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Coswigs Fähranleger in der Werft Meißen

Die Pontons müssen generalüberholt werden. Warum sie gerade in den Ferien rausgeholt worden sind und wann sie wieder in die Elbe kommen.

Auf dem Bootswerftgelände der Verkehrsgesellschaft Meißen werden die Fähranleger bei Werftbetreiber Maik Motzek geprüft und instand gesetzt.
Auf dem Bootswerftgelände der Verkehrsgesellschaft Meißen werden die Fähranleger bei Werftbetreiber Maik Motzek geprüft und instand gesetzt. © Peter Redlich

Coswig/Meißen. Es ist ein ungewohntes Bild am Kötitzer Fähranleger an der Elbe. Keine Pontons im Wasser. Die weiß gestrichenen Steganlagen liegen auf der Wiese. Auf beiden Seiten des Elbufers sieht das so aus. 

Die Fähranleger gehören der Stadt Coswig. Betrieben aber werden die Elbfähren von der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM). Herms Gruber ist bei der VGM der zuständige Sachbearbeiter Fähren. Er sagt: "Die Revisionsarbeiten stehen alle fünf Jahre an. Dabei wird von einem Prüfer der Zustand des Pontons festgestellt und ein neuer Termin für die nächste Prüfung festgesetzt. Dieser Termin wurde dem Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden – als durchsetzendes Organ für die Einhaltung von Binnenschifffahrtsverordnungen – übermittelt."

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Die Zeit für das Nutzen der Anleger ist gerade jetzt abgelaufen. Eigentlich sollten die Pontons und die Steganlagen gleich zu Beginn der Herbstferien aus dem Wasser geholt werden. Aber wegen des erhöhten Elbepegels war das nicht möglich, jedenfalls nicht so, dass die fünf schwimmenden Pontons ans Coswiger Ufer gehievt werden konnten.

Dort müssen sie nämlich hin, weil nur hier der 16-Tonnen-Kran die richtige Standfestigkeit hat, um die 3,5 bis vier Tonnen schweren Teile auf einen Tieflader heben zu können. Das ist jetzt geschehen. Herms Gruber: "Wir wollten die Ferienzeit für die Reparatur nutzen, weil die Fähre am dringendsten morgens und mittags von den Schülern gebraucht wird, die ans jeweils andere Ufer müssen, etwa um in Kötitz zur Schule zu kommen."

Ist derzeit angebunden am Steg der Marinekameradschaft - die Kötitzer Fähre. Auch die Steganlagen liegen auf der Wiese.
Ist derzeit angebunden am Steg der Marinekameradschaft - die Kötitzer Fähre. Auch die Steganlagen liegen auf der Wiese. © Norbert Millauer

Zumindest eine der vier für die Reparatur angesetzten Wochen ist dann eine Ferienwoche. Am vorigen Dienstag sind die schweren, grauen Stahlkolosse verladen und nach Meißen auf die Schiffswerft auf dem Gelände der VGM transportiert worden. Maschinenschlosser Maik Motzek kennt sich hier bestens mit all dem aus, was auf der Elbe schippert und auch dazu gebraucht wird, wie eben die Anleger. Motor und Getriebe der Fähre "Kötitz" hatte er erst 2017 im Frühjahr wieder in Ordnung gebracht.

Jetzt sind die großen Pontons dran. Die ersten Arbeiten mit Winkelschleifer und Drahtbürstenaufsatz erledigten Mitarbeiter der VGM. "Außen die übelsten Roststellen beseitigen. Und zwar so, dass die Anleger aufgerichtet werden können", sagt Gruber. Die entscheidenden Stellen sind nämlich auf der Unterseite. Der Boden der in drei Kammern geteilten Schwimmkästen wird mit der Strömung und den unterschiedlichen Wasserständen immer bewegt, schleift über den kieseligen Flussboden. Auch die Wasserströmung selbst, voll mit Sedimenten, frisst an den Stahlwänden. Das alles nutzt ab und bringt Roststellen. 

Beim Anlegen der Fähre entstehen die geringsten Schäden. Das werde durch Holz und Gummipuffer verhindert, sagt der Fährenexperte der VGM.

Abmontiert stehen die Winden für die Kötitzer Fähranlager derzeit in der Reparaturwerft auf dem VGM-Hof in Meißen. Wenn die Pontons saniert sind, werden die Winden wieder festgeschraubt.
Abmontiert stehen die Winden für die Kötitzer Fähranlager derzeit in der Reparaturwerft auf dem VGM-Hof in Meißen. Wenn die Pontons saniert sind, werden die Winden wieder festgeschraubt. © Peter Redlich

Als die Anlieger mal neu ins Wasser gekommen sind, hatten die Metallwände eine Stärke von sechs Millimetern. "2009 haben wir die Pontons von der Stadt Coswig übernommen", sagt Gruber. Da seien sie aber auch nicht mehr neu gewesen. Etwa 20 Jahre sind sie schon im Wasser. Jetzt ist die Voraussetzung für das weitere Nutzen als Anleger, dass die Wände noch mindestens eine Stärke von drei Millimetern haben.

Ob das noch so ist, wird ein Gutachter feststellen. Deshalb müssen die Anleger so aufgerichtet werden, dass der Fachmann an den Boden der Pontons kommt, worauf diese jetzt noch liegen. Mittels Schallmessung wird dann die Dicke ermittelt. Maik Motzek will versuchen, so schnell wie möglich einen freien Krantermin zu bekommen, um die Kolosse drehen zu können.

Ist dann die Stärke der Wände noch so wie gefordert, dann werden die rostigen Stellen abgeschliffen und der Farbanstrich neu aufgebaut. Bis zu zehn Schichten sind das. Reicht die Wanddicke nicht mehr, dann müssen komplette Bleche erneuert werden, notfalls der gesamte Boden. "Aber auf den ersten Blick sieht es gut aus", sagt Gruber.

Vier Wochen Reparaturzeit sind mit der Stadt Coswig vereinbart worden. Dann soll die jetzt bei der Marinekameradschaft in Kötitz angebundene Fähre "Kötitz" wieder übersetzen. Die fünf Anleger - je zwei an den Fährstellen und einer für das abendliche Festmachen der Fähre - sollen dann wieder fünf Jahre ihren Dienst im Elbewasser tun. Herms Gruber rechnet mit Kosten um die 30.000 Euro für die Stadt. 

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