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Tauziehen um Tagebau bei Ottendorf

Der Naturschutzbund Nabu hat Beschwerde bei der EU eingelegt. Er fürchtet den Verlust einzigartiger Moore. Für den Kieswerk-Chef unbegründet.

Um die Erweiterung des Kieswerkes Ottendorf-Okrilla gibt es Streit. Naturschützer haben jetzt Beschwerde bei der EU eingelegt.
Um die Erweiterung des Kieswerkes Ottendorf-Okrilla gibt es Streit. Naturschützer haben jetzt Beschwerde bei der EU eingelegt. © Marion Doering

Ottendorf-Okrilla. Der Streit schwelt seit Jahren. Jetzt hat der Naturschutzbund Nabu Sachsen nachgelegt. Die Naturschützer reichten Beschwerde bei der Europäischen Kommission wegen angeblichen Verstoßes gegen EU-Recht ein.

Zwei Punkte sind es, die die Naturschützer bemängeln. Da ist einmal die Auffüllung des Kiestagebaus mit ungeeignetem Material. „Dabei handelt es sich umgangssprachlich um Bauschutt, um zerkleinerten Beton. Dieses Material hat natürlich Auswirkungen insbesondere auf das Wasser in Bächen und Flüssen“, sagt Joachim Schruth, der beim Nabu Sachsen für Naturschutzrecht zuständig ist.

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Nach einem Gutachten verändern sich die Leitfähigkeit und der Nitratwert im Pechfluss und in mehreren Seitengräben bei Medingen. „Diese Werte bringen Tier- und Pflanzenarten in Gefahr, die laut Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt sind. Sie brauchen eine bestimmte Wasserqualität, um überleben zu können“, sagt Schruth. Der Nabu stützt seine Beschwerde in diesem Punkt nach eigenen Angaben auf eine Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen und Fachpublikationen.

Naturschützer befürchten Verlust einzigartiger Moore

Der zweite Punkt betrifft das aktuell laufende Planverfahren für den neuen Kiessandtagebau „Würschnitz West“. Nach Angaben des Nabu ist im bereits erfolgten Raumordnungsverfahren eine Abbaufläche von maximal 44 Hektar als verträglich vorgesehen. „Im jetzt laufenden bergrechtlichen Planfeststellungsverfahren wurde jedoch eine Fläche von 137 Hektar beantragt“, teilt der Nabu mit.

Außerdem würde ein hydrogeologisches Gutachten fehlen, das die Auswirkungen des neuen Tagebaus auf die gesamte Region untersucht. „Unserer Ansicht nach sind auch die Untersuchungen der Auswirkungen auf die Umwelt völlig unzureichend berücksichtigt“, sagt der Nabu-Experte.

Die Naturschützer befürchten, dass alte Wälder sowie Quell- und Moorgebiete durch den großflächigen Kiesabbau in der Radeburg-Laußnitzer Heide in Gefahr sind. Insbesondere das EU-Vogelschutzgebiet „Laußnitzer Heide“ sowie besonders geschützte Moorwälder bei Großdittmannsdorf und am Pechfluss bei Medingen könnten verloren gehen.

Der Nabu erhofft sich von der Beschwerde bei der EU-Kommission, dass das Oberbergamt sie im laufenden Planfeststellungsverfahren „würdigt und unsere Bedenken einfließen lässt“, wie Joachim Schruth sagt. „Wir hoffen insbesondere, dass es ein Umdenken hinsichtlich der beantragten Fläche gibt. Nach unserer Kenntnis werden die Planungsunterlagen in diesem Jahr vom Oberbergamt erneut öffentlich ausgelegt. Dort sollten unsere Forderungen darin berücksichtigt sein.“

Geschäftsführer Thomas Gruschka verteidigt die Planungen zum neuen Abbaugebiet in "Würschnitz West".
Geschäftsführer Thomas Gruschka verteidigt die Planungen zum neuen Abbaugebiet in "Würschnitz West". © Kristin Richter

Thomas Gruschka, Geschäftsführer der Ottendorfer Kieswerke, hält die Beschwerde für unbegründet. „Zur geplanten Verfüllung im Abbaufeld Würschnitz-West ist klarzustellen, dass diese allen aktuellen Anforderungen des Boden- und Gewässerschutzes entsprechen wird“, sagt der Geschäftsführer. Das Sächsische Oberbergamt habe hierfür ein entsprechendes Merkblatt herausgegeben. „An dieses sowie die einschlägigen rechtlichen Anforderungen werden wir uns selbstverständlich halten.“

Überhaupt lege das Kieswerk Ottendorf großen Wert auf einen sorgfältigen Umgang mit der Umwelt und die Rekultivierung des jetzigen Tagebaues. Durch Auffüllung mit unbelasteten Erdstoffen soll das ehemalige Geländerelief wiederhergestellt werden, so Gruschka.

"Neue Abbaufläche für die Bauindustrie wichtig"

Auch die geplante Größe des Tagebaus Würschnitz-West von 137 Hektar verteidigt er. „Die in der raumordnerischen Beurteilung vorgesehene Abbaubeschränkung auf 44 Hektar ist rechtswidrig. Sie hat unabhängig davon auch keine Bindungswirkung für nachfolgende Zulassungsverfahren“, sagt er. Das Sächsische Oberbergamt als Zulassungsbehörde habe eigenständig den Vorgang zu prüfen. „Die Landesdirektion als Raumordnungsbehörde darf dem rechtlich nicht vorgreifen.“

Nach seinen Angaben wird zurzeit das vom Nabu angemahnte hydrogeologische Gutachten erarbeitet. „Dieses Gutachten hat auch das Sächsische Oberbergamt gefordert“, erläutert Gruschka. Im September 2020 sei daher ein Sachverständiger beauftragt worden. „Seitdem läuft die Erarbeitung des Gutachtens. Es wird in den nächsten Wochen fertiggestellt und anschließend durch einen vom Sächsischen Oberbergamt beauftragten unabhängigen Sachverständigen nochmals überprüft.“ Mit einer Veröffentlichung der Ergebnisse wird im Frühjahr 2021 gerechnet.

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Nach Angaben des Geschäftsführers endet der Abbau auf dem Areal Laußnitz 1 im Jahre 2023. Der neue Standort „Würschnitz-West“ soll dann Nachfolge-Tagebau werden. „Er ist notwendig, um die Rohstoffversorgung in der Region zu sichern“, sagt er. „Die Sande und Kiese im Raum Ottendorf-Okrilla zeichnen sich durch einen hohen Quarzgehalt und das Fehlen von betonschädlichem Sulfat aus.“ Ein wichtiger Faktor für die Bauindustrie, sagt Gruschka.

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