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Radfahrer in Radebeul wollen mehr gehört werden

Die ADFC-Umfrage zum Radverkehr-Klimatest läuft noch bis Ende November. Kritik gibt es an der Sicherheit für Radler.

Neu gebaut und unsicher für Radfahrer. Ein Abschnitt auf der Meißner Straße in Radebeul-Mitte.
Neu gebaut und unsicher für Radfahrer. Ein Abschnitt auf der Meißner Straße in Radebeul-Mitte. © Arvid Müller

Radebeul. Radebeul gehört in Sachsen zu den Städten mit - bezogen auf die Bevölkerungszahl - den meisten Fahrradnutzern. In der Stadt gibt es auch eine eigene Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). In den vergangenen Jahren haben sich so viele Bürger an der Umfrage Fahrradklimatest beteiligt, dass die Stadt in die deutschlandweit große Endauswertung kam.

In diesem Jahr wird wieder getestet. Noch bis 30. November läuft der Fahrradklima-Test, bei dem der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) die Zufriedenheit mit dem Radverkehr in Deutschland ermittelt.

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Thomas Weist ist für den ADFC Radebeul der Sprecher. Aus der Sicht des sich für die Radfahrer in der Stadt einsetzenden Vereins gibt es Dinge, die in den letzten Jahren gut gelaufen sind, aber auch deutliche Kritikpunkte. Weist: „Gut finden wir, dass es bei der Stadtverwaltung die Bereitschaft gibt, nach Lösungen zu suchen. Wir werden immer mit zum Verkehrsrat, der zu Problemen berät, eingeladen.“

Der ADFC lobt auch, dass in Radebeul mittlerweile an zwölf verschiedenen Standorten Tafeln aufgestellt worden sind, auf welchen die Autofahrer auf 1,50 Meter Abstand beim Überholen von Radfahrern aufmerksam gemacht werden. Die Tafeln hat der ADFC bezahlt, die Stadt hat das Anbringen genehmigt, so Weist.

Kritik üben die Mitglieder der Ortsgruppe vor allem zu Themen der Sicherheit für Radfahrer. Als Beispiele nennt Thomas Weist zwei Haltestellenpassagen auf dem neu hergestellten Teilstück der Meißner Straße in Mitte. Weist: „Dort werden die Radfahrer aus dem geschützten Streifen direkt zwischen die Autofahrer geschickt. Das ist gefährlich für beide Seiten.“ Beschwerden dazu gab es gleich nach Fertigstellung der Baustelle. Der ADFC sagt: Das ist an anderer Stelle der Meißner Straße viel besser gelöst worden. Seit 2015 gab es dazu eine Stellungnahme des Vereins. Erhört wurde sie nicht.

Kritik: Kein Radweg am neuen Brückenbau

Eine ähnliche Kritik gibt es für das Bauvorhaben nach der Schiffsmühle. An der Stadtgrenze zu Coswig soll eine große Brücke über mehrere Bahngleise gebaut werden. Damit wird das Gewerbegebiet mit der Meißner Straße verbunden. Thomas Weist: „Hier wurde die Straße geplant und auch ein relativ breiter Fußweg, aber kein Radweg. Das halten wir für falsch, nur weil das nicht die Bahn, die die Brücke bezahlt, mit finanzieren würde.“ Mit Fußgängern sei dort weniger zu rechnen als mit Radfahrern. Nur, den Radweg müsste die Stadt selbst bezahlen.

Generell kritisiert die ADFC-Ortsgruppe, dass ihre Vertreter bei größeren Bauvorhaben nicht gehört würden. Beim Einrichten von Baustellenabsperrungen werde zu wenig auf Radfahrer geachtet. Und: Nicht wenige Nebenstraßen bieten zu wenig Sicherheit für den Radverkehr. Weist nennt als Beispiel die Nizzastraße. Weil dort die Ränder vielfach beschädigt sind, fahren die Radfahrer zur Sicherheit mehr in der Straßenmitte. Dort wiederum aber werden sie von Autofahrern bedrängt.

Der ADFC in Radebeul bittet die Radfahrer der Stadt, sich an der Umfrage zu beteiligen. Die weltweit größte Befragung zum Radfahren findet zum neunten Mal statt. Mitmachen können nicht nur ADFC-Mitglieder, sondern alle, die in ihrem Alltag das Fahrrad nutzen.

Die Untersuchung umfasst 32 Fragen. Im Fokus der Befragung steht das Sicherheitsgefühl der Radfahrenden sowie die Radwege in der Stadt. Fünf der 32 Fragen zielen auf die besondere Corona-Situation in diesem Jahr ab: In vielen Städten ist die Nutzung des Fahrrads geradezu durch die Decke gegangen. In Radebeul gab es wiederholt Hinweise, dass sich Radfahrer - etwa auf Abschnitten der Meißner Straße - nicht sicher fühlen. Der Forderung vieler, neben dem Elberadweg auch einen Radweg durch die Mittelachse der Stadt anzulegen, ist die Stadt mit dem Radweg Gottesacker nachgekommen.

„Der Fahrradklima-Test ermöglicht es jedem, sein Feedback an die Planer vor Ort, an Bürgermeister und natürlich auch an die Verkehrspolitiker auf Landesebene zu geben“, sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen. „In den letzten Jahren konnten wir damit viele Gefahrenstellen im Radwegenetz aufdecken.“

Seit Beginn des Befragungszeitraums am 1. September haben in Radebeul bisher 108 Menschen die Fragen des ADFC beantwortet. Zum Fahrradklima-Test vor zwei Jahren waren es sogar 304 Teilnehmende. „Damit wird Radebeul es in die Auswertung schaffen, doch je mehr Menschen unsere Fragen zur Fahrradfreundlichkeit beantworten und ihre Stadt bewerten, umso mehr können die Kommunen und der ADFC zum Schluss damit anfangen“ so Krause. „Wir freuen uns über jeden, der seine Erfahrungen beim Radfahren in Radebeul mit uns teilt.“

Der Fahrradklima-Test ist der weltweit größte Zufriedenheitsindex zum Radverkehr. Seit 2012 organisiert der ADFC die Studie im Abstand von zwei Jahren.

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