präsidiums der Bereitschaftspolizei lagen die Ausgaben für die Reiterstaffel im vergangenen Jahr erstmals im sechsstelligen Bereich, beliefen sich die Gesamtausgaben auf 107.161 Euro einschließlich der Kosten für neue Pferde, Futter, Hufschmied, Tierarzt und Ausrüstung.

Absolvierten die sächsischen Polizeireiter vor zwei Jahren 228 Einsätze, waren es bereits im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres 167. Ortsvorsteher Leege weist darauf hin, dass am Dienstgebäude der Reiterstaffel zuletzt Sanierungsarbeiten durchgeführt worden seien. Auch sei der vom Brandschutz geforderte zweite Rettungsweg, eine Außentreppe, eingerichtet worden.

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Dies alles, so Leege weiter, deute nicht unbedingt darauf hin, dass da demnächst ein Umzug anstehe. Vielmehr gehe er davon aus, dass die Polizeireiter in den „nächsten drei Jahren“ wohl weiterhin das Ortsbild prägen werden. Was die Großerkmannsdorfer sicher freuen dürfte, wenn der Imageträger noch ein Weilchen bleibt.

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