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Droht dem Kollwitz-Haus das Aus?

Der Kulturraum gibt immer weniger Geld. Die Gemeinde Moritzburg zahlt erneut einen höheren Anteil, will aber Klarheit für die Zukunft haben.

Das Käthe-Kollwitz-Haus Moritzburg wurde vor 25 Jahren eröffnet. Der Rüdenhof - das Sterbehaus der Kollwitz - ist der einzige authentische Ort, an dem die Persönlichkeit der Künstlerin noch heute erfahrbar wird.
Das Käthe-Kollwitz-Haus Moritzburg wurde vor 25 Jahren eröffnet. Der Rüdenhof - das Sterbehaus der Kollwitz - ist der einzige authentische Ort, an dem die Persönlichkeit der Künstlerin noch heute erfahrbar wird. © Arvid Müller

Moritzburg. Es war eine intensive und teilweise konträre Diskussion. An deren Ende stimmten die Moritzburger Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung mit deutlicher Mehrheit  für eine weitere Förderung der Stiftung Käthe-Kollwitz-Haus. Und zwar in einem höheren Umfang, als 2017 für die Jahre 2018 bis 2020 beschlossen worden war. Für 2021 soll die Zuwendung der Gemeinde 30.000 Euro betragen.

So hatte auch der Beschlussvorschlag der Verwaltung gelautet. Die Räte gingen dann allerdings noch einen Schritt weiter. Bis Ende nächsten Jahres soll von der Stiftung ein tragfähiges Konzept für deren Fortbestand vorgelegt werden. Anderenfalls wird die Stiftung danach nur noch den sogenannten Sitzgemeindeanteil bekommen. Das ist der Betrag, den Moritzburg aufbringen muss, damit auch der Kulturraum Meißen - Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die Arbeit des Museums fördert. Was deutlich weniger als die jetzt beschlossene Summe wäre. Zwei Gemeinderäte stimmten gegen den Beschluss.

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Ursprünglich hatte der Kulturraum pro Jahr 45.000 Euro für den Etat des Hauses beigesteuert. Hinzu kamen weitere 6.000 bis 7.000 Euro für die museumspädagogische Arbeit. Die Gemeinde beteiligte sich mit 22.750 Euro und zahlte damit mehr als den eigentlich erforderlichen Sitzgemeindeanteil. Durch die Aufstellung eines neuen Kriterienkatalogs durch den Beirat des Kulturraums verschlechterte sich die Situation für das Kollwitz-Haus im vergangenen Jahr allerdings dramatisch. 

Für den laufenden Betrieb gab es nur noch eine Förderung in Höhe von 28.500 Euro, die Gelder für die Museumspädagogik wurden ganz gestrichen. Zwei Träger der Stiftung - die Kreissparkasse Köln und die Gemeinde Moritzburg - erhöhten daraufhin ihre Zahlung für 2019. Die Kölner von 23.000 auf 30.000 Euro, Moritzburg überwies 32.600 Euro. Aus einem speziellen Förderprogramm des Freistaats flossen einmalig zudem 10.000 Euro zum Erhalt der museumspädagogischen Angebote.

Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats gab im Frühjahr vergangenen Jahres zudem zwei Studien in Auftrag: eine Wirtschaftlichkeits- und Weiterführungsprognose für die Stiftung und eine inhaltliche Betrachtung. Beide wurden in zwei nichtöffentlichen Sitzungen des Gemeinderats zu Beginn dieses Jahres vorgestellt und diskutiert. Volker John, CDU-Fraktionsvorsitzender und Stellvertreter des Bürgermeisters, der in der jüngsten Beratung die Sitzungsleitung für die Tagesordnungspunkte übernommen hatte, machte noch einmal klar, worum es geht. "Das Gutachten zeigt, dass die Stiftung unterfinanziert ist. Wenn es so weitergeht wie jetzt, ist sie nicht überlebensfähig."  

Grundstück und Haus hat die Gemeinde Moritzburg bei der Gründung in die Stiftung Käthe-Kollwitz-Haus Moritzburg mit eingebracht.
Grundstück und Haus hat die Gemeinde Moritzburg bei der Gründung in die Stiftung Käthe-Kollwitz-Haus Moritzburg mit eingebracht. © Arvid Müller

Das Gutachten geht davon aus, dass die Gemeinde ihre Zuwendungen in den Jahren bis 2024 auf Beträge zwischen 58.000 und 88.000 Euro erhöhen müsste, um auch notwendige Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnehmen vornehmen zu können. Haus und Grundstück hatte die Gemeinde Moritzburg seinerzeit in die Stiftung eingebracht. Allerdings setze das voraus, dass die Sparkasse auch künftig 30.000 Euro beisteuert und vom Kulturraum 28.000 Euro kommen. Die Kölner haben zumindest für das nächste Jahr diese Zahlung zugesagt. Der Kulturraum  hat indes nach einer Reduzierung in diesem Jahr auf 24.700 Euro für 2021 eine weitere Kürzung auf 17.000 Euro angekündigt.

John und auch andere Gemeinderäte sehen daher perspektivisch den Freistaat direkt in der Pflicht. "Schließlich hat das Kollwitz-Haus als einziger noch erhaltener authentischer Aufenthaltsort der Künstlerin eine weit über Moritzburg hinausgehende Bedeutung", so der CDU-Mann. Ingo Friedemann (AfD) und Heinrich Gerhartz (CDU) monierten, dass die Leitung der Stiftung zu wenig unternommen habe. Wenn bis nächstes Jahr kein zukunftsfähiges Konzept vorliege, müsse die Stiftung eben bankrott gehen. Grundstück und Gebäude würden in diesem Fall dem Freistaat zufallen, der dann in der Pflicht wäre. 

Für Heiko Vogel (SPD) "ist ein Konkurs keine Kulturförderung. Mitgestalten und nicht nur zusehen". Volker John stellte klar, dass die Stiftung nicht untätig gewesen sei, auch wenn bisher kein praktikables Konzept vorliege. Auch er wolle das Museum und das Grundstück nicht einfach aufgeben. 

"Die Diskussion läuft in weiten Teilen so, als ob die Stiftung ein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen ist", kritisierte Peter Christen (SPD). Es gehe aber um eine Kultureinrichtung, die kaum kostendeckend zu betreiben sei. "Ich sehe aber bei dem künftigen Finanzbedarf schon ein Problem auf die Gemeinde zukommen." Der Freistaat sei hier deutlich in der Verantwortung.

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