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Mit Sand matschend besser Sprechen lernen

Radebeul hat eine Sprach-Kita. Bei dem Konzept werden Orte zum Reden geschaffen. Ein Projekt ist die Umgestaltung des Spielgartens.

Emil und Evelina backen in der Matschküche der Kita „Kinderkreis Natur, Heimat und Gesundheit“ einen Sandkuchen. Debora Centner schaut ihnen dabei zu. Die Sprachfachkraft möchte mit Kindern und Eltern zusammen weitere neue Spielbereiche schaffen.
Emil und Evelina backen in der Matschküche der Kita „Kinderkreis Natur, Heimat und Gesundheit“ einen Sandkuchen. Debora Centner schaut ihnen dabei zu. Die Sprachfachkraft möchte mit Kindern und Eltern zusammen weitere neue Spielbereiche schaffen. © Arvid Müller

Radebeul. Für den Bau einer Matschküche braucht es nicht viel: Ein paar Europaletten übereinandergezimmert und schon ist die Arbeitsplatte perfekt. Ein Loch gesägt, ein Becken hineingesetzt und die Spüle ist fertig. Noch ein paar Haken für Schaufeln und Löffeln an der Seite befestigt, ein Topf auf den Spielherd gestellt. Und schon kann Evelina fleißig die Zutaten für einen Kuchen sieben. Emil rührt im Topf derweil den Teig für einen Kuchen zusammen. Was die beiden als Komponenten benötigen, finden sie direkt vor Ort, und zwar Sand und Wasser.

Die Matschküche ist der neueste Spielbereich der Kita „Kinderkreis Natur, Heimat und Gesundheit“ der Kinderarche Sachsen. Seit April dieses Jahres beteiligt sich die Einrichtung an der Waldstraße am Bundesprogramm „Sprach-Kita: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“. Die Matschküche ist das erste Projekt des neuen Konzeptes.

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Aber was hat Matschen mit Sprache zu tun? Debora Centner klärt auf: „Mit der Matschküche haben wir eine kommunikative Situation geschaffen. Kinder sprechen darüber, was sie backen wollen, welche Zutaten sie benötigen.“ Centner ist neben Erzieherin die Sprachfachkraft in der Kita, die Platz für 88 Kinder vom Krippen- bis zum Hortalter bietet. Und für diese will die junge Frau im Rahmen des Programms mit ihren Kollegen und den Eltern weitere Räume schaffen, wo die Kinnings spielerisch und in Alltagssituationen mehr miteinander ins Gespräch kommen.

Eltern werden mit einbezogen

Ihre Muttis und Papis haben hierfür über die Sommerferien eine Hausaufgabe bekommen. „Sie sollen schöne Spielplätze und Spielgeräte fotografieren“, informiert Centner. Denn die Matschküche bildet erst den Anfang für eine Umgestaltung des Spielgartens. Der großzügige Außenbereich wurde einst in den 1970er-Jahren angelegt, als sich dort der Betriebskindergarten der Verkehrsbetriebe befand. Eine Tram zum Spielen zeugt noch davon. Es ist nicht das einzige Spielgerät aus jener Zeit, wie an einem Klettergerüst zu sehen ist. Auch das Bummihaus, mit großen Wandbildern vom gelben Teddybär innendrin, ist in die Jahre gekommen.

Nach den Sommerferien werden die Fotos gesichtet und geschaut, welche der Anregungen für die Gartengestaltung infrage kommen. Außerdem steht ein Rundgang mit den Mädchen und Jungen auf dem Programm. „Sie sollen sagen, was sich im Garten verändern soll und was sie an ihm schätzen und erhalten wollen“, berichtet Centner. Denn neben der alltagsintegrierten sprachlichen Bildung, wofür sprachanregende Räume geschaffen werden, ist das Einbeziehen aller ein weiterer Bestandteil des Konzeptes. „Alle sollen sich in den Projekten wiederfinden“, so Centner, und ihre eigenen Gedanken und Gefühle artikulieren. Dies schließt die Eltern mit ein.

Leseecke geplant

Bei der Sprachförderung hat die Kita nicht nur den Außenbereich im Blick. „Unser Haus verfügt über einen Schatz von Büchern“, berichtet Centner. Auf diese sollen die Kinder in einer Leseecke zugreifen können, die in der Veranda entsteht. Auch hier liegt der Fokus darauf, Kinder zum Sprechen zu animieren. „Anhand der Bilder sollen sie selbst Geschichten erzählen“, so Centner. Darüber hinaus nimmt die Kita die Themen Digitalisierung und Medienkompetenz genauer unter die Lupe.

Das Bundesprogramm Sprach-Kita gibt es seit 2016 und wurde dieses Jahr bis Ende 2022 verlängert. Es hat die Förderung der Sprachkompetenz zum Ziel. Denn diese Kompetenz ist eine Schlüsselqualifikation für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und eine der wichtigsten Voraussetzungen für den schulischen und beruflichen Erfolg. Wer nicht richtig sprechen lernt, bekommt später meist Probleme beim Schreiben und Lesen. Daher fängt die Sprachförderung schon so früh wie möglich in der Kita an. Das Programm ermöglicht den Einrichtungen, ihr Personal durch eine Sprachfachkraft zu verstärken. Insgesamt 210 Millionen Euro stellt der Bund in den Jahren 2021 und 2022 für die sprachliche Bildung bereit.

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