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Das zahlen Bauherren im Rödertal fürs Grundstück

Die Preise haben enorm angezogen. Ein Immobilienfachmann sagt, womit er im nächsten Jahr rechnet.

Der Radeberger Ortsteil Ullersdorf ist als Wohnort begehrt. Zuletzt wurden hier Grundstücke für 245 Euro pro Quadratmeter verkauft.
Der Radeberger Ortsteil Ullersdorf ist als Wohnort begehrt. Zuletzt wurden hier Grundstücke für 245 Euro pro Quadratmeter verkauft. © Archiv: Willem Darrelmann

Radeberg. Der Zuzug ins Rödertal hält an. Kein Wunder: Die Gegend punktet mit Arbeitsplätzen in Ottendorf, Radeberg und Leppersdorf, der Nähe zur Landeshauptstadt und einer grünen Umgebung. Die SZ sagt, was Bauherren für den Traum vom eigenen Stück Land ausgeben müssen.

Welche Richtwerte werden fürs Rödertal angegeben?

Der erste Blick ist erfreulich: Wer im Rödertal zwischen Ottendorf, Radeberg, Wachau und Arnsdorf ein Grundstück sucht und dabei die offizielle Bodenrichtwertkarte des Freistaates „Boris“ aufruft, dürfte sich freuen. Für weite Teile Ottendorfs liegen sie deutlich unter 100 Euro pro Quadratmeter.

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Im Ortsteil Hermsdorf werden beispielsweise zwischen 58 und 92 Euro für den Quadratmeter angegeben, für Grünberg zwischen 46 und 58 Euro. Im Zentrum von Ottendorf sind es bis zu 155 Euro. In Wachau beginnen die Preise gar bei 17 Euro, in Leppersdorf bei 40 Euro. In Radeberg reicht die Spanne von 21 bis 235 in der Kernstadt Radeberg und 245 Euro im Ortsteil Ullersdorf. Stichtag ist jeweils der 31. Dezember 2020.

Welche Grundstückspreise werden tatsächlich verlangt?

Gehen Bauherren dann aber auf die Suche nach konkreten Flächen stellen sie fest, dass Bodenrichtwerte und tatsächlicher Preis weit auseinander gehen. Ein Beispiel: Die Gemeinde Ottendorf-Okrilla bietet demnächst drei Grundstücke an. Sie liegen im Ortsteil Hermsdorf und werden als voll erschlossen ausgeschrieben. Es gibt jeweils eine Zufahrt von einer öffentlichen Straße. Die Gemeinde ist derzeit dabei, die jeweiligen Anschlüsse für die Trinkwasserversorgung, die Schmutzwasserbeseitigung, Strom und Telekommunikation in Abstimmung mit den Versorgern herzustellen.

Die Erschließungsarbeiten werden voraussichtlich im Spätsommer des Jahres 2021 abgeschlossen sein, so die Gemeindeverwaltung. Laut einem Beschluss des Gemeinderates werden 260 Euro pro Quadratmeter verlangt. Jedes der Grundstücke ist knapp 1.000 Quadratmeter groß. Dabei verzichtet die Gemeinde noch auf ein Bieterverfahren, bei dem sie vermutlich noch höhere Einnahmen hätte erzielen können. Gibt es mehrere Interessenten, wird per Losverfahren entschieden.

Sind derartig hohe Preise übertrieben?

Für Carsten Luckner vom Immobilienservice Radeberg ist die Rechnung einfach. „Angebot und Nachfrage bestimmen hier den Preis. Einem vergleichsweise niedrigen Angebot, steht eine starke Nachfrage gegenüber. Das Verhältnis geht immer weiter auseinander, je näher man der Landeshauptstadt kommt. Wer also dringend ein Grundstück möchte, greift auch mal tiefer in die Tasche“, sagt der Immobilienfachmann. Auch die Gemeinde Ottendorf-Okrilla begründet den Preis mit der großen Nachfrage. Seit der Vermarktung der letzten Grundstücke im Wohnbaugebiet Wachberg Süd Anfang 2019 haben sich nach Angaben der Gemeinde immer wieder Interessenten gemeldet Eine Vormerkliste in der Gemeindeverwaltung ist inzwischen auf 60 Personen angewachsen.

Außerdem verweist die Gemeindeverwaltung auf die Grundstückspreise, die zuletzt in umliegenden Orten erzielt wurden. So sind in Weixdorf Grundstücke für 280 Euro pro Quadratmeter verkauft worden, am Golfplatz in Ullersdorf für 245 Euro, in den neu erschlossenen Wohngebieten Am Sandberg und an der Pillnitzer Straße in Radeberg für 235 Euro und am Keulenbergring in Lomnitz für 225 Euro. Für Carsten Luckner ist das noch nicht das Ende der Entwicklung. „Die Preise werden weiter steigen“, sagt er voraus.

Weshalb klaffen Bodenrichtwert und tatsächlicher Preis auseinander?

In der Bodenrichtwertkarte werden zurückliegende Kaufverträge für ein Wohngebiet zusammengefasst und der Mittelwert gebildet. Nach Angaben von Carsten Luckner geschieht das etwa einmal im Jahr. Es ist aber auch möglich, dass sich die Erfassung der Werte verzögert. Sollte aber in dem betreffenden Gebiet kein Verkauf stattgefunden haben, dann bleibt der bisherige Wert bestehen.

Das erklärt auch den großen Unterschied bei den Richtwerten beispielsweise in Radeberg, die zwischen 21 und über 200 Euro liegen. Die Grundstücksverkäufe im neuen Wohngebiet an der Pillnitzer Straße wurden bereits in die Karte aufgenommen. Die Wohnbauflächen wechselten für 235 Euro pro Quadratmeter den Besitzer. In anderen Teilen der Stadt gab es offenbar keine Verkäufe. So blieb der bisherige Preis bestehen. Im kommenden Jahr dürften dann auch die Werte für die drei Flächen in Hermsdorf auftauchen und ein realistischeres Bild der Grundstückspreise vermitteln – wenn die Entwicklung nicht schon wieder rasant vorangeschritten ist.

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