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Kommt die Südspange für Radeberg?

Das Vorhaben taucht jetzt in wichtigen Plänen auf. Die Stadt hat sich noch einmal für das Projekt ausgesprochen. Doch es gibt auch Bedenken.

Unablässig rauscht der Verkehr die Pulsnitzer Straße in Radeberg entlang. Rund 12.000 Autos sind es jeden Tag, darunter viele Lkw.
Unablässig rauscht der Verkehr die Pulsnitzer Straße in Radeberg entlang. Rund 12.000 Autos sind es jeden Tag, darunter viele Lkw. © René Meinig

Radeberg.  Über die Südumfahrung von Radeberg wird seit Jahren diskutiert. Jetzt ist das Projekt womöglich einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Die Straße ist in den Entwurf des überarbeiteten Regionalplanes aufgenommen worden. Auf der entsprechenden Karte ist ein möglicher Korridor für das Projekt eingezeichnet (siehe Grafik). Er beginnt an der Dresdner Straße, etwa in Höhe der Star-Tankstelle. Dann zieht er sich die Heidestraße entlang und biegt in Höhe der Heinrich-Gläser-Straße ab, verläuft am Gewerbepark Heidestraße entlang zur Robert-Bosch-Straße. Über die Juri-Gagarin-Straße geht es dann weiter über das Feld und den Goldbach zur Radeberger Straße. Von dort könnte der Verkehr dann weiter zur Schnellstraße S177 geleitet werden.

Ob der Verlauf wirklich so kommt, ist offen. Die Stadtverwaltung  Radeberg  weist in einem Schreiben darauf hin, dass es für dieses Vorhaben noch keine Variantenuntersuchung gegeben hat. Auch ist noch keine Vorzugsvariante festgelegt worden. Die Stadtverwaltung sieht deshalb die dargestellte Lage dieser Straße auf der Karte nicht als verbindliche Lösung an.

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© SZ Grafik

Dennoch stellt sich die Stadt hinter das Projekt. Radebergs Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) ist ein vehementer Verfechter der Umfahrung. „Radeberg braucht die Südspange dringend. Sie ist für die Stadt fast noch wichtiger als die dreispurige S177“, sagt er. „Nur so bekommen wir den starken Durchgangsverkehr, den überregionalen Verkehr raus aus der Stadt.“ Auch die Mehrheit der Stadträte sieht das so. Mit 16 zu vier Stimmen votierten sie für die Aufnahme des Projekts in den Regionalplan. 

Bedenken kamen von Gabor Kühnapfel (Fraktion SPD/Grüne/Linke). „Problematisch wird die Weiterführung des Verkehrs durch die Dresdner Heide sein. Durch die Anbindung an die S177 wird vermehrt Autoverkehr zur Radeberger Landstraße geführt: In der Heide ist sie stellenweise sehr kurvig und eng. Dann werden wir dort Probleme bekommen“, sagte er. Dr. Ulrich Hensel von derselben Fraktion ist gegen die Südumfahrung. „Sie bedeutet eine enorme zusätzliche Versiegelung von Flächen, die Anwohner in Radebergs Süden werden unter dem Autoverkehr leiden“, sagte er.

Wann die Südspange gebaut wird, ist offen. Es dürften noch etliche Jahre ins Land gehen. Das Beispiel Schnellstraße S177 zwischen Radeberg und der A4 bei Leppersdorf zeigt, wie groß die Zeitspannen bei derartigen Bauprojekten sind. So fanden für den Abschnitt die ersten Variantenuntersuchungen zu Beginn der 2000er-Jahre statt. Jetzt wird gebaut, die Fertigstellung ist für 2022 vorgesehen.

Hohe Lärmwerte in der Radeberger Innenstadt

Dass gehandelt werden muss, zeigen die Daten. Im so genannten Lärmaktionsplan stellen Gutachter fest, dass besonders an der Pulsnitzer, der Bebel- und der Dresdener Straße die Belastung groß ist. Täglich rollen mehr als 12.000 Autos die drei Straßen entlang. Vor allem an der Dresdner und der Pulsnitzer liegt der Verkehrslärm oft über 70 Dezibel. Laut Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) werden Geräusche ab 55 Dezibel am Tag als Lärm eingestuft. Lärm über 65 Dezibel ist gesundheitsschädlich. Von Lärmwerten über 65 Dezibel sind an den drei Straßen fast 400 Radeberger betroffen.

Um den Lärm zu senken, schlagen die Autoren des Lärmaktionsplans drei Lösungen vor. Das Tempo auf den drei Straßen auf 30 Kilometer pro Stunde zu begrenzen. Lärmarmer Asphalt ist eine weitere Möglichkeit, den Pegel zu reduzieren. Dritter Vorschlag ist, für eine Verkehrsentlastung zu sorgen, etwa durch einen guten öffentlichen Nahverkehr, durch gute Radwege oder durch die Vermeidung von Durchgangsverkehr.

Tempo 30 würde eine Lärmminderung um rund 2,5 Dezibel bringen. Lärmmindernder Asphalt wäre sehr teuer: auf der Dresdener Straße rund 300.000 Euro, auf der Bebel-Straße 27.000 Euro und auf der Pulsnitzer Straße rund 200.000 Euro. Die für die Temporeduzierungen notwendigen 64 Schilder würden insgesamt nur knapp 10.000 Euro kosten. 

Gerhard Lemm hatte auch im Zusammenhang mit dem Lärmaktionsplan von der Südumfahrung gesprochen. Die wurde aber in das Papier nicht aufgenommen, da keine Aussicht auf schnelle Umsetzung besteht. Beschlossen wurde der Lärmaktionsplan 2018, eine Umsetzung ist bisher nicht erfolgt.

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