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Was führte zum tödlichen Unfall in Großerkmannsdorf?

Vor der Grundschule in Großerkmannsdorf verunglückte ein Schüler, danach wurden Mängel an der Stelle festgestellt. Jetzt soll die Sicherheit erhöht werden.

Im Radeberger Ortsteil Großerkmannsdorf ist die Trauer groß. Mit Kerzen und Kuscheltieren gedenken Mitschüler, Verwandte und Anwohner des verunglückten Jungen.
Im Radeberger Ortsteil Großerkmannsdorf ist die Trauer groß. Mit Kerzen und Kuscheltieren gedenken Mitschüler, Verwandte und Anwohner des verunglückten Jungen. © Marion Doering

Radeberg. Vor der Evangelischen Grundschule in Großerkmannsdorf sind dutzende Kerzen aufgereiht, Kuscheltiere wurden abgelegt, viele Briefe sind zu sehen: Mitschüler, Freunde, Bekannte und Anwohner gedenken des siebenjährigen Jungen, der am Freitag, 24. September, bei einem Unfall auf der Alten Hauptstraße ums Leben gekommen ist.

Gleichzeitig geht die Aufarbeitung des schrecklichen Vorfalls weiter. So trafen sich nur wenige Tage nach dem Unfall Mitarbeiter von Polizei, der Stadtverwaltung Radeberg, der Schule, die Eltern des verunglückten Jungen und weitere Anwohner. Gemeinsam wurde besprochen, wie der Schulweg sicherer gemacht werden kann.

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Nach dem Unfallprotokoll verließ der Junge an dem Nachmittag das Schulgelände offenbar über die Hofein- und -ausfahrt. Auf dem Fußweg wollte er von seinem Fahrrad absteigen. Dabei verlor er vermutlich das Gleichgewicht und der vorbeifahrende Sattelzug erfasste ihn. Rettungskräfte begannen noch vor Ort mit der Reanimation und brachten das Kind in ein Krankenhaus. Dort erlag der Junge wenig später seinen Verletzungen. Die Polizei sieht derzeit kein Verschulden des Lkw-Fahrers. Weder fuhr er zu schnell, noch war Alkohol im Spiel. Dass der Sattelzug überhaupt durch Großerkmannsdorf rollte, ist einem unglücklichen Zufall zu verdanken.

An dem Tag war die Umgehungsstraße S177 gesperrt, sodass sich die Autofahrer andere Strecken suchten, unter anderem durch Großerkmannsdorf. Denn insgesamt ist das Verkehrsaufkommen auf der Alten Hauptstraße gering. „Während des Ortstermins am 5. Oktober kamen zwischen 8.30 und 10 Uhr nur 17 Pkw, drei Lkw, wovon nur einer ein Sattelzug war, sowie ein Traktor mit Anhänger vorbei“, sagte Ortsvorsteher Dr. Karl-Wilhelm Leege.

Der Unfall passierte vor der Grundschule an der Alten Hauptstraße. Die Schule weist Autofahrer seit langem auf die Kinder hin.
Der Unfall passierte vor der Grundschule an der Alten Hauptstraße. Die Schule weist Autofahrer seit langem auf die Kinder hin. © Archiv: Marko Förster

Bei dem Treffen vor der Grundschule wurden insgesamt zwölf Vorschläge besprochen, die die Sicherheit erhöhen sollen. Einer ist bereits umgesetzt. Schülern ist es ab sofort verboten, die abschüssige Hofeinfahrt zu nutzen. Das Schulgelände dürfen sie nur noch über den Haupteingang betreten. Dort ist bereits ein Geländer angebracht, das ein plötzliches Betreten der Straße unmöglich macht. Stadt und Schulverein haben sich darauf geeinigt, das Geländer wegen der Signalwirkung rot-weiß zu streichen. Eventuell wird es auch verlängert.

Ein Umstand, der offenbar zum Unfall beigetragen hat, ist das Gefälle auf der Hofausfahrt und dem Fußweg. Die Stadt will jetzt untersuchen, ob das geändert werden kann. Bauamtsleiterin Uta Schellhorn ist skeptisch. „Wir haben an der Stelle einen Höhenunterschied. Der ist schwer zu beseitigen. Bei eventuellen Umbauarbeiten muss darauf geachtet werden, dass wie bisher zwei Feuerwehren auf das Gelände fahren müssen.“

Vor allem ging es bei dem Treffen um die Verkehrsinsel vor der Schule. Sie weist Mängel auf: Sie entspricht nicht der Normbreite. Schüler mit Fahrrädern können sich dort kaum aufstellen. Außerdem ist die Sicht auf herannahenden Verkehr an einigen Stellen nicht gegeben. Die geringe Fahrbahnbreite rechts und links der Insel wurde ebenfalls kritisiert. Lkw und Traktoren müssten sehr dicht am Fahrbahnrand vorbeifahren. Möglicherweise entsteht so eine Sogwirkung.

Eltern und Ortschaftsräte waren sich einig, dass ein Abriss der Verkehrsinsel durch die Stadtverwaltung geprüft werden soll. Gleichzeitig kam der Wunsch auf, eine Ampel oder einen Zebrastreifen einzurichten. Laut Polizei ist das nur möglich, wenn das eine hohe Verkehrsdichte erfordert. Vor einer Entscheidung soll eine Zählung der Fußgänger und des Autoverkehrs erfolgen.

Ein Durchfahrverbot für Lkw wird sich voraussichtlich nicht durchsetzen lassen, da ihr Anteil gering ist und keine erhebliche Gefahrenlage ersichtlich ist. Eher umsetzbar ist das Anbringen zusätzlicher Verkehrszeichen. So könnten Schilder mit der Aufschrift „Schule“ angebracht werden. Auch Piktogramme auf der Fahrbahn mit ähnlichem Inhalt sind wahrscheinlich möglich. Der Einsatz von Schülerlotsen wurde ebenfalls angesprochen. Das sind meist Schüler ab Klasse acht. Sie könnten von der Polizei in einem kurzen Lehrgang ausgebildet werden. Allerdings müssten sich freiwillige Jugendliche dafür melden.

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Eltern und Ortschaftsräte waren sehr erfreut, dass Stadträte und Stadtverwaltung eine stadtweite Arbeitsgruppe einrichten wollen, die die Sicherheit der Schulwege erhöhen soll. Grünen-Stadtrat Ulrich Hensel hatte bereits Ende September einen ähnlichen Vorschlag gemacht. Jeder Ortschaftsrat, jede Stadtratsfraktion soll eine Person benennen, die darin mitarbeitet. Vertreter der Stadtverwaltung, der jeweiligen Schulen und Schulelternräte sowie der Polizei sollen ebenfalls dabei sein. Bei Bedarf werden die jeweiligen Straßenämter hinzugezogen. Die Arbeitsgruppe stellt dann Verbesserungsvorschläge zusammen, die an die zuständigen Ämter weitergegeben werden. Oberbürgermeister Gerhard Lemm rechnet damit, dass einige Dinge schnell umgesetzt werden können. „Warnschilder können sicher zügig aufgebaut werden. Der Bau von Ampelanlagen wird länger dauern.“

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