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Radebeul-Schilder geklaut

Mehrere Ortstafeln auf den Zufahrtsstraßen sind verschwunden. Offiziell ausgewechselt werden sie nicht. Doch es gibt einen Verdacht.

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© Anne Hübschmann

Von Ines Scholze-Luft

Radebeul. Mit den Ortsschildern in heimischen Gefilden ist es wie mit den Lichtschaltern in der eigenen Wohnung. Sie sind einfach da, niemand schaut mehr wirklich hin. Die Macht der Gewohnheit eben.

Auch im Lößnitzgrund fehlen Schilder.
Auch im Lößnitzgrund fehlen Schilder. © Anne Hübschmann
Kein Schild mehr auf der Kaditzer Straße.
Kein Schild mehr auf der Kaditzer Straße. © Anne Hübschmann

Stadtrat Tobias Plessing, Bürgerforum/Grüne, hat hingeschaut – zu den Radebeuler Schildern. Und in der Ratssitzung gefragt, wo sie denn eigentlich sind, die Ortstafeln auf der Spitzhaus-/Kaditzer Straße an der Grenze zu Dresden und im Lößnitzgrund an der Ortsgrenze zu Moritzburg. Keiner wusste was, und so machte die Vermutung vom Souvenir die Runde.

Ein Verdacht, den auch Ingolf Zill, Sachgebiet Verkehrsangelegenheiten der Stadtverwaltung, hegt. Denn offiziell gewechselt werden diese Schilder derzeit nicht. Wenn das so wäre, käme das Alte raus und das Neue hinein, die Rahmen würden nicht tagelang ohne Inhalt dastehen. Zill hat jedoch schon so seine Erfahrungen mit leeren Schilderrahmen und -pfählen. Er hat davon gehört, dass mancher Mitbürger sich eine solche Tafel gern ins Zimmer oder in den Garten hängt. Ob die Leute etwa Angst haben, sie könnten vergessen, wo sie wohnen?

Es ist wohl eher die Suche nach etwas Besonderem, die die Leute zu Dieben macht. Daran lässt Zill keine Zweifel: Das Entfernen der Schilder ist keinesfalls ein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Kein Schild, kein Zeichen scheint davor gefeit. Oft weggenommen werden auch Geschwindigkeitsbegrenzungen, vor allem 30 und 50 km/h, für runde Geburtstage, weiß Zill. Was sehr problematisch werden kann – wie das Verschwinden von Ortsschildern an Zufahrten, an denen sie weniger Tempo bedeuten. Wo es von 100 km/h auf 50 km/h geht. Da kommt zur Klauerei der schwere Eingriff in den Straßenverkehr dazu.

Das lässt sich vermeiden, sagt Zill. Denn fürs nichtöffentliche Aufstellen kann sich jeder solche Schilder auch ganz privat anfertigen lassen. Im Ordnungsamt gab es schon mehrere Anfragen dazu.

Das bedeutet in jedem Fall weniger Arbeit und Kosten für die Stadt. Wo Ortsschilder regelmäßig verschwinden, wenn auch in größeren Abständen. Etwa 150 Euro kostet der Ersatz eines Schildes, etwa 30 davon stehen in Radebeul. Wird eines beispielsweise bei einem Unfall mit Unfallflucht zerstört, geht Radebeul in Vorleistung, holt sich das Geld später zurück. Bei Diebstahl bleibt die Stadt auf den Kosten sitzen.

Die Sammelwut geht aber noch weiter. Vor etwa einem Dreivierteljahr hat die Stadt von der Staatsanwaltschaft Bamberg ein Radebeuler Straßenschild zugeschickt bekommen, sagt Ingolf Zill. Die Gleisstraße. Gefunden bei Durchsuchungen im Zusammenhang mit dem Verfahren wegen der Lauchs-Schmierereien. Auch diese Schilder sind also begehrt. Für die Stadt stehen sie nach dem derzeitigen Erneuern der Verkehrszeichen auf der To-do-Liste. Da gebe es viel Kritik der Bürger, sagt Zill. Er wünscht sich Hinweise, wo was fehlt, um die Schilder zielgerichtet zu ersetzen. Wie jetzt bei den verschwundenen Ortstafeln, da könne er schnell reagieren.

Das Verschwinden der Schilder ist kein Radebeuler Phänomen, sagt der Verkehrsexperte. Auch andere Kommunen sind betroffen. Coswig allerdings blieb zumindest in jüngster Zeit davon verschont, so Roland Leibiger vom Baubetriebshof. Sein Team ist in solchen Fällen gefragt, um Ersatz anzubringen. Wie vor zwei Jahren, da war mal eine Ortstafel vermisst worden.

Moritzburg kann im Moment ebenfalls zufrieden sein. Bei uns fehlt nichts, sagt Jochen Bauer vom Ordnungsamt.

Etwas anders sieht das im Großenhainer Land aus. Vor einem reichlichen Vierteljahr wurden da gleich drei Ortseingangsschilder vermisst, in Rostig und Folbern sowie in Großenhain selbst. Alle gestohlen.

Hinweise: [email protected]; 0351 8311740