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Was wird aus der Hüttermühle?

Die Stadt Radeberg bietet die ehemalige Gaststätte zum Kauf an. Ein Interessent hat sich bereits gemeldet.

Die Hüttermühle an der Großen Röder bei Radeberg wurde im 19. Jahrhundert gebaut. Jetzt sucht die Stadt einen Käufer.
Die Hüttermühle an der Großen Röder bei Radeberg wurde im 19. Jahrhundert gebaut. Jetzt sucht die Stadt einen Käufer. © Archivfoto: Steffen Unger

Radeberg. Die Hüttermühle gehörte zu Radebergs Ausflugslokalen schlechthin. Generationen von Einwohnern kehrten hier ein, genossen die herrliche Landschaft mit Großer Röder und dem benachbarten Angelteich.

2010 hörten die Wirtsleute Walter auf, seitdem ist die Gaststätte geschlossen. Der Wunsch vieler Radeberger ist groß, dass das Haus endlich wieder zum Leben erwacht. Nach zehn Jahren Stillstand könnte das jetzt gelingen.

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Die Stadt Radeberg hat das historische Gebäude zum Verkauf ausgeschrieben. Auch Erbbaupacht ist möglich. Bis zum 13. Dezember können sich Interessenten melden und ein Nutzungskonzept einreichen.

Der Preis für das Grundstück beträgt mindestens 120.000 Euro. Dafür erhält der Käufer ein Areal von einer Größe von knapp 11.500 Quadratmetern plus Mühlengebäude und einigen Anbauten.

Ein Angelteich befindet sich ebenfalls auf der Fläche. Alles in bester Ausflugslage nur wenige Gehminuten von Schloss Klippenstein entfernt. Ein Schnäppchen scheint es. Doch im Angebot der Stadt werden die Mängel benannt.

Die Mühle, die nach Angaben der Stadt etwa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, ist stark sanierungsbedürftig. Bevor das Haus wieder genutzt werden kann, muss also kräftig investiert werden.

Die Rede ist von einer Million Euro. Es gibt keinen Anschluss an die Kanalisation, lediglich eine Kleinkläranlage ist in Betrieb. Ein Umstand, der eine Eröffnung als Gaststätte nicht einfacher machen dürfte.

Hüttertalverein soll Aufenthaltsgarantie bekommen

Außerdem dürfte nicht jedem Interessenten schmecken, dass der Hüttertalverein, der derzeit hier sein Domizil hat, eine Aufenthaltsgarantie erhalten soll. Auch muss der neue Eigentümer zusichern, in der Hüttermühle eine „gastronomische Grundversorgung“ für Wanderer und Besucher zu sichern, wie es im Ausschreibungstext heißt.

Nach Angaben von Stadtsprecher Jürgen Wähnert hat bisher ein Interessent ein Angebot vorgelegt. „Wir warten jetzt bis zum 13. Dezember ab. Dann werden wir alle Angebote prüfen und dem Stadtrat vorlegen. Er entscheidet, wer den Zuschlag bekommt. Das ist bei Grundstücksverkäufen der Stadt so vorgesehen“, sagt er.

Dennoch zeigten sich Stadträte zuletzt verärgert. „Wir sind in der Vergangenheit nicht ausreichend über die Gespräche mit Interessenten informiert worden“, sagte Frank Höhme, Fraktionschef von SPD/Linke/Grüne. „Wir wollen in dieser wichtigen Sache mehr Transparenz.“

Er spielte dabei auf Verhandlungen der Stadt mit dem Vietnamesisch-Buddhistischen Kulturzentrum (ViBuZ) und einem weiteren Interessenten an. Ähnlich äußerte sich CDU-Stadtrat Matthias Hänsel. Die Stadt verwies auf einen langen Abstimmungsprozess.

Erst als ein Ende der Brückenbauarbeiten über die Große Röder absehbar war, seien verstärkt Verhandlungen mit zwei Interessenten aufgenommen worden. Zwei Konzepte wurden eingereicht.

Eins war aus Sicht der Stadtverwaltung und auch aus Sicht des Hüttertalvereins weniger geeignet. „Das Konzept des ViBuZ war das deutlich bessere und machbarere“, teilt die Stadt mit.

Buddhistischer Verein zog Angebot zurück

Unklarheit bestand zu der Zeit offenbar über den Kaufpreis. Erst ein Wertgutachten brachte Gewissheit. 160.000 Euro, und nach einer weiteren Überprüfung 120.000 Euro, sollte die Hüttermühle kosten. Das war mehr, als die Stadt angesichts der enormen Sanierungskosten erwartet hatte.

Auch dem ViBuZ war die Summe offenbar zu hoch. „Am 8. Mai erhielt ich die Absage des ViBuz“, teilte Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) mit. Vor einigen Wochen wurde die Hüttermühle erneut zum Verkauf ausgeschrieben.

Wer schließlich in die Hüttermühle einzieht und welches Konzept er verfolgt, entscheidet sich entweder schon auf der letzten Sitzung des Stadtrates am 16. Dezember oder zu Beginn des nächsten Jahres.

Auch der Luisenhof steht zum Verkauf

Neben der Hüttermühle steht derzeit eine weitere stadtbekannte Immobilie in Radeberg zum Verkauf. Im Internet bieten die privaten Eigentümer den Luisenhof an. Hier entstand 1875 das erste Kindererholungsheim Deutschlands, später gehörte die Anlage zum Kurbad Augustusbad.

Angeboten wird ein Reiterhof plus Wohnanlage mit einem 14 Hektar großen Grundstück. Darauf stehen vier Einfamilienhäuser, ein Mehrfamilienhaus und Nebengebäude. Laut der Anzeige sind in diesen Häusern zurzeit rund 600 Quadratmeter Wohnfläche vermietet.

Knapp 1,4 Millionen Euro soll der Hof kosten. Zuletzt hatten Stadträte enge Vorgaben für neue Eigentümer gemacht. So dürfen keine zusätzlichen Gebäude mit Mietwohnungen gebaut werden. Ein Interessent will den Luisenhof laut einer Voranfrage als soziale Einrichtung mit Gartenbaubetrieb, Gaststätte und Weiterbildungsstätte betreiben.

Die ökologisch erzeugten Lebensmittel sollen teils in einer Verkaufsstelle angeboten werden. Zudem wollen die neuen Eigentümer Weiterbildungen zum Thema nachhaltige Landwirtschaft anbieten. Geplant ist ein Café für Spaziergänger.

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