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Das Gebiet um Wackerbarth neu gedacht

Wie könnte Radebeul das Umfeld des Weinguts aufwerten? Die besten Ideen stammen von einem Architekturstudenten. Er gewann den 4. Moritz-Ziller-Preis.

Besondere Trophäe: Gregor Honold von der TU Dresden bekommt den Moritz-Ziller-Preis für Stadtgestaltung überreicht. Er nimmt ihn von Radebeuls OB Bert Wendsche entgegen. Die Laudatio hat Baubürgermeister Jörg Müller gehalten.
Besondere Trophäe: Gregor Honold von der TU Dresden bekommt den Moritz-Ziller-Preis für Stadtgestaltung überreicht. Er nimmt ihn von Radebeuls OB Bert Wendsche entgegen. Die Laudatio hat Baubürgermeister Jörg Müller gehalten. © Norbert Millauer

Von Ulrike Keller

Radebeul. Lange hält Gregor Honold die kleine, aber gewichtige Metallskulptur nicht in der Hand. Sekunden, nachdem er sie lachend von Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) entgegengenommen hat, treibt ihn der Moment dazu, sie und all die anderen Preisträger-Gaben eilig wieder abzustellen.

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„Ich würde gern zwei Worte verlieren“, sagt der Architekturstudent, der den vierten Moritz-Ziller-Preis für Stadtgestaltung gewonnen hat. Er lobt die Stadt Radebeul für diesen regelmäßig stattfindenden Ideenwettbewerb, spricht von einem „guten Prototyp“, den andere Kommunen ruhig übernehmen könnten. Es sei auch nicht schlimm, dass die Verleihung mit der des Radebeuler Kunstpreises zusammengelegt wurde, so Gregor Honold: „Dadurch hatte ich sechs Monate lang Vorfreude.“

Der Grund für die Terminverschiebung und Zusammenlegung: die Corona-Pandemie. Sie ist auch bei der Verleihung am Sonnabendabend im Weinkeller von Schloss Wackerbarth omnipräsent. Preisträger und Vertreter der Stadt verbeugen sich voreinander, statt sich Hände zu schütteln. Das Glas Sekt erhebt jeder von seinem Platz aus und prostet in die Luft.

Gregor Honold wirkt überglücklich über seine Trophäe. Viele Wettbewerbe dieser Art verzichten heutzutage auf Preisskulpturen. Auch deshalb bezeichnet er den Moritz-Ziller-Preis als „sehr einmaliges Ereignis“. Dazu kommt: Der Wettbewerb war der erste, an dem der Student der TU Dresden überhaupt teilgenommen hat. Das Preisgeld liegt bei stattlichen 5.000 Euro. „Davon werde ich mir ein paar Architekturbücher kaufen“, verrät der 24-Jährige der SZ. Außerdem eröffne es ihm die Möglichkeit, einen Städtetrip zu machen. „Einen großen Teil werde ich aber sparen, um mich selbstständig zu machen.“

Seine preisgekrönte Arbeit ist zur Verleihung auf zwei großen Tafeln im Weinkeller ausgestellt – neben allen anderen eingereichten Wettbewerbsbeiträgen. Gemein ist ihnen ein direkter Bezug zum Veranstaltungsort. Denn als Thema hatte das Fachkuratorium diesmal „Kultur trifft Gewerbe – Umfeld von Schloss Wackerbarth“ ausgewählt.

Preisgekrönte Visionen: Die neuen Betriebsgebäude von Wackerbarth in der nordwestlichen Ecke des Wettbewerbsgeländes. 
Preisgekrönte Visionen: Die neuen Betriebsgebäude von Wackerbarth in der nordwestlichen Ecke des Wettbewerbsgeländes.  © Visualisierungen: Gregor Honold
Eine Allee verbindet den Bereich mit dem Schlossgarten. Rechts: Zwischen Meißner Straße und Bahndamm wäre ein Quartierpark mit Café denkbar. An der Bahntrasse verläuft ein Fuß- und Radweg. 
Eine Allee verbindet den Bereich mit dem Schlossgarten. Rechts: Zwischen Meißner Straße und Bahndamm wäre ein Quartierpark mit Café denkbar. An der Bahntrasse verläuft ein Fuß- und Radweg.  © Visualisierungen: Gregor Honold

Zu den Mitgliedern im Kuratorium gehört Radebeuls Baubürgermeister Jörg Müller. Er erläutert den Gästen des Abends: „Bisher von großflächigen Neuansiedlungen frei gehalten, ist das südlich von Wackerbarth gelegene Areal zwischen Bahnlinie und Meißner Straße eine der wenigen noch vorhandenen potenziellen Flächen für Neuansiedlungen.“ Gesucht habe man tragfähige Ideen, die zwischen den zwei bestehenden konträren Funktionen Gewerbe und Kultur vermitteln. „Ziel war es daher, vorhandene Flächen zukunftsfähig zu gestalten, ohne dabei die Identität von Schloss Wackerbarth und der umgebenden Situation zu beeinträchtigen.“

Womit hat der Preisträger die Fachjury überzeugt? Jörg Müller zufolge vor allem mit seiner Lösungsidee für die dringend benötigten zusätzlichen Betriebsgebäude des Weingutes. Fahrzeug- und Lagerhallen sowie ein Bürogebäude hat Gregor Honold in der nordwestlichen Ecke des Wettbewerbsgeländes angeordnet, auf einer jetzigen Brache. Diesen Bereich möchte er in das Schlossensemble einbinden, indem er eine historische Wegachse aus dem Schlossgarten weiterführt. Als Allee gestaltet, schafft diese dennoch den nötigen Abstand vom Schlossgarten.

Das südlich vom Schloss gelegene Gelände zwischen Meißner Straße und Bahndamm hat der Student bewusst frei gehalten. Ein Weg aus dem Schlossareal verbindet die zwei Teilgebiete über die Meißner Straße hinweg. Seine Idee: Gegenüber von Wackerbarth soll ein großer Quartierpark mit Café entstehen. „Ich glaube, Mitarbeiter aus den anliegenden Gewerbebetrieben und Leute aus Radebeul wollen mittags nicht unbedingt den Weinladen oder das Restaurant nutzen“, erklärt er den Ansatz.

An der Bahntrasse schwebt ihm ein Fuß- und Radweg vor. Dieser Gedanke kam ihm, nachdem er mehrmals den „Matsch- weg“ von Obi zu Wackerbarth gelaufen ist. Reale Bildbeispiele für Quartiergebäude und Gleisweg führt er in seiner Arbeit aus Zürich an. Dort hat er während seines Studiums ein Jahr lang in einem Architekturbüro ein Praktikum absolviert.

Östlich des Quartiercafés, auf der Fläche bis vor der Albert-Eyckhout-Straße, würde er ein Gewerbeareal errichten. Die Betriebsgebäude lässt er Richtung Wohnhäuser schrittweise kleiner werden.

Diese Ortswahl für Gewerbeansiedlung sieht die Fachjury kritisch. Dient die Fläche doch aktuell als zusätzlicher und dringend benötigter Busparkplatz von Wackerbarth. Auch einen weiteren Kritikpunkt trägt Jörg Müller vor: Die Juroren hätten sich „tiefergehende Planungsvorschläge für Alternativen zu den bestehenden Gewerbegebäuden südlich der Meißner Straße“ gewünscht. Denn die Gebäude des Betriebs für Fliesen, Holzböden und Naturstein sowie des Autohauses und Supermarkts hat Gregor Honold als gegeben hingenommen.

Diese Hinweise ärgern den aus Baden-Württemberg stammenden Studenten nicht. Im Gegenteil. Sie sind der Grund, weswegen er neben dem Studium den enormen Aufwand betreibt, internationale Wettbewerbsaufgaben zu bearbeiten. „Ich mache das, um eine eigenständige Architektursprache zu entwickeln und dafür Feedback zu bekommen“, sagt er.

Alle Wettbewerbsbeiträge werden ab dem 26.10. im Technischen Rathaus Radebeul (Flur 1. OG) ausgestellt.

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