merken
PLUS Radeberg

Wo Tessa ihre Lebensfreude wiederfindet

Kurz vor Weihnachten 2019 wird bei der sechsjährigen Tessa Leukämie festgestellt. Heute fühlt sie sich auf einem Reiterhof in Radeberg sehr wohl.

Bei der sechs Jahre alten Tessa wurde 2019 Leukämie festgestellt. Nach ihrem langen Klinikaufenthalt genießt sie die Stunden mit Reittherapeutin Nicole Wieberneit und dem Pony Polly.
Bei der sechs Jahre alten Tessa wurde 2019 Leukämie festgestellt. Nach ihrem langen Klinikaufenthalt genießt sie die Stunden mit Reittherapeutin Nicole Wieberneit und dem Pony Polly. © René Meinig

Radeberg. Polly braucht ihren geregelten Ablauf. Auch, wenn es heiß ist. Erst Hufe auskratzen, dann den Haltegurt um den Bauch anlegen. Das Pony hebt ein Bein nach dem anderen und wartet geduldig, bis Tessa den Schmutz aus den Hufen geholt hat. Reittherapeutin Nicole Wieberneit assistiert ihr dabei.

Dann steigt Tessa auf den Pferderücken, leicht schwankend geht es zum Reitplatz. Die Sechsjährige genießt die ersten Schritte, lächelt, hält sich an den Schlaufen vor sich fest. „Bei uns wird ohne Sattel geritten. So übertragen sich die Bewegungen des Pferdes besser auf das Kind. Tessa muss die Schwankungen ausgleichen. Das fördert ihre Koordinationsfähigkeit“, sagt die Therapeutin. Einmal wöchentlich kommt das Mädchen in den Reiterhof Friedrichstal in Radeberg und kann den Termin jedes Mal kaum erwarten, sagt ihre Mutter Josephine Stronz.

Küchenzentrum Dresden
Küchen-Profis aus Leidenschaft
Küchen-Profis aus Leidenschaft

Das Team des Küchenzentrums Dresden vereint Kompetenz, Erfahrung und Dienstleistung – und punktet mit besonderen Highlights.

Kurz vor Weihnachten Leukämie festgestellt

Tessa hat schwere Monate hinter sich. Bei ihr wurde kurz vor Weihnachten 2019 Leukämie festgestellt. „Eine schreckliche Nachricht. Sie fühlte sich müde und kraftlos. Dann kamen noch Bauchschmerzen dazu. Als dann unser Kinderarzt Blut abgenommen hatte und das Ergebnis vorlag, wurde sie in die Uniklinik überwiesen. Dort haben die Ärzte sofort mit der Behandlung begonnen“, erzählt die Mutter.

Das Mädchen bekam starke Medikamente, wurde streng von anderen isoliert. Eine Infektion wäre wegen ihres geschwächten Immunsystems gefährlich. Glücklicherweise gelang es, die Erkrankung ohne die meist notwendige Stammzellentherapie zurückzudrängen. „Aber drei Monate durfte sie nicht einmal Kontakt mit ihrem Bruder haben. Wochenlang blieb sie im Krankenhaus. Insgesamt war sie anderthalb Jahre nicht in der Kita“, sagt Josephine Stronz.

In dieser Zeit hat ihre Tochter sich immer mehr nach innen gekehrt. „Wenn wieder einmal mehrere Erwachsene am Krankenbett um sie herum standen und sagten, was sie machen soll, hat sie sich abgewandt, das Tablet genommen und kein Wort mehr gesagt.“ Kein Wunder, wochenlang nur Ärzte und Krankenschwestern in ihrer Nähe, niemand Gleichaltriges, mit dem sie ausgelassen spielen konnte.

Schon während des Krankenhausaufenthaltes hatten die Eltern Kontakt zum Verein „Sonnenstrahl“. „Tessa wurde Kunst- und Musiktherapie angeboten. Diese Stunden waren für sie eine willkommene Abwechslung im Klinikalltag. Das haben wir gerne angenommen. Umso mehr, als wir gesehen haben, wie sehr sie ihr Freude bereiteten. Die Mitarbeiter von Sonnenstrahl haben uns sehr unterstützt.“

Verein finanziert Reittherapie

Der Dresdner Verein kümmert sich um krebskranke Kinder und Jugendliche und arbeitet eng mit der kinderonkologischen Abteilung an der Uniklinik zusammen. „Wir begleiten Kinder und ihre Eltern in der schweren Zeit“, sagt Antje Herrmann, Geschäftsführerin von Sonnenstrahl. „Wir bieten Gespräche an, haben eine psychologische Beratungsstelle, organisieren Camps, in denen die Kinder mit Gleichaltrigen zusammenkommen. Mit ihnen können sie sich austauschen, merken, sie sind nicht die Einzigen mit derartigen Krankheitserfahrungen.“

Nach der Entlassung aus der Klinik stand bei Tessa die Frage, wie sie weiter gefördert werden kann. Sie sprach kaum mit Erwachsenen, ihre Motorik musste besser werden. „Als uns die Reittherapie vorgeschlagen wurde und auch die Ärzte zustimmten, haben wir zugesagt. Sie kommt in Kontakt mit den Tieren und lernt neue Menschen kennen.“

Finanziert wird die wöchentlich stattfindende Therapie durch Sonnenstrahl. Die Pferde sind besonders ausgebildet. „Sie haben ein langes Anti-Schrecktraining absolviert und sind dadurch nicht aus der Ruhe zu bringen, auch wenn der Reiter mal ungewöhnlich reagiert“, sagt Nicole Wieberneit.

Schon nach den ersten Wochen auf dem Reiterhof hat Josephine Stronz bei ihrer Tochter deutliche Veränderungen festgestellt. „Sie ist jetzt wieder viel offener, lacht, erzählt von ihren Erlebnissen. Auch ihre Koordinationsfähigkeit ist deutlich besser geworden. Das Reiten tut ihr sehr gut, auch dass sie bestimmte Aufgaben übernehmen kann, wie das Auskratzen der Hufe oder das Striegeln.“

Ganz überstanden hat Tessa ihre Krankheit noch nicht. Sie muss weiterhin Medikamente nehmen und steht unter Beobachtung der Ärzte. „Wir hoffen, dass sie die Leukämie endgültig besiegt. Die Reitstunden in Friedrichstal tragen ganz sicher dazu bei.“

Mehr zum Thema Radeberg