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Radeburg will Brunnen wieder sprudeln lassen

Preiswert ist das nicht zu haben. Denn nicht nur das Bauwerk, sondern auch die Anlage darum soll wiederhergestellt werden. Und das ist nur der Anfang.

Derzeit bietet der Brunnen im Radeburger Zille-Hain einen trostlosen Anblick. Der Beton bröckelt an vielen Stellen. Wasser sprudelt schon lange nicht mehr. Das soll sich im nächsten Jahr ändern.
Derzeit bietet der Brunnen im Radeburger Zille-Hain einen trostlosen Anblick. Der Beton bröckelt an vielen Stellen. Wasser sprudelt schon lange nicht mehr. Das soll sich im nächsten Jahr ändern. © Norbert Millauer

Radeburg. Grüne Oasen in Städten gewinnen angesichts des Klimawandels immer mehr an Bedeutung. Was anderenorts neu geschaffen werden muss, gibt es in Radeburg seit über 100 Jahren. Den Grünzug entlang der Promnitz, bestehend aus dem Carola- und dem Zille-Hain. Für alteingesessene Zille-Städter sind das meist die Anlagen. Dass diese in der langen Zeit aus verschiedenen Gründen zahlreiche Veränderungen erlebten, kann man an alten Ansichten sehen, die es auch im städtischen Archiv gibt. Den letzten deutlichen Einschnitt am Gehölzbestand gab es beispielsweise 2010. Dem Tornado, der am 24. Mai auch über Radeburg hinwegzog, fielen rund 50 Bäume zum Opfer, vor allem solche mit mächtigen Kronen.

Dass es die Parkanlagen gibt, ist zum Großteil dem engagierten Wirken der Mitglieder des einstigen Verschönerungsvereins der Stadt zu verdanken. Der erste Teil des heutigen Zille-Hains entstand allerdings noch vor der Vereinsgründung im Jahr 1892. Die Anlage am Wettin-Obelisk - dem heutigen Mahnmal für die Opfer des Faschismus - wurde bereits 1889 zur 800-Jahr-Feier des sächsischen Königshauses eingeweiht. Nachdem es den Verein gab, wurde mit dem Anlegen des Carola-Hains begonnen. Es folgten 1895 das Bismarck-Denkmal, das 1954 zum Zille-Denkmal umgestaltet wurde, und das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, das noch als Fragment existiert. Auch eine Promenade an der Promnitz entstand.

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Als letzter Teil wurde schließlich ab 1902 der nördliche Bereich gestaltet. Die Promnitzwiese wurde dafür bepflanzt und es entstanden neue Wege. Das Zentrum der neuen Anlage bildete ein Springbrunnen aus Betonsteinen. Diese Fakten und noch viel mehr Informationen einschließlich detaillierter Karten zu den vorhandenen Bäumen, Wegen und Bauwerken wurden in den vergangenen Monaten durch ein von der Stadt beauftragtes Büro zusammengetragen. Die so entstandene gartendenkmalpflegerische Rahmenkonzeption füllt einen dicken Aktenordner.

Mehr als eine Viertelmillion Euro

Rund 30.000 Euro hat sich Radeburg das umfangreiche Werk kosten lassen. Kein Pappenstiel, aber notwendig, wie Bürgermeisterin Michaela Ritter (parteilos) sagt. Denn die gesamten Parkanlagen stehen unter Denkmalschutz. Alle Arbeiten in diesen müssen daher mit den zuständigen Behörden abgestimmt werden. „Dafür ist es aber erst einmal erforderlich, ein klares Ziel zu haben, wie diese entwickelt werden sollen.“ In der Konzeption haben die Fachleute daher untersucht und aufgelistet, was erhalten, was wiederhergestellt und was ergänzt werden soll. Das betrifft die Bepflanzung ebenso wie die Wege und andere vorhandenen Bauten. Von den eher unscheinbaren Grottensteinen bis hin zur großen Brunnenschale.

Die historischen Postkarten aus dem Stadtarchiv zeigen die Anlagen um den Brunnen in den Anfangsjahren ihres Bestehens, zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Die historischen Postkarten aus dem Stadtarchiv zeigen die Anlagen um den Brunnen in den Anfangsjahren ihres Bestehens, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. © Archiv Radeburg
Sogar einen Jägerzaun gab es mal um den Brunnen. Der ist ebenso verschwunden wie ein Teil der Bäume. Einen neuen Zaun wird es auch künftig nicht geben.
Sogar einen Jägerzaun gab es mal um den Brunnen. Der ist ebenso verschwunden wie ein Teil der Bäume. Einen neuen Zaun wird es auch künftig nicht geben. © Archiv Radeburg

Mit dieser hat sich der Stadtrat in seiner vergangenen Sitzung befasst. Denn der Brunnen soll das erste Projekt aus der umfangreichen Konzeption sein, das umgesetzt wird. Bereits im vergangenen Jahr waren dafür die notwendigen Planungen im Umfang von fast 39.000 Euro vergeben worden. Ursprünglich war eine Sanierung des Brunnens geplant. Da dessen Zustand aber so marode ist, dass diese nichts bringen würde, ist nun ein kompletter Ersatzneubau vorgesehen. Keine günstig zu habende Sache. Die Planer haben dafür Kosten von 263.900 Euro errechnet. Einschließlich der Wiederherstellung der den Brunnen umgebenden Grünanlagen. Die Stadträte sollten darüber abstimmen und dabei auch gleichzeitig Umwidmungen von Mitteln im Haushalt beschließen, da eine geringere Summe für die Brunnensanierung geplant war.

Immerhin: Zwei Drittel der Kosten können wie bei der Erarbeitung der Rahmenkonzeption gefördert werden. Dafür gibt es vom Bund und Land Geld im Rahmen der Stadtsanierung beziehungsweise des Programms „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“. Um diese Fördertöpfe anzapfen zu können, so Bürgermeisterin Michaela Ritter, müsse allerdings mindestens eines der Bauvorhaben begonnen werden.

Unter den Räten gab es noch einmal eine kurze Diskussion, ob der Brunnen für so viel Geld nötig sei und man die Mittel nicht anderweitig verwenden sollte. Letztlich entschieden sich jedoch alle dafür, diesen Park so wie er ist zu erhalten und neu aufzuwerten. Im kommenden Jahr sollen die Bauvorhaben nach der 1. Stadtratssitzung vergeben werden.

Apfelbäume sollen wieder verschwinden

Zum letzten Mal war der Brunnen übrigens 1999 von der Radeburger Firma Herrmann instandgesetzt worden. Uwe Berge hatte dabei die Anlage so umgebaut, dass sie aus den nicht mehr benötigten städtischen Trinkwasserbrunnen gespeist wurde, die sich auch im Zille-Hain befinden. Ein paar Jahre sprudelte der Brunnen dann - mit kurzer Unterbrechung durch das Hochwasser - doch nun ist er bereits wieder seit Längerem nicht mehr in Betrieb.

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Die 2012 am Brunnen gepflanzten Apfelbäume werden mit der Neugestaltung wieder verschwinden. Zum einen, weil sie aus denkmalpflegerischer Sicht dort nicht hinpassen und zum anderen haben die Früchte den Brunnen immer verstopft, so die Bürgermeisterin. (mit SZ/per)

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