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Lieber öffnen, aber mehr Kontrollen

Das wünscht sich die Inhaberin des einzigen Cafés auf der Radebeuler Hauptstraße. Trotzdem hat sie Verständnis für den zweiten Lockdown.

Annegret Riedel steht in ihrem Café und verkauft ihren Kuchen to go. Finanziell lohnt es sich nicht, aber sie bleibt im Gedächtnis.
Annegret Riedel steht in ihrem Café und verkauft ihren Kuchen to go. Finanziell lohnt es sich nicht, aber sie bleibt im Gedächtnis. © Norbert Millauer

Von Beate Erler

Radebeul. Das Gefühl, wenn Annegret Riedel jetzt ihr Café betritt, ist anders: „Sonst gucke ich immer, ob die Blümchen schick auf den Tischen stehen, aber die brauche ich jetzt nicht mehr“, sagt sie. Sonst freut sie sich immer auf die Gespräche mit den Kunden. Seit Anfang November dürfen sie jetzt wieder nur noch einzeln eintreten. Gleich am Eingang befindet sich ein Absperrband, das den Bereich mit den Tischen und Stühlen vom Verkaufstresen abtrennt. Jetzt huschen die Kunden nur kurz rein und sind gleich wieder weg: „Das ist schon traurig“, sagt die Inhaberin des Cafés Bellini auf der Hauptstraße in Radebeul.

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Erst im März 2018 hat Annegret Riedel ihre Schnapsidee, wie sie rückblickend mit einem Lachen sagt, in die Tat umgesetzt. In den Sidonienhöfen eröffnete sie ihr eigenes Café. Mit ihrem Lebensgefährten und ihrem elfjährigen Sohn wohnt sie auf der Hauptstraße: „Ich habe gesehen, dass der Laden frei wird und in Radebeul-Ost gab es noch kein Café“, sagt sie. Damals arbeitete sie noch als Handelsassistentin für einen Großmarkt in Dresden, wollte aber noch einmal etwas anderes machen. Von einem virusbedingten Lockdown nur zwei Jahre später konnte sie damals nichts ahnen.

Die Sommerterrasse mit 40 Plätzen wäre jetzt sowieso zu, aber im Inneren des Cafés ist auf zwei Etagen noch einmal Platz für 70 Gäste. Der ist seit November nun wieder gefüllt mit Leere. Während der ersten Schließzeit im März war es nicht ganz so schlimm: „Das Wetter war schön sonnig und die Leute sind trotzdem gekommen und haben Eisbecher zum Mitnehmen bestellt“, sagt Annegret Riedel. Etwa 30 Prozent weniger Einnahmen waren es in dieser Zeit. Danach und vor allem im Sommer lief es trotz der Corona-Auflagen richtig gut: „Wir haben hier viel Platz und so mussten wir nicht so viele Tische rausnehmen“, sagt die Radebeulerin.

Seit März ist die Gastronomiebranche schwer betroffen: Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Sachsen e. V. spricht von nie da gewesenen Umsatzeinbrüchen bei den sächsischen Restaurants. Laut einer Umfrage sehen sich 69 Prozent der gastgewerblichen Betriebe in ihrer Existenz gefährdet.

Über die Hälfte (64 Prozent) hatten bereits im Oktober Umsatzrückgänge von 39 Prozent. „Die Verzweiflung in der Branche wird größer und größer“, sagt Axel Klein, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Sachsen. Der erneute Lockdown verunsichere die Betriebe weiter: „Die versprochenen Novemberhilfen müssen jetzt sofort schnell und unbürokratisch kommen“, so Axel Klein.

Doch das erneute Schließen aller gastronomischen Einrichtungen betrifft nicht nur die Inhaber: Im Café Bellini arbeiten eine festangestellte Mitarbeiterin und bis zu zehn Pauschalkräfte, die nun alle nichts zu tun haben. Obwohl es sich finanziell nicht lohnt, ist Annegret Riedel dennoch ab Mitte der Woche täglich im Café und bäckt frische Kuchen und Torten. Sie will im Gedächtnis der Kunden bleiben.

In der Glasvitrine warten Bratapfeltorte, Mohnstollen und Mousse au Chocolat-Torte. Dann fiept es kurz: „Der letzte Kuchen ist fertig“, sagt Annegret Fischer und holt einen Kuchen mit dicken Butterstreuseln aus dem Ofen. Sie ist froh, dass die Leute trotzdem kommen und ihren Kaffee und Kuchen zum Mitnehmen kaufen.

Schon im März hat sie in ganz Radebeul Flyer für ihr Angebot verteilt, aber viel gebracht hat es nicht. „Natürlich mache ich mir einen Kopf, wie es weitergeht, aber ich bin ein positiver Mensch und hoffe, dass wir mit dem To-go-Angebot über diese Zeit kommen“, sagt sie.

Besonders hart trifft es sie gerade jetzt, weil sie in normalen Wintermonaten ihr Café für Veranstaltungen und Feierlichkeiten vermietet. Nun fällt auch das noch weg: Familienfeiern wurden schon abgesagt, eine Weihnachtslesung mit Kartenvorverkauf und ein Cocktailabend ebenso: „Jetzt tut es weh“, sagt Annegret Riedel. Trotzdem kann sie die Maßnahmen der Regierung verstehen, denn sie weiß, dass es viele schwarze Schafe gibt, die sich nicht an die Auflagen gehalten haben.

Mit der Entschädigung der Bundesregierung, die bis zu 75 Prozent des Umsatzes vom November 2019 erstatten will, ist sie zufrieden: „Ich will mich nicht beschweren, denn in welchem Land bekommt man schon so viel Hilfe wie bei uns?“ Trotzdem sieht sie die Lösung nicht in der Schließung der kompletten Gastronomie: „Es sollte öfter kontrolliert, aber dafür wieder geöffnet werden.“

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