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„Mal schauen, ob ich irgendwo gebraucht werde“

Nach zwei Amtszeiten ist für Ottendorfs Bürgermeister Michael Langwald Feierabend. 30 Jahre arbeitete er in der Kommunalpolitik.

Schauen, "ob ich irgendwo noch gebraucht werde":  Ottendorfs Noch-Bürgermeister Michael Langwald packt seine Sachen im Rathaus.
Schauen, "ob ich irgendwo noch gebraucht werde": Ottendorfs Noch-Bürgermeister Michael Langwald packt seine Sachen im Rathaus. © Marion Doering

Ottendorf-Okrilla. Michael Langwald hat eine Affinität zum Fußball, besonders zum Schiedsrichterwesen. Der Ottendorfer Bürgermeister pfeift seit über 25 Jahren Amateurfußballspiele. Mitunter auch Pokalspiele. Verlängerungen kommen bei solchen Partien auch vor. Um eine Zusatzspielzeit zu bestehen, komme es oft auch aufs Mentale an, hat Langwald da erkannt.

Eigentlich hatte sich der 55-Jährige Ende April von der Kommunalpolitik verabschieden wollen, sich anderen beruflichen Aufgaben widmen wollen. Seine Amtszeit lief aus, für die Bürgermeisterwahlen kandierte er nicht mehr. Doch die wurden wegen Corona auf diesen Herbst verschoben. Die Neuauflage fand vor knapp vier Wochen statt. Mit dem bisherigen Bauamtsleiter Rico Pfeiffer bekommt Ottendorf ab 1. November 2020 einen neuen Rathauschef. Michael Langwald gibt freimütig zu, dass er das letzte halbe Jahr, seine nicht geplante Amtszeitverlängerung, als „überaus stressig“ empfunden habe.

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Er hatte sich schon auf seinen neuen Lebensabschnitt vorbereitet, doch dann musste er sich mental neu justieren. Klappte aber gut, findet Langwald. Der in den vergangenen Tagen damit begann, seine persönlichen Sachen im Büro zusammenzupacken. „Interessant, was ich da alles so gefunden habe.“ Urkunden, Zeitungsartikel, Fotos, ja sogar einen Gehaltszettel aus der Zeit, als er kurz nach der Wende Bürgermeister der damals noch selbstständigen Ortschaft Hermsdorf wurde. 27.000 D-Mark waren das gewesen. Im Jahr. „Die Kollegen im Westen verdienten damals deutlich mehr“, erinnert er sich.

Mit 25 Bürgermeister von Hermsdorf

In den 14 Jahren, von 2006 bis 2020, überzeugte der Bürgermeister einer heute fast 10.000 Einwohner zählenden Großgemeinde mit seiner kontinuierlichen Arbeit in der Kommunalpolitik. Wenn der parteilose Langwald auf die zurückliegenden zwei Amtszeiten zurückschaut, kommt natürlich auch die Frage auf, was an Erinnerungen hängen geblieben ist. Gab es in positiver wie negativer Hinsicht Bemerkenswertes? Der in Hermsdorf lebende Langwald braucht nicht lange nachzudenken. Sicher habe er sich als Rathauschef Ziele gesetzt. „Ich wollte die vielen Bauruinen im Ort reduzieren“, erzählt er. Was ihm nur bedingt gelungen sei. Unverständlich für ihn auch, dass es in der Gemeinde immer noch dieses „leidige Ortsteilgehabe“ gebe. Ottendorf sei doch eine Großgemeinde, die zusammenwachsen müsse. „Das ist immens wichtig für die Weiterentwicklung dieser Kommune“.

Vier Ortschaftsräte, vier Ortsteile, die verschiedenen Interessen, da müsse Einigkeit her, steht für ihn fest. Braucht es jemanden, der die herstellen kann. Langwald traut diese Aufgabe seinem Nachfolger zu. „Der macht das schon, der wird seinen Weg gehen“, ist er überzeugt. Langwald, der in Hermsdorf aufwuchs, war schon in jungen Jahren klar, dass die Kommunalpolitik etwas ist, „was mir liegt“. Im Alter von 25 Jahren wurde der Verwaltungsmitarbeiter 1990 Bürgermeister von Hermsdorf.

Grabenkämpfe zwischen den Ortschaftsräten und der Verwaltung

Als Bürgermeister arbeitete Langwald acht Jahre in Hermsdorf, in hauptamtlicher wie ehrenamtlicher Funktion. Für ihn sei diese Zeit eine lehrreiche gewesen, zu sehen, wie Kommunalpolitik in einem solchen kleinen Rahmen funktioniert. 1999 kam Hermsdorf zu Ottendorf-Okrilla, und Langwald wechselte ins Medinger Bauamt, wurde wenig später zum Sachgebietsleiter im Ottendorfer Ordnungsamt. 2006 begann seine erste Amtszeit als Bürgermeister der wirtschaftlich wachsenden Gemeinde. Die sei gut gelaufen, blickt er zurück. So gut, dass der parteilose Langwald für eine weitere Amtszeit kandidierte. Deutlich konnte er sich 2013 gegen seinen Herausforderer Mirko Thomas (CDU) durchsetzen.

Wenn Michael Langwald seine Amtszeit bilanziert, kommt er nicht umhin, auf die Grabenkämpfe zwischen den Ortschaftsräten und der Verwaltung hinzuweisen. Die Art und Weise, wie vor einem Jahr die Zusammenarbeit mit dem Hauptamtsleiter Udo Rößler beendet worden war, dessen Arbeit große Unzufriedenheit bei den Räten ausgelöst hatte – dies hätte anders gelöst werden können, findet er. Hat ihn die Zeit im Rathaus geprägt, verändert? Kurzes Nachdenken. Nein, eher nicht.

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Die Amtsübergabe wird in der kommenden Woche erfolgen. Vermutlich am1. November. In die Arbeit seines Nachfolgers will er sich nicht einmischen. Allerdings, wenn man seinen Rat brauche, seine Erfahrung benötige, stehe er gerne zur Verfügung, betont Langwald, der sich im Winter all den Dingen zuwenden wird, die daheim liegengeblieben sind. Da gebe es genug Beschäftigung, lacht er. Und ja, erholen will er sich auch – um für kommende Aufgaben bereit zu sein. Bis zur Rente sind es ja noch ein paar Jahre. Wie diese aussehen werden, weiß er aber noch nicht. Mitte des nächsten Jahres wolle er mal schauen, „ob ich irgendwo noch gebraucht werde“.

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