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Ein fast normales Kinderleben

Das Leben mit ihrem schwerbehinderten Sohn Matteo ist für die Familie Baldermann aus Wachau leichter geworden. Auch dank des örtlichen Sportvereins.

Matteo und seine Mutter Anne Baldermann.
Matteo und seine Mutter Anne Baldermann. © Sven Ellger

Wachau. Matteos Bewegungsdrang wurde in diesen Tagen ausgebremst. Wegen des Teil-Lockdowns, von dem ja auch der Freizeitsport betroffen ist. Trotzdem geht es dem Kind gut. In dieser Woche feierte Matteo seinen zehnten Geburtstag. In solch einem juvenilen Alter ist der Blick in der Regel in die Zukunft ausgerichtet, aufs bisherige überschaubare Dasein wird meist nicht geguckt.

Dennoch hatte der junge Matteo Grund genug, an seinem Geburtstag zurückzuschauen, vor allem aufs letzte halbe Jahr. Das Unerwartetes bereithielt und ihm nun Möglichkeiten bietet, von denen er zu Beginn des Jahres kaum zu träumen wagte: ein fast normales Kinderleben.

„Wir sind wieder alle glücklich“, beschreibt es Matteos Mutter. Voller Stolz erzählt sie, dass ihr jüngster Sohn im Sommer häufiger auf der Sportanlage des TSV Wachau war, um ein wenig mitzukicken, wenn die älteren Brüder mit ihren Teams trainierten. Anne Baldermann spricht von dem großen Spaß, den ihr Jüngster seitdem beim Fußballspielen hat, und klar, seine Brüder Justus (12) und Joshua (14) haben den jetzt ebenso.

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Erste, noch ungewohnte Schritte waren das für den kleinen Matteo. Auch wenn die Bemühungen des Jungen, es seinen Brüdern beim Kicken nachzutun, immer noch etwas sperrig und unkoordiniert wirken, wichtig ist der Familie, dass es aufwärts geht mit ihrem jüngsten Spross.

Auf dem Weg zu einer ganz normalen Familie

Auch dank des TSV Wachau, der für die Baldermanns ja seit Jahren zu einem zweiten Zuhause geworden ist. Dort treiben alle Sport. Und jetzt auch Matteo. Der mit einem Gendefekt geboren wurde und bis zum Frühjahr dieses Jahres nur über eine Trachealkanüle in seinem Hals atmen konnte. Etliche Operationen hatte der schwerbehinderte Junge in den vergangenen Jahren über sich ergehen lassen müssen.

Im Mai dieses Jahres dann die alles entscheidende: Die Kanüle wurde entfernt, das Loch im Hals geschlossen. Das ließ Matteo und auch seine Eltern und Geschwister aufatmen. Am Schicksal der Wachauer Familie hatten in den zurückliegenden Monaten etliche Menschen in der Region teilgenommen, nicht zuletzt auch wegen eines bei MDR und ARD ausgestrahlten Beitrags über den schwerbehinderten Matteo.

Die Reaktionen seien damals „unglaublich überwältigend“ gewesen, schildert es die 35-jährige Anne Baldermann. Wildfremde Menschen hatten sich gemeldet, der Familie angeboten, zu helfen. Mit Geld, mit Sachleistungen. Anne Baldermann schwärmt vom ersten unbeschwerten Strandurlaub, den die Familie in diesem Sommer mit Matteo erlebte. Mit einer Kanüle im Hals war es für den Jungen zuvor immer lebensgefährlich gewesen, gerade, wenn er ins Wasser wollte. Es durfte ja keine Flüssigkeit in die Kanüle, in seine Lunge kommen.

Nein, die gebürtige Wachauerin mag nicht mehr an die vielen furchtbaren Ängste der zurückliegenden Jahre denken. In diesem Sommer konnte Matteo endlich im Meer baden, seine ersten Schwimmversuche machen. Ein bedeutender Schritt für die Baldermanns auf dem Weg zu einer ganz normalen Familie.

Flipper muss warten

Im August hatte ihr Sportverein, der TSV Wachau, ein Spendenkonto eingerichtet, um den großen Wunsch der Familie zu erfüllen: eine Delfintherapie für Matteo. Rund 10.000 Euro kamen binnen kürzester Zeit zusammen. Man habe sich für diese Therapieform entschieden, weil „diese Tiere fürs Körperbewusstsein unseres Jungen bestimmt sehr hilfreich sind“, beschreibt es die 35-jährige Anne Baldermann.

Delfine vermittelten Menschen nicht nur, den eigenen Körper intensiver wahrzunehmen, sondern stärkten auch deren Selbstwertgefühl, so die gebürtige Wachauerin. Für Matteo also das Richtige, um ein Gefühl für sein bis dato recht eingeschränktes Leben zu bekommen.

Eigentlich hatten Baldermanns im Herbst für eine zweiwöchige Delfintherapie nach Spanien aufbrechen wollen. Aber wegen Corona und weil man sich für eine solche nicht alltägliche Therapie ein Jahr im Voraus anmelden muss, klappte es mit der Reise nicht. Das sei aber nicht weiter schlimm, sagt Matteos Mutter. So habe die Familie in den nächsten Monaten genug Zeit, um sich auf diesen Therapie-Trip vorzubereiten. Im Mai des nächsten Jahres, spätestens aber im kommenden September soll Matteo dann mit Flipper und Co. herumtollen können.

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Bleibt also genug Zeit für den jungen Wachauer, um sich an sein neues Dasein zu gewöhnen, zu erfahren, wie das ist, wenn man seine lange gehegten kleinen und großen Kinderträume ausleben kann.

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