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Schockwellen im Wasser

Ein Radebeuler Unternehmen recycelt umweltschonend Batterien und andere Altteile, auch aus der Autoindustrie. Geforscht wird auch.

Stolz auf seine Schockwellenmaschine: Robert Jüttner, Geschäftsführer der MAB Recycling GmbH Radebeul, kann damit beispielsweise defekte Duschköpfe oder alte Akkus zurück in ihre Ausgangsstoffe zerlegen - kontaktlos und ohne Chemikalien.
Stolz auf seine Schockwellenmaschine: Robert Jüttner, Geschäftsführer der MAB Recycling GmbH Radebeul, kann damit beispielsweise defekte Duschköpfe oder alte Akkus zurück in ihre Ausgangsstoffe zerlegen - kontaktlos und ohne Chemikalien. © Norbert Millauer

Von Julian Wolf

Radebeul. Versteckt zwischen dem Feuerwehrgebäude in Kötzschenbroda und der gegenüberliegenden alten Ruine, findet sich eine neue Halle auf der Wilhelm-Eichler-Straße in Radebeul. Ein Stahltor und Baustellenzäune umgeben das unscheinbare Areal der MAB Recycling GmbH. In der Halle angekommen, sieht man diversen Schrott herumliegen: Handys, Batterien, Akkus, Spiegel und Duschköpfe. Eine brandneue Maschine steht in der Mitte. „Es ist das Herzstück unseres Unternehmens“, sagt der Geschäftsführer Robert Jüttner, und es wird ersichtlich, dass es sich bei dieser Recycling-Apparatur um etwas ganz Besonderes handeln muss.

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Der komplette Schrott wird vorn in die Maschine gelegt. Ein Laufband befördert das aufzubereitende Material nach oben in das Sturzrohr der Anlage. Dann fällt das Recycling-Gut in einen Wassertank mit einem Fassungsvermögen vergleichbar mit dem einer Badewanne. 

In der Maschine wird dann ein künstlicher Blitz erzeugt. Dieser trifft in das Wasser und startet eine Druckwelle im Becken, die anschließend auf den Schrott im Behälter trifft. Kleinste Teile können so abgespaltet und gelöst werden. „Berührungslos und ohne Einsatz von Chemikalien. Das ist das Besondere an unserer Verfahrenstechnik“, erklärt Jüttner, dessen Anlage auch in Radebeul entwickelt wurde.

Die sogenannte Schockwellen- beziehungsweise Zerkleinerungsanlage ist das stolze Werk der Firma ImpulsTec GmbH. Eine Schwesterfirma der MAB Recycling, ebenfalls mit Sitz in Radebeul. Das Unternehmen forschte zwei Jahre lang an der Technologie, entwickelte die Maschine und baut inzwischen die Anlagen zur Materialaufbereitung in Eigenregie. „Mit unseren patentierten Verfahren und Geräten können wir Wertstoffe zurück in ihre Ausgangsbestandteile zerlegen. Diese werden dann wieder zu den Produzenten zurückgeführt“, sagt Jüttner und grenzt sich einem konventionellen Wertstoffhof ab.

Ein Produzent von Duschköpfen sendet beispielsweise gebrauchte oder defekte Waren in das Unternehmen, wo die dünne Metallschicht von dem Kunststoff entfernt wird. Der galvanisierte Überzug wird also von dem Gehäuse getrennt und Metall und Kunststoff separat zurückgesandt. Dabei kann jederzeit entschieden werden, inwieweit die Stoffe wirklich getrennt werden sollen. 

Dies ist gerade bei Akkus oft der Fall. „Man kann nur die äußere Folie abtrennen, aber auch bis zur inneren Folie vordringen oder den Akku komplett in seine Einzelteile zurückführen“, so der Geschäftsführer. „Wir können den Trennungsprozess ohne Probleme abstufen und steuern. Das geht nur mit kontaktlosem Recycling.“

Ein Duschkopf - zerlegt in seine Materialbestandteile.
Ein Duschkopf - zerlegt in seine Materialbestandteile. © Norbert Millauer

Ein erheblicher Vorteil, denn Hammer- und Schneideanlagen würden diese sorgfältigen Materialtrennungen nicht vollziehen können. Das könnten aber Chemikalien, die Jüttner nicht einsetzen will. „Recycling muss nachhaltiger und sauberer werden. Wir benötigen nur Wasser und Strom. Giftige Chemie wollen wir nicht nutzen. Das ist umweltschädlich.“

Obwohl die Technologie aus Radebeul schon sehr gut funktioniert, ist es doch ein zeitaufwendiges Unterfangen. Eine Schockwellenmaschine zersetzt etwa 100 Tonnen Schrott im Jahr. Da sich viele Unternehmen schärfere Umweltstandards setzen und zudem immer mehr Akkus und Batterien in Fahrzeugen eingebaut werden, rechnet Jüttner mindestens mit einer Verzehnfachung des Recyclingbedarfes. Das wären 1.000 Tonnen pro Jahr.

Deshalb will der Geschäftsführer, der bereits mit vielen namhaften Automobilherstellern zusammenarbeitet, sein zwölfköpfiges Unternehmen ausbauen und die Produktionsfläche vergrößern. „Die Vernetzung mit dem Fraunhofer-, und dem Max-Planck-Institut sowie mit dem Helmholtz-Zentrum erfolgte bereits. Die Nähe zu Dresdner Hochschulen und Universitäten ist uns wichtig. Wir wollen Nachwuchskräfte gewinnen, aber auch unser Gelände erweitern.“

Im Sommer des kommenden Jahres soll der Betrieb dann auf Hochtouren laufen und die Forschung in der Zwischenzeit weitergehen.

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