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Voll im Feuer

Radebeuler Kameraden trainierten am Wochenende unter Atemschutz im Brandcontainer.

Drin im Brandcontainer: Flammen schießen hoch, die Hitze ist weit über 100 Grad.
Drin im Brandcontainer: Flammen schießen hoch, die Hitze ist weit über 100 Grad. © Peter Redlich

Radebeul. Nur eine feuerfeste Glasscheibe ist Peter Lorenz von dem Kellerraum entfernt, in dem gerade die Flammen hochschießen. Lorenz ist Ausbilder für Atemschutz in der Radebeuler Feuerwehr. Genauso wie Stadtwehrleiter Roland Fährmann und Steffen Kurtz.

Die drei trainieren 55 Kameraden von über 110 Aktiven, wie ein Einsatz unter Atemschutz stattfinden soll. Das Trainingsgerät ist ein 37 Tonnen schwerer Sattelzug. Der besteht aus der Zugmaschine und einem kellergroßen Container. In dem Container ist ein solcher Raum nachempfunden. Drin ein Sofa, ein Schrank, ein Küchenherd. Es könnten eine vergessene Herdplatte, eine Zigarettenkippe im Polster sein, die den Brand auslösen. Wie im wirklichen Leben oft genug erlebt.

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Marcus Kratzert und Roland Fährmann sind drin im Keller. Die Feuerwehrleute stehen im Rauchnebel. Sie tragen Masken, atmen über einen Schlauch aus der Druckgasflasche. Gegen die Hitze tragen sie Hose und Jacke, die vierlagig Temperaturen bis über 400 Grad aushalten.

Plötzlich schießen aus Schrank und Sofa Flammen. Marcus Kratzert hält den Wasserschlauch und zielt auf die Flammenherde. In Sekundenschnelle füllt sich der Raum mit Dampf. Kaum noch Sicht. Die Männer haben Stress. Können sich nur schemenhaft noch sehen. Wie sie jetzt handeln, das muss abgesprochen, geübt und sicher sein.

Drei Minuten später stehen die Männer vorm Container. Sie sind raus aus dem brennenden Raum. Helm runter, Schutzmaske runter, Jacke aufgemacht. Der Schweiß rinnt ihnen in Bächen übers Gesicht und in den Nacken. Atem holen, dann geht es zur Auswertung.

Der Brandcontainer - ein 37 Tonnen schwerer Truck bietet im Inneren wirklichkeitsgetreue Bedingungen.
Der Brandcontainer - ein 37 Tonnen schwerer Truck bietet im Inneren wirklichkeitsgetreue Bedingungen. © Peter Redlich

Peter Lorenz sagt, worauf es ankommt: Nicht unbedingt auf die große Menge Wasser, die auf die Flammen gerichtet werden soll und unendlich Wasserdampf und Undurchsichtigkeit erzeugt. Lorenz spricht vom Impulslöschen, Stellen erkennen, welche die Flammen nähren, vor allem aber, sich gegenseitig in schwierigen und teils schwer erkennbaren Situationen geordnet verhalten. Vertrauen in die Schutzkleidung bei großer Hitze haben. Rückzugsweg sichern - sind Sätze in der Auswertung.

Marcus Kratzert gönnt sich eine ganze Wasserflasche. Roland Fährmann dazu noch eine Zigarette. Durchatmen, den Kopf und die Sinne freibekommen und analysieren, warum was wie gelaufen ist. Genau das ist der Grund, warum die Radebeuler Feuerwehrleute aller zwei Jahre diese Übung im Brandcontainer machen. Realistisch und sofort auswertbar für die Freiwilligen aus Kötzschenbroda, aus den Wachen in Ost, Lindenau und Wahnsdorf.

Auswertung und Durst nach dem Einsatz im heißen Container (von links): Marcus Kratzert, Peter Lorenz und Roland Fährmann.
Auswertung und Durst nach dem Einsatz im heißen Container (von links): Marcus Kratzert, Peter Lorenz und Roland Fährmann. © Peter Redlich

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Jörg Petrus ist der Mann, der den Brandcontainer, der fachlich richtig mobile Brandsimulationsanlage heißt, steuert. Nicht nur am Lenkrad von Trainingsort zu Trainingsort, auch im Leitstand hinter der Glasscheibe bestimmt er per Knopfdruck, wann wo die Flammen überraschend für den Löschtrupp in die Höhe schießen. Nahezu jedes Wochenende ist Jörg Petrus mit dem Brandcontainer bei einer anderen freiwilligen Feuerwehr in Deutschland für seine Spezialfirma Blaul & Seifert unterwegs. 6.000 Euro kostet die Stadt Radebeul das Training im Brandcontainer. Die Kameraden opfern dafür ihr Wochenende. „Eine gute Investition für den Schutz unserer Bürger“, sagt Stadtwehrleiter Fährmann.

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