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Illegale Fällung im Seifersdorfer Tal

Naturschützer beklagen Verstöße im Seifersdorfer Tal. Ein Stück Wald wurde sogar illegal gefällt. Wie konnte der Kahlschlag im Schutzgebiet passieren?

Steffen Jakob, Vorsitzender des Vereins WunderLand, ärgert sich über die tiefen Fahrspuren im Waldboden im Seifersdorfer Tal. Von bodenschonenden Waldarbeiten könne keine Rede sein, sagt der Wachauer.
Steffen Jakob, Vorsitzender des Vereins WunderLand, ärgert sich über die tiefen Fahrspuren im Waldboden im Seifersdorfer Tal. Von bodenschonenden Waldarbeiten könne keine Rede sein, sagt der Wachauer. © Sven Ellger

Wachau. Der Landschaftsgarten Seifersdorfer Tal ist in einigen Teilen nicht wiederzuerkennen. Stämme umgesägter Fichten liegen wild durcheinander, dazwischen ragen einzelne Buchen in die Höhe, oft mit abgeknickten Ästen. Baumstümpfe und Berge von Reisig sind zu sehen. Dazwischen aufgewühlter Erdboden und tiefe Fahrspuren, die auf schwere Technik hindeuten. „Es sieht so aus, als wäre zum zweiten Mal ein Tornado durch das Tal gezogen“, sagt Birgit Pätzig vom Vorstand des Vereins Seifersdorfer Thal, der sich um den Erhalt des Landschaftsgartens kümmert.

Dabei ist das Tal, durch das die Große Röder fließt, besonders geschützt. Es ist seit 1982 Naturschutzgebiet und seit 2006 Teil des Europäischen Schutzgebietes Natura 2000. Damit unterliegt es besonders strengen Bestimmungen beim Natur- und Vogelschutz. Hinzu kommt, dass das Seifersdorfer Tal einer der ältesten deutschen Landschaftsgärten ist. Er wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Christina von Brühl angelegt. Kahlschlag im Schutzgebiet – wie konnte das passieren?

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Naturschützer: Hier sind illegale Dinge passiert

Steffen Jakob, Vorsitzender des Vereins Wunder Land im nahegelegenen Wachau ist entsetzt über diese Fäll-Aktion. Ein Chaos ist angerichtet worden, sagt er. „Ich verstehe ja den Grund für die Waldarbeiten, die Beseitigung von Fichten, die durch Dürre und Borkenkäfer geschädigt wurden, aber der Naturschutz wurde zu wenig geachtet.“

Besonders der Abtransport habe teilweise zu großen Schäden geführt. In der Tat, im Waldboden sind tiefe Fahrrinnen zu sehen. „Es hätten Pferde eingesetzt werden können. Sie hätten schonender das Holz bis auf die Wege ziehen können“, sagt er.

Auch Dr. Ulrich Hensel, Grünen-Stadtrat in Radeberg und Anwohner am Seifersdorfer Tal, sieht klare Verstöße. „Es wurde mit einem Radlader in das besonders sensible Feuchtgebiet gefahren. Davon gibt es Fotos. Vermutlich waren das Privatleute, die sich mit Genehmigung des Eigentümers Holz aus dem Wald geholt haben. Der Boden ist auf Jahre geschädigt“, sagt er.

Steffen Jakob bemängelt auch die Kommunikation in dem Fall. „Ich als Gemeinderat habe erst im Nachhinein davon erfahren. Selbst die Gemeindeverwaltung wurde erst einen Tag vor Beginn unterrichtet. Wir wurden gewissermaßen vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt er.

Behörden: Fällungen dienen dem Schutz der Park-Besucher

Nach Angaben des Landratsamtes waren die Fällungen erforderlich und genehmigt. Durch den starken Befall mit Borkenkäfern sind zahlreiche Fichten abgestorben. Außerdem seien die nach dem Tornado 2010 stehengebliebenen Bäume von der plötzlichen starken Sonneneinstrahlung in Mitleidenschaft gezogen worden. „Die sogenannten Sonnenbrandschädigungen haben zu einem Absterben der Bäume und damit zu erhöhter Bruchgefahr geführt. Sie mussten beseitigt werden“, teilt Cynthia Thor vom Landratsamt Bautzen mit.

Nach ihren Angaben wurden die Fällungen durch eine fachlich qualifizierte Firma während der Frostzeit durchgeführt. Die Beräumung konnte damit durch den Harvester ohne größere Bodenbeeinträchtigung geschehen. „Die Beräumung des noch im Wald liegenden Kronenholzes erfolgt noch unter größtmöglicher Schonung des Bodens sowie der Bestandsvegetation und unter Beachtung der Artenschutzbelange“, teilt sie mit. Die Fahrspuren im Wald sagen indes etwas anderes aus.

Außer den Fichten ist offenbar ein Stück Wald illegal gefällt worden. Das befindet sich unmittelbar an der Marienmühle. „Diese Maßnahme wurde nicht genehmigt. Auch wir sind bestürzt über diesen Eingriff in das Schutzgebiet und sind an einer raschen Aufklärung interessiert. Selbstverständlich wird dem Fall nachgegangen“, sagt sie. Anders als die übrigen Flächen gehört dieses Areal nicht dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz, sondern ist von der Gemeinde Wachau verpachtet worden.

Eigentümer: Der Borkenkäfer hat sich rasant verbreitet

Der Landschaftsgarten Seifersdorfer Tal befindet sich seit 1997 im Eigentum des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz. Astrid Sturm, beim Verein Koordinatorin für Projekte und Eigentum, verweist ebenfalls auf den starken Befall durch Borkenkäfer. „Wir haben im Winter mit dem zuständigen Leiter des Forstreviers unter die Borke geschaut, da war alles voller Gänge und voller Käfer. Und wenn da vielleicht noch zwei, drei Bäume ohne Befall dabei waren – dort sind so viele Larven im Boden – da wären sie im Frühjahr befallen worden“, sagt sie.

Wegen der Verkehrssicherungspflicht habe man sie fällen lassen müssen. „Wir sind froh, das war ein Glücksfall, dass das kurz vor knapp geklappt hat, denn man bekommt ja gar keine Firmen mehr, ganz egal, wie groß die Not ist“, sagt sie.

Landschaftspfleger: Wissenschafts-Projekt wird angestrebt

Birgit Pätzig vom Vorstand des Vereins Seifersdorfer Thal waren die Fällarbeiten rechtzeitig bekannt. „Das wurde mit uns abgesprochen. Wir wussten, dass zahlreiche Fichten abgestorben waren und dass sie beseitigt werden. Nach meiner Kenntnis sollten die Arbeiten besonders naturschonend erfolgen“, sagt sie. „Es ist gut, dass bei den Arbeiten keine Denkmale in Mitleidenschaft gezogen wurden.“

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Ihr Verein strebt mit dem Landesverein eine Zusammenarbeit mit Forstwissenschaftlern der TU Dresden an. Ziel ist eine optimale Entwicklung des Waldes im Seifersdorfer Tal. „Es geht darum, die Entwicklung wissenschaftlich zu beobachten und, wenn nötig, einzugreifen. Nach dem Tornado haben wir gemerkt, dass sich an einigen Stellen der Wald wieder gut entwickelt, an anderen weniger.“

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